Das Ende der Menschheit ist die Selbstzerstörung; die Welt kolonisiert, der in Jahrmillionen angewachsene Naturschatz geplündert, die vormals mächtigen und selbstbewussten Tiere in Reservate erniedrigt, die gottesfürchtige Religiosität verlottert und der Mensch endlich selber zum Sklave seiner künstlichen Schöpfung.
Das letzte Korrektiv der menschlichen Sünde, der Regenwald Südamerikas, das die von menschlichen Weltstädten verpestete und vergiftete Atmosphäre reinigte, scheint zunehmend wegen kurzfristigen, bloss in monetären Kategorien motivierten Interessen gerodet. Die Kraft und Stärke protzende und vermeintlich industrialisierte wie zivilisierte Nationen derweil befehden einander handgreiflich, verbal oder wirtschaftlich um die letzten Ressourcen.
Der von Menschen, aber nicht für Menschen errichtete Steinkoloss Weltstadt, worin Menschen zweckmässig gezüchtet und genormt worden sind und noch immer werden, verschlingt das umliegende Land, den dumpfen, mit Natur in verhältnismässiger Eintracht lebenden Bauer, erschüttert den im Land erblühten Katholizismus und zerstört endlich das Sozial-Gemeinschaftliche.
Die christliche Ehe ist verspottet, die Wohlstand und Nachwuchs reproduzierende Kleinfamilie verschmäht, das Soziale als realitätsferne Sozialromantik abgefertigt, die Solidarität als zu teuer verkalkuliert und der Leistungsdruck als von Gott gewollt verklärt. Die unverheirateten Menschen sind isoliert, als Konsumgruppe «Singles» umworben, als Egoisten überschätzt und als Karrieristen gelobt.
Mit dem globalen Kapitalismus verhält es sich zuweilen wie mit einer Erfindung. Zuerst nützt sie dem Erfinder selbst. Erst nach und nach wird die Erfindung bekannt und auch andere profitieren von ihren Vorteilen. Dass der Erfinder seine Erfindung für sich zu behalten versucht, ist zwar moralisch verwerflich, im Grunde aber ein ganz natürlicher Prozess. Verhalten wir uns nun unnatürlich, oder ist der globale Kapitalismus so ausgeklügelt, dass er uns zu überlisten vermochte?
Die westliche Welt hat es bisher versäumt, den ökonomischen Theorien Taten folgen zu lassen. Die Politiker dieser Welt sind zu eigensinnig, das Konzept des freien Handels auf die ganze Welt auszudehnen. Sie wissen genau, dass langfristiger Erfolg (freier Handel ist kein Nullsummenspiel) Umwälzungen mit sich bringt. Wie sonst kann man sich erklären, dass die Abschaffung des Protektionismus (zurecht) gepredigt wird, jedoch jeder kleinste Schritt in diese Richtung Jahre bis zur Umsetzung braucht.
Nur ein paar Fakten: Die westlichen Zölle für Exportgüter der Entwicklungsländer liegen 30% über dem globalen Durchschnitt. Zölle für Güter, die in unserem Teil der Erde nicht produziert werden können, sind tief. Zölle für veredelte Güter, wie für Maschinen, sind aber viermal (!) so hoch als für vergleichbare Produkte aus industrialisierten Ländern. Dies führt u.a. dazu, dass ein Teil der Welt ganz bewusst vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen wird.
Kann es sein, dass das Wohlergehen der 3. Welt für ein paar Bauern aus Randregionen geopfert wird. Wie sonst kann das Zaudern der Schweiz in den Doha-Runden verstanden werden. Wann geht es endlich weiter in dieser so wichtigen weltpolitischen Frage? Anstatt die 3. Welt nur mit mikriger Entwicklungshilfe zu vertrösten, sollten wir den Mut haben den Menschen des Südens die Hand zu reichen, um mit ihnen faire Geschäfte zu machen.
Das Internet, bislang ein Ort der Anonymität, Beliebigkeit und Vielfalt, soll vermenschlicht werden. Erinnern wir uns zurück: Vor einigen Jahren zirkulierte die «Innovation» durchs Netz, man wolle die Surfer einer Webseite zusammenbringen, ihnen also den Dialog mittels Diskussionsmöglichkeiten vereinfachen. Der Internet Explorer von Microsoft beispielsweise wurde dazumal mit einer Funktion ausgestattet, welche das entsprechende Diskussionsforum einer Webseite, die natürlich diesen Dienst zuerst einrichtete, in Echtzeit anzeigte. Durchsetzen konnte sich diese Funktion jedoch nie. Sie fristete ein Nischendasein, geriet alsbald in Vergessenheit. Im Geschrei nach X.0-Obsessionen feiert das beseelte Internet die Wiedergeburt. Soziale Netzwerke sollen indes einen messbaren Mehrwert für Unternehmungen und Privatpersonen generieren. Dieser bedingt, dass sich die Menschen vernetzen, sozialisieren.
Das Prinzip «Sehen und gesehen werden» wurzelt in den Tiefen der menschlichen Psychologie. Man will bekanntlich immer wissen, was die Andren so treiben, unternehmen, machen oder lesen. Um schliesslich nicht negativ aufzufallen, orientiert man sich am Umfeld. Zweitgeist, eine so genannte «Avatar-Community» aus Deutschland, befriedigt dieses Bedürfnis. Zweitgeist implementiert spezielle Funktionen in gängige Browser, die jederzeit visualisieren, welche Menschen dieselbe Webseite besuchen. Selbstredend kann man sein Profil, seine Erscheinung personalisieren.
Zweitgeist beansprucht, die fehlende Lücke des Web 2.0 zu schliessen. Aber wollen die Menschen wirklich allen entblössen und mitteilen, welche Webseiten sie ansteuern? Und wollen sie beispielsweise auf einer Nachrichten-Seite nicht eher die Nachrichten studieren, anstatt sich an kleinlichen Stammtischgesprächen zu beteiligen? Wir wissen es nicht, aber scheinbar besteht durchaus eine Nachfrage danach, und demnach entscheidet auch ein Markt über den Erfolg oder Misserfolg dieser Unternehmung.
Weiterführende Informationen
SPIEGEL: «Avatar-Community»
Nicht ohne Genugtuung, aber mit bedingtem Besorgnis vernehmen wir folgende Meldung der NZZ. Der von uns bereits seit längerem prophezeite «Autorenjournalismus», wie die NZZ ihn umschreibt, erfüllt sich in den USA. Die Verleger erkannten, dass die Leser zukünftig vermehrt Beiträge und Kommentare mit einer subjektiven, weil eindeutigen Handschrift verlangen. Sie kommen diesem Wunsch eilends nach.
Aufgeschnappt via SBP-Blog.
Im Englischen, so der Sachverständiger der USA, versucht man Gedanken möglichst einfach und klar zu kristallisieren. Währenddessen, so die Klage, die Deutschen diese Einfachheit als zu einfältig einstufen und demnach ihre Gedanken künstlich verkomplizieren. Die Devise: guter Stil ist komplex, überlebte selbst die Moderne.
Wir suchten vor fünf Wochen ebenfalls den Unterschied zwischen der deutschen und englischen Sprache. Im Vergleich zum USA Erklärer planschten wir lediglich an der Oberfläche. Jedoch beim Studieren des Artikels des USA Erklärers bestätigen sich unsere “Schätzungen” und subjektiven “Mutmassungen”.
Übrigens: der USA Erklärer verfasste seinen durchaus lesenswerten und aufschlussreichen Artikel anlässlich einer SPIEGEL-Debatte mit dem Vorwurf, die Deutschen verhunzten und gäben die Schönheit ihrer Sprache. Die linguistischen Blogs entkräftet natürlich geschlossen diesen Vorwurf aus der Fundgrube. Für den schweizerischen Einstieg in die Welt der Sprachen empfiehlt sich die “linguistische Monarchie”.
USA erklärt
linguistische Monarchie
Der Dschungel erbittet um Stellungnahmen, ob wir das primäre Geschlechtsteil als einen ästhetischen Gegenstand wahrnehmen können und dürfen, denn durch die menschliche “Entfellung” verursachte “Sensibilisierung von Zärtlichkeitsreizen” und “Schönheit der Haut” geriet des zwischenzeitlich meist am Scham enthaarte primäre Geschlechtsorgan in den Fokus der weitläufigen Aufmerksamkeit.
Wir sagen ja, ein enthaartes primäres Geschlechtsorgan dürfe man durchaus als einen ästhetischen Gegenstand betrachten, aber nicht um als Zeuge des Körperkultes zu stammeln, eher wäre ein entkrampftes und enthemmtes Verhältnis zum eigenen Körper ermessen, der einen anfälligen Körperkult, welcher zumal in der Kompensation eines mangelhaftes Intellekts wurzelt, vermeidet und somit die folgenschwere Schönheit des eigenen Geschlechtsorgans akzeptiert.
Der Beginn der Weltgeschichte zeigt sich in der Bildung eines Weltbewusstseins. Oder anderseits können wir den Beginn der Weltgeschichte darin erahnen, dass jedes Ereignis die Welt erreicht, somit berührt und bewegt. Und folglich verschmelzen die Menschenkulturen zu einer neuen ganzeinheitlichen Weltkultur. Diese Entwicklung revolutioniert das bisherige Bewusstsein der Menschen. Aber trotzdem verfangen sich viele Ängstliche in den alten Weltbildern, weil die Frage, wie viel Welt und Wahrheit verträgt der Mensch, noch nicht beantwortet ist. Hugo Lötscher griff also gar nicht so daneben, als er unsere Epoche als die Geburt der Weltgeschichte proklamierte, wie er kürzlich DRS2 bekannt gab. Also wir erwarten ganz neugierig sein Werk über diese Thematik.