Der Bürgerkrieg als hoffnungslose Hoffnung

Voreilige Prophezeiungen angesichts und hinsichtlich des Debakels einer unbestimmten Partei sind nicht gerade ergiebig; dies wusste auch unser Nachbar Paperholic. Doch wir können den Kommentar niemandem vorenthalten, auch nicht hierüber, dass wir erleichtert sind, dass der Pöbel nunmehr bevormundet wird.

Erfreut sind wir aber, dass einige politischen Eunuchen neuerdings die totale Mobilmachung fordern; ganz konvenabel, dass fortan sie den Frieden bedroht meinen; letztendlich sogar fauchen, falls man die unbestimmte Partei und deren absoluten «Volkswillen» weiterhin ignoriere, werde man das Land verwüsten, quasi einen «Bürgerkrieg» anvisieren.

Wir sind entzückt; ein wütender SVP-Mob, der Ausländer durch die Gassen jage; eine wahrlich bemerkenswerte Szenerie, eine quotenträchtige trächtige obendrein. Die Stimmung: Hass und Paranoia, ebenfalls eine wünschenswerte Befindlichkeit, sodann wäre Demokratie endlich in Barbarei vervollkommnt.

Doch leider, ihr wisst schon, sind wir durch und durch pessimistisch gesinnt; leider wird die SVP sich einreihen, subsumieren als beliebige Partei einiger Eunuchen; leider dürfen wir keinen Bürgerkrieg erwarten, leider. Und leider ist der Bürger vollends resigniert, dies Spektakel, das unentwegt inszeniert scheint, fürderhin zu subventionieren.

Doch falls eingebürgerte Schweizerin weiterhin stehlen und morden, falls die EU weiterhin Steuermilliarden beansprucht, falls die Massenmedien weiterhin das Volk züchtigen, bis als Vierbeiner reprimitiviert, alsdann dürfen wir einander die Vollendung unsrer «Zivilisation» beglückwünschen.

Die Partei des Nihilismus

Momentan gaukeln unzählige Parteien, sie seien eine Bewegung und allein dasjenige revolutionäre Subjekt, das die Gesellschaft läutern möge. Nun, auch wir sind parteipolitisch sozialisiert, doch keinesfalls fürs Heiter-Komische begeistert; wir befürworten stattdessen eine Partei des Nihilismus, des Untergangs; radikal und unaufhaltsam vergiften wir denn den Verstand und überholen den Fortschritt.

Konkret: wir fordern die demokratische Selbstauflösung der Schweiz; eine Partei also, die Demokratie zersetzt, Meinungsfreiheit erübrigt und Menschenrechte verheizt. Statt die Gesellschaft zu verjüngen und zu erneuern wollen wir sie gänzlich zerstören, ja, wir ähneln gewissermassen der berühmten «Vereinigung Freitod»; wir ermuntern unsere Sympathisanten folglich, das Elend der Welt zu verkürzen.

Alle Parteien versprechen irgendetwas, wir auch, denn wir versprechen, dass nach uns die Sintflut ansteigen werde; dies will bedeuten, dass unsere Wähler sich verausgaben, verschulden und sich amüsieren dürfen, ohne wegen schlechten Gewissens zu verzagen, also ohne dass sie Konsequenzen fürchten müssten; wir möchten die letzte Party feiern, aber diese Party wird die geilste aller Zeiten: das Final unsrer Zivilisation.

Wählt die Partei des Nihilismus, wir wissen euch denn zu retten, auch zu erlösen! Die Gegenwart ekelt ja, sie ist harsch, unbequem und begnadigt niemanden; wir alle verlieren, deswegen müssen wir, insofern wir ehrbar sein wollen, den Untergang beschleunigen, sozusagen: ihm zuvorkommen; so, dass wir im Bewusstseins der Dekadenz und des Untergangs nochmals richtig und richtiggehend dekadent uns amüsieren dürfen.

Man stelle sich doch vor: wer kein Morgen zu fürchten hat, lebt auch lebendiger, der riskiert vermutlich noch oder endlich etwas. Wir könnten folglich alle den Planeten ausbeuten, alles plündern, alles anschaffen, auch Dinge, die nicht unsrer Einkommensklasse entsprechen; wir könnten konsumieren, soviel uns beliebt, soviel wir vermögen, vermögend unsres Verstandes.

Eine Utopie wäre verwirklicht, die niemand mehr finanzieren müsste, nicht einmal der Steuerzahler, den wir genauso ausrotten. Wir sind denn eine totalitäre Partei und fordern die totale Abschaffung der Schweiz, bestenfalls den Untergang der gesamten Menschheit. Deswegen bejahen wir auch den Klimawandel, aber bloss als göttliche Strafe, die den Untergang forciert, und nicht als «Herausforderung», die wir meistern sollten.

Wir wollen unsere Wähler verführen, ganz deutlich, und walten wir erstmal, regieren das hiesige Volk, dann werden wir unsren Wählerauftrag erfüllen; wir werden die Schweiz vernichten, aber befristet, wir wollen ja noch eine letzte Party veranstalten, eine, die niemand vergessen wird, die den Planeten vernarbt, verwundet dergestalt, dass selbst Ausserirdische uns beneiden würden ob unsres einmaligen Rausches.

Wählt also die Partei des Nihilismus, wir sind denn die einzige Alternative, auch die einzige, die Besserung verspricht und hält; nach uns kommt bloss noch das Nichts, das radikale Nichts, vielleicht überlebt die Natur, vielleicht, doch wir werden niemanden schonen; wir werden alles zermalmen, ganz unsres Programms gemäss, das ihr ja billigt.

Irrtum Gleichberechtigung

Mehrheitlich beschlossen ist, Mann und Weib seien gleichberechtigt, gleichberechtigt im Sinne, dass beide versklavt, ausgebeutet und verdinglicht werden dürfen. Als das Weib noch den Kosmos behütete, Mutter des Lebens war, so das menschliche Geschlecht erneuerte, den darbenden Nachwuchs säugte, war der Mann ganz Mann, Herrscher und Verwalter der Welt, der Kämpfer und Versorger.

Naturgemäss ist das Weib widerspenstig, wild, teuflisch verseucht wegen der Erbsünde; des Weibes Schuld ist ja, dass wir allesamt hier, wo wir zugleich Gott ermordeten, die unsere, über Generation hinweg vererbte Schuld büssen. Erst die christliche Ehe reinigte das Weib; ein wildes, eben unverheiratetes und somit unheiliges Weib ist nämlich des Teufels, bedroht unsere, leider gewiss nicht mehr so fromme Christenheit.

Seit Weiber ungezügelt und ohne männliche Aufsicht den göttlichsten Gesetzten des Lebens sich bemächtigten, war zeitgleich der Untergang und Zusammenbruch einer jeden zivilisatorischen Gesellschaft besiegelt; beispielsweise als das zivilisatorische Rom die Ehe lockerte, wodurch die Scheidungsrate erhöht und ebenfalls die sozialer Dekadenz verschlimmert galt, schien das römische Reich nicht mehr zu retten, wohl, weil die nunmehr widerspenstigen, vergnügungssüchtigen und allen Moden anheimgefallenen Weiber ausserstande waren, das römische Geschlecht zu verjüngen.

Hierzulande bedroht besonders das durch und durch trainiert weltstädtische Weib den sozialen Frieden, das ausschliesslich unkeusch des Feierabends tanzt, in Grossraumbüros versiecht und der gesellschaftlichen Pflicht sich entsagt, der ehrenvollen weissen Rasse Zukunft und Perspektive zu sichern. Dergestalt Gattung Weib, das bloss eigennützig konsumiert und somit begrenzte Ressourcen vergeudet, ist umgehend das ordentliche Stimmrecht zu enthalten.

Der Verdienst der alleinseligmachenden Wirtschaftsrevolution war, dass das Weib genauso wie der Mann eingespannt ins Wirtschaftlich-Künstliche werden solle; ja man bedachte plötzlich, dass die allesamt am Herd anscheinend geknechteten Weiber potenzielle Arbeitswaren seien, die man bloss zu verführen und zu versuchen hätte, eben gekoppelt ans leider mittlerweile mehrheitsfähige Frauenstimmrecht, endlich dem die Menschheit verwaltenden System bedingungslos sich preiszugeben.

Die Bedrohung EU

Die EU bedroht uns, das uns allen lieb gewordene Schweizerlande, deren Souveränität sie schleichend auszuhöhlen gedenkt. Wir sind wohl unterrichtet, dass nicht der Scheininvalide, der Scheinbundesrat oder der Scheinsprengstoffislamist das unsrige, alleweil von Gott auserwählte und gesalbte Volk tüchtiger und wehrfähiger Schweizer erpresst, sondern die Kompetenzkrake Brüssels, dieses unheimliche Ungestüm, das wahlweise als Steuervogt, Paragraphenreiter oder Nato-General sich maskiert.

Die Lage ist ernst, ernster als die Linken und Netten wahrhaben möchten; denn die EU besitzt zweifelsohne diverse Massenvernichtungswaffen, die allesamt aufs getraute Schweizerlande zielen und bloss noch fristen, bis wir die Tributzahlungen stornieren. Ja wir werden hinterrücks terrorisiert, so hinterhältig wie der habsburgische Staatsbeamte Gessler unlängst zuvor. Doch wir wissen uns zu wehren, wir wissen den Feind zu überraschen, dort, wo er Friede und Eintracht, eine Kuschelkonsenseurokratie inszeniert. Unsere 33 F/18-Kampfjets, wovon leider ungefähr bloss 24 einsatzbereit sind, können flugs abheben; präventiv sämtliche und etliche Massenvernichtungswaffen der EU vernichten.

Gewiss, verstörte Genossen, wir müssen aufrüsten, die Bruderschaft der fleissigen Schweizer, ebengerade das von Gott erkorene Volk, die einzige wahre und mustergültige Demokratie Europas zu beherbergen, muss den Auftrag, vom Pfarrer Blocher höchstpersönlich abgesegnet, endlich verwirklichen und folglich die demokratischen Heiden und Barbaren Europas so missionieren wie zivilisieren. Ohne Gewalt mag uns dies, diese Berufung, diese Sendung, ja diese kirchliche Sozialarbeit fürs Volk, für den weltweit repräsentativen Volkswillen strammer Schweiz, niemals gelingen.

Wir werden gezwungen, wir wurden von den Linken und Netten, eine globale, schlicht sozialromantische und einfach gutmenschliche Konterrevolution unsrer konservativen Revolution, ins fundamentale Opponieren, fanatische Obstruktieren und beiläufige Dekonstruieren gedrängt. Wir können nicht anders, ein Tatsachenmensch der Tat hinterfragt denn auch nicht die eignen Handlungen, sondern handelt. Wir müssen demgemäss tunlichst handeln, Schweizerlande, so erwache endlich und befreie das vom linken und netten Kitt verleimte und vermaledeite Europa!

Allen in europäischen Konzentrationslager Eingesperrten, die offenkundig mit schweizerischen Werten sympathisieren, sei versichert, der uns alleinig geschenkte Heiland werde das tausendjährige Reich Christi furchtsam verkünden und den Teufel aus sämtlichen Amtsstuben, Steuerbehörden und Sozialwerken treiben, ja zunächst Europa, die Gefahr EU, und danach der Welt das selige Schweizertum predigen. Nun gilt vorerst, den Saustall Europas auszumisten! Blocher, übernehmen sie demgemäss den Oberbefehl unsrer im Feld bislang ungeschlagener Armee!

Eine Psychoanalyse der SVP

Wir zehren die SVP Zürichs aufs Sofa, unfreiwillig liegt sie nun hier, dessen gewohnt, sind doch gerade die kränksten oftmals die uneinsichtlichsten Patienten, wollen wir sie nun analysieren, die irren Träumen, die tagsüber die Massenmedien verschmutzen und feierabends die Bürger verunsichern, entschlüsseln, ja und ergründen, inwieweit funktionstüchtig und zurechnungsfähig die SVP überhaupt noch gilt.

Da unsere Kombinationsgabe mit jener Freuds kaum konkurrieren kann, verweisen wir öfters, ohne jeweils davor zu warnen, auf die seinige meisterliche, bislang beispiellose; begreift man nämlich die SVP als mehr oder weniger autonomes Wesen, desungeachtet, dass wir dies Wesen so bereits prinzipiell überbewerten, kann das Werkzeug allgemein anerkannter Psychoanalyse einige Geheimnisse der SVP entlocken.

Grundsätzlich spendet die SVP einer irreligiösen, weil fragmentierten postmodernen Gesellschaft bestimmte Religiosität, folglich sind wir vergewissert, dass die SVP keine gewöhnliche, sondern eine metaphysische Partei ist, so dominiert zweifelsohne das Motiv, einer chaotischen, hemmungslosen und instabilen Gesellschaft eine das messianisches Zeitalter ankündigende Lichtgestalt zu versprechen: eine grobkantige, volkstümliche Erlöserfigur, ein Märtyrer ohnegleichen, der in Dichtung und Wahrheit des Volks demselben selbstlos sich opfert

Dass Blocher dergestalt Erlöser imitiert einerseits, anderseits den vormals getöteten Gott ersetzt, indem die Anhänger selbiger Religion diese Erlöserfigur eines göttlichen Auftrags weihen, ist so unbestritten wie mehrheitsfähig, besonders eifrige, hauptsächlich journalistisch tätige Anhänger verstärken diesen Kult noch, da sie Blocher als unzeitgemässen, als unbeliebten und verhassten stilisieren; in Blochers Gestalt wird demnach sowohl die Sehnsucht nach Gott als auch nach einem echten, wahren und letzten Helden projiziert.

Gegenüber Andersdenkenden ist die SVP durchsetzt voller Eifersucht und Paranoia, weil sie dieselbe Liebe, die sie Blocher ohnehin zollt, von allen anderen erwarten, ausdrücklich gegenüber jenen, die solchen Befehlen nicht gehorchen. In der Terminologie Freuds veranschaulicht, vermischt hier sich eine konkurrierende, projizierende und wahnhafte Eifersucht, die gerade in den Träumen auftaucht; grundsätzlich sind Träume Orte, worin jene Inhalte erscheinen können, die im Wachsein nicht dürfen, sie widerspiegeln das Unterbewusstsein, und zwar umgekehrt.

Der Alptraum der SVP lautete, dass ein sogenannter «Geheimplan» Blocher absetzten und worauf schwerwiegende Kränkungen und Verwirrungen folgen könnte, solche, die mittlerweile sich bewahrheiteten wohlgemerkt. Nun, den besagten Traum übersetzt, so erschliessen wir, dass darin die offensichtliche Verlustangst gelagert ist, hiervon weiss die Sprache des Finanzmarkts übrigens das Dilemma mangelnder Risikostreuung zu berichten. Weil die SVP Blocher bedingungslose Liebe einräumte, schien die Paranoia und den Neid gegenüber denen erweckt, die diese Liebe nicht teilten, ja ihrer total sich entsagten.

So sind die böswilligen, infantilen Attacken begründet, mit denen die SVP die andren Parteien quittiert. Die Persönlichkeitsentwicklung der SVP harrt folglich im infantilen Stadium; der Vater wird fixiert, Verlustängste, offenbart in Träumen, sind systematisch «rationalisiert», und als jene Ängste endlich sich bestätigen, wurde die Neurose wiederum verschlimmert; sie hat ins Unterbewusste sich eingefressen, dermassen stark, dass sie kaum noch zu heilen wäre. Nun, da die Mehrheit Blochers Liebe sich verweigerte, nicht dieser Pseudoreligion sich anschloss, die alleinige Zukunft schwindelt, ist die SVP entsprechend gereizt und empört, zwar bloss infantil, aber weil sie die stärkste Partei hierzulande ist, sind derlei Störungen durchaus ernstzunehmen.

Die westliche Glücksökonomie

Die amerikanische Verfassung, darin wohl beispiellos, gewährt allen Bürger das Recht auf Glück; Glück als Menschenrecht manifestiert erst eine Gesellschaft, die Bürger zum selbständigen Denken erzog. Manchmal, ironisieren Pessimisten, muss der Staat den Menschen nunhalt das Glück «aufzwingen», ansonsten, sobald jedermanns selbständige Denke ausläuft, ertränken die Menschen sich im eignen Elend: sie werden unzufrieden, unersättlich, so wie heutzutage.

Die westliche Glücksökonomie wurde deshalb, staatlich freilich beauftragt, den streuenden Massen unglücklicher Lohnabhängigen das Glück erkenntlich zu zeigen; nötigenfalls, da niemand ohne äusseren Zwang fürs Glück sich krümmt, ihnen das Glück zielgruppengerecht zu servieren. Weil wir mittlerweile wissen, dass des Glücks grösster Feind der Mensch selber ist, müssen wir den nach Glück bislang vergebens trachtenden Menschen bevormunden, das selbständige Denken, Ursprung des selbstverschuldeten Unglücks, paralysieren.

Die zeitgenössische Industrie der «Kultur», die Kulturindustrie also, lagert, je nach Zielgruppe, unzählige Produkte und vorgefertigte, aber spontan dünkende Erlebnisse, die des Alltags Bewältigung vereinfachend beschleunigen, deren Sinn überdies offenkundig scheint, die üblichen Sorgen und neurologischen Verrenkungen eines jeden Menschen kurzweilig in Vergessenheit und in Zerstreuung zu verdammen: ob Fernsehen, Kino, Theater, Musik oder Sport; die Menschen werden glücklicher, weil ärmer um Gedanken.

Dass die Realität den Menschen fortlaufend nervlich überstrapaziert, bahnt noch einfachere, noch verdaulichere und noch übersichtlichere Erlebnisprodukte an, damit der Mensch noch glücklicher, noch zerstreuter und noch unwissender wird. Denn wäre die Komplexität der Welt nicht derart komplex, müssten alle die, die momentan von der mentalen Überforderung sich ernähren, die Produktpalette ändern: sie müssten statt anspruchslose anspruchsvolle, statt leicht schwer verdauliche, statt simplifizierende verklausulierende Produkte feilbieten.

Skandal: NOZ und Fredi Köbeli

Fredi Köbeli, Oltens einziger weiser Intellektueller, empört sich über gehässige Reaktionen, die der NOZ, Oltens legendäre Mehrwertzeitung, politische Fehlbarkeit bemängelten, weil ihr, wie sämtlichen «Zeitungen» des Zehnder-Verlags übrigens, ein Mantel der SVP gesponsert wurde, dessen gekennzeichnete Entschärfung «Anzeige» die Redaktionen offenbar vermieden.

Nun denn, die seit jeher als linksliberal geltenden Massen Oltens wüteten, wovon insbesondere eine Aktionen zeugt; nämlich die Retournierung der als Fäkalien abgewerteten NOZ, zugeschnürt und verpackt in Hundekot-Beutelsäcke: symbolisch einer Reinigung gleich, sind dergestalt automatisierte Mechanismen, die den Schmutz und die Giftstoffe, welche stündlich im Darm sich verdichten, ausscheiden.

Nichtsdestotrotz, Köbeli, diese unerträgliche Kleinkrämerseele, motzt, ungeachtet dass «sein» Altpapier politische Unabhängigkeit handfesten Billanzverbesserungen opferte. Als Verteidigerin auserwählte er seine «Tante Klara», welche oftmals seine Kolumnen humoristisch erheitert und intellektuell erhellt. Dieses alte Weib meint über die «Täter» des terroristischen Hundekotbeutel-Anschlags:

«Das sind Menschen, auf die du nicht zählen kannst, wenn es dir schlecht geht. Das sind Egoisten, die nur reagieren, wenn sie sich persönlich angegriffen fühlen.»

Wahrhaft weise. Selbst dies Oltner Tagblatt, das wir boykottieren wegen mangelnder Relevanz, spottete, die NOZ verdingte sich nunmehr als «Liebesdiener der SVP», worüber Tante Klara sich entrüstete, das wären allesamt nur «Scheinheilige». Gewiss, dem Oltner Tagblatt gebührt weder Hochachtung noch Missachtung, sondern strafen wir lediglich mit Nichtbeachtung, womit konsequenterweise wir diese eine und leidige Angelegenheit beenden.

Nochmals: Köbeli, Oltens Pfahlbürger erster Güte, glaubt sich beleidigt, er, der grosse Dichter und Denker, sediert seinen Unmut mit einer Kathederweisheit:

«Sätze von Schmarotzern, Egoisten und Scheinheiligen nehme ich darum wie das leichte Schlagen von Wäsche auf einer Leine im Wind wahr. Irgendwann sind die Laken trocken und jemand wir sie falten und hereinholen. In der Zwischenzeit mache ich weiter.»

Wir sind besorgt, Köbeli kann nicht zwischen Arbeit und Freizeit balancieren. Zwar verübeln wir ihm nicht, dass er notgedrungen mit seiner Postille sich identifiziert, zweifelsohne zentriert unsere Gesellschaft sich um Arbeit, woraufhin ausschliesslich Arbeit Lebenssinn beinhalten darf, trotzdem raten wir Köbeli, dessen beruflicher Ansporn immerfort in Oltens Kneipen sich erneuert, vorerst einmal vom Geschwätz der künstlichen Empörung sich zu distanzieren solange, bis die Laken getrocknet sind und gefaltet werden können.

Drei Merkmale des Untergangs

Erst die Zukunft wird richten, ob das derzeit beliebte Geschwätz, der Westen insgesamt verende, sich bewahrheitete. Trotzdem wollen wir, unsres Zeichens Kulturpessimisten, auflisten, welche drei Merkmale ein Untergang zeitigen.

Sobald Weiber unfruchtbar werden, lieber in Weltstädten einladend, aber unempfänglich tanzen und konsumieren, als daheim am Herd für Rasse und Zucht zu sorgen; versiegelt die Quelle der Erneuerung endgültig, und jener Nachwuchs, der trotz aller unwirtlichen Bedingungen gebärt wird, fühlt in eine geschaffen-vollendete Welt des Überflusses sich zu verpflanzt, in der als ungefragter Erbe er nicht recht weiss, wohin er anschwemmen soll als willenloses Treibholz.

Sobald die Massen revolutionieren, politische Rechte reklamieren mittels des Instrumentes namens «Demokratie», worauf folgt, dass die Masse glaubt, der Staat sei sie; gefährdet der Aufstand der Massen, wohlgemerkt die Vermassung aller Durchschnittlichkeit und Mittelmässigkeit, Eliten des Überdurchschnittlichen, jene Gilde also, die die Lebensbedingungen der Masse stets verbessert. Was nunmehr regiert, ist eine willkürliche Diktatur der Masse, die, ihrer Natur vollends entsprechend, zwangsläufig beeinflusst, manipuliert und indoktriniert werden muss von Hintermänner, die die Naivität und Dummheit der Masse intuitiv durchschauen.

Sobald unsere unzähligen Arbeitssklaven, die sogenannten hart krampfenden Lohnarbeiter, überschäumen vor Sozialneid und Frust, dies Leben, das ihnen gütig vorgefertigt wurde, andersherum zu verwirklichen, und zwar nicht im Dienste der Wirtschaft sondern des «Individualismus», und die Eugenetik verpatzt jene Aufsässige entweder zu sterilisieren oder deren Gehirn genetisch zu verkleinern, die nicht der wirtschaftsdarwinistischer Arbeitsethik gehorchen; zerfällt die Leistungsbereitschaft unsrer Sklaven, die nur mittels Fernsehen und Kulturindustrie spektakulär überhaupt zu berauschen sind. Folglich schrumpft das Bruttosozialprodukt und Arbeit stabilisiert nicht mehr die so oder so herrschende soziale Ungleichheit im Kapitalismus.

Leistungsverweigerung

Gerade als totalitär eingefleischte Leistungsgesellschaft, deren Ideal im erotisierten Wirtschaftsdarwinismus ruht, bestimmt folgerichtig die Leistung den Wert jedes einzelnen Menschen. Wer demnach viel leistet, darf sich dekadent vergnügen. Wer nichts leistet, wird dementsprechend bestraft, mitunter im Panoptikum streng beaufsichtigt, sodass dessen Leistungsbereitschaft wieder erwacht.

Ein Netzwerk von Hüter und Wächter bespitzelt die tendenziell arbeitsscheue und vergnügungssüchtige Masse, ob sie wahrlich die geforderte Leistung erbringt, die das Vermögen aller mehre. Falls jemand den Willen der «Leistungsträger» ablehnt, erschlägt man ihn mit dem Killer-Argument «Leistungsverweigerer», das fortan jeden Leistungsverweigerer lebenslänglich stigmatisiert.

Leistungsverweigerer werden nicht geduldet. Bereits in der Schule siebt das System jene Unfähigen und Unwilligen heraus, die nicht den zivilisatorischen Anforderungen eines Wirtschaftssklaven genügen. Man sammelt diese Überflüssigen daraufhin in gesonderten Instituten, die den Schaden begrenzen sollten, den Leistungsverweigerer dereinst auslösen werden.

Entweder entsorgt man sie gänzlich in ein staatlich kontrolliertes Panoptikum, oder man nutzt sie als billigste Ameisen für Arbeiten aus, deren soziales Prestige sie unweigerlich verdammt, als Nichtsnutzige sich fühlen zu müssen. Dennoch überlebt das Gesindel, man kann es schlichtweg nicht ausrotten, denn es ernährt und vermehrt sich wie die lästigen Ratten.

Also ziemt für jeden Leistungsträger sich, die Leistungsverweigerer öffentlich zu verurteilen, bisweilen sie schergenhaft zu hetzen, um letztendlich ihnen Menschlichkeit und Menschenrecht abzusprechen, nur weil sie nichts leisten, was mit Geld entschädigt werden könnte.

Simulierte Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien vereinfachen die Welt. Dass die Mächtigen der Welt sich verschworen, um den von Steuerlasten und Pflichten geknechteten Grossraumbüroarbeiter zu tricksen, ist ein beliebtes Motiv jener Weltzurechtlegung, die orientiert, klärt und wegweist. Gerade dass sie vertröstet, ja deutlichst zeigt, der gemeine Grossraumbüroarbeiter könne diese Verschwörung weder beeinflussen noch unterwandern, ist des Grossraumbüroarbeiters Bedingung, dass er der Ohnmacht sich ergibt und kaum etwas hinterfragt.

Verschwörungstheorien stabilisieren die Gesellschaft. Sie gewährleisten dem Grossraumbüroarbeiter eine einfache Betrachtung, welche die Komplexität der Welt allgemein verständlich dekonstruiert und diese daraufhin virtualisiert mittels Anschauungen, die vernetzt verbreitet, das Internet hauptsächlich theoretisiert im Ansinnen, den Grossraumbüroarbeiter freilich schlichtweg durch die Welt zu lotsen, weil dieser auf sich selbst zurückfiel, demnach selbst der Welt Axiomen entlocken muss.

Verschwörungstheorien massgebend zu beeinflussen, ist nicht Auftrag der «Mächtigen», die uns angeblich beherrschen, sondern prinzipiell deren «Pflicht», deren Verantwortung, denn kursieren Verschwörungstheorien, die die Legitimation der «Mächtigen» bezweifeln, legitimieren die «Mächtigen» sich dadurch, indem sie sämtliche Verschwörungstheorien dementieren. Dies ist ein Spiel, eine wechselwirkende und gleichermassen eine für die Mächtigen zutiefst selbsterhaltende Posse, die einerseits die Legitimationskrise der «Mächtigen» verheimlicht und anderseits die Authentizität und Glaubwürdigkeit derselben «Mächtigen» intensiviert.

Präzisiert: von Verschwörungstheorien profitieren die eigentlich Verdächtigten. Nun nicht, dass man demzufolge sofort die Verschwörung strickt, die «Mächtigen» würden Verschwörungstheorien selber lancieren, um als eindeutige «Macht» sich zu profilieren, in öffentliche Diskussion zu inszenieren, denn dies käme umgehend einer Metaverschwörungstheorie gleich, die wiederum der Welt Einfachheit und Durchschaubarkeit unterstellt, was selbstredend jene Dinge schönt, die nicht zu begreifen sind.

Seiten: 1 2 Nächste