Die Massenmedien als Retter der Demokratie

Man sollte eigentlich Massenmedien würdigen, endlich hierfür belohnen, dass sie unermüdlich den Pöbel einigermassen zähmen. Doch die meisten Intellektuellen, die beredt scheinen möchten, moralisieren gegen den Boulevard, welcher, so die kleinste gemeinsame Befürchtung, den Pöbel vertrivialisiere. Wir hingegen, die wir sowieso verloren sind, beschwichtigen, dass man einen dumm geschlagenen und weich gespülten und formlos geschändeten Pöbel eher steuern könne als einen gebildeten.

Obgleich der Pöbel meint, er verkörpere das Volk und die dahinraffende Mittelschicht, ist er letztendlich immer Pöbel; dies ist Merkmal unsrer Zeit, die nicht mehr zwischen sittliche Schichten differenzieren kann, allein noch eine Einkommensklasse ist zu unterscheiden, die aber hierüber, was Sittlichkeit und Bildung sei, nichts verrät. Deswegen scheint die Funktionselite mitunter pöbelhafter als die eigentliche und klassische Unterschicht.

Wofür Blick und Glückspost und Weltwoche täglich ringen, ist eine Komplexitätsreduktion; eine ehrbare Ambition, weil sie Tatsachen schafft, ohne die ansonsten der Pöbel gänzlich überfordert wäre, vor allem hinsichtlich einer Welt, die steigernde Komplexität prahlt. Diese Medien vereinfachen die Gegenwartsbewältigung, insofern knechten sie den Pöbel, weil dieser wiederum nach solchen Vereinfachungen giert, ist er doch hiervon abhängig.

Um den Pöbel manipulieren zu können, was Ziel jeder staatsmännischen Politik sein muss, denn herrschaftslos darf kein Pöbel wildern, sollte man denselben Pöbel verdummen, ansonsten erkühne dieser plötzlich, er allein sei Wille und Macht. Dieser Grössenwahn ist zu ernüchtern, möchte man den zwingenden Ekel einer spektakulär inszenierten, letztendlich simulierten Massendemokratie mildern.

Hierfür schuften Massenmedien; denen sollten wir fortan danken, dass ihretwegen die Demokratie noch nicht vollendete in Barbarei.

So, wie die Medien den Pöbel vereinheitlichen, erleichtern sie auch die Herrschaft über denselben, denn gemeinhin beeinträchtigt ein entartet selbstbewusster Pöbel nachhaltige Politik, weil er bloss stört; weil er ersinnt, er sei das Eigentliche der Welt. Also müssen wir, allen voran die Medien, den Pöbel zerstreuen, andernfalls bemächtigt sich der Pöbel des Willens, die Umwelt zu formen.

Leider darf der Pöbel noch demokratisch wählen; wahrhaft ein Übel, das aber die Massenmedien lindern, weil sie den Pöbel entpolitisieren. So wird er letztlich hörig jeder Herrschaft, weil er nicht mehr bewusst ist und bewusst entscheiden kann; ein willkommener Fortschritt, den man beschleunigen sollte; bishin, dass der Pöbel protzt, er sei mündig, tatsächlich aber längst entmündigt.

Der Nahost-Konflikt als Fussnote der Weltgeschichte

Weltgeschichtlich betrachtet, ist das gegenseitige Abschlachten seit Jahrzehnten im Nahen Osten bloss eine Fussnote, wenngleich die hypermediale Berichterstattung darüber, wer wen ermordet und wer wen sprengt, zuweilen einseitig und überbewertet, schlichtweg fixiert aufs Grässliche, Abscheussliche, aufs Hässliche des Menschen scheint; gerade aufs Allzumenschliche, das auch Gott beargwöhnte, und deshalb mussten wir ihn – leider – töten, wodurch der letzte Zeuge der menschlichen Tragödie endgültig starb.

Seit die UNO die Teilung des allseits gelobten Landes proklamierte, bekriegen hauptsächlich Juden und Moslems sich, dort, wo sie ihre Heiligtümer oder deren Artefakten vermuten, religiös inspiriert und motiviert ist also der Krieg beiderseits: Die einen ersehen sich als Gottes auserwähltes Volk, die andren als die einzigen rechtmässigen «Besitzer» desselben Landes. Die einen erfreuen sich der bedingungslosen christlichen Immunität angesichts früherer Verfolgungen, die andren buhlen um dieselbe Immunität angesichts des jetzigen Elends.

Der «Konflikt» wird zusätzlich überbewertet, indem Nationen ins gelobte Land projizieren, was ihnen beliebt, womit sie gleichzeitig die Beobachterrolle deponieren, um daraufhin – endlich – für die eine oder andere Partei zu intervenieren. So «missbrauchen» die USA beispielsweise die gewiss existierende, von Angst und Paranoia vergiftete Atmosphäre in Israel, ja eigentlich bloss für die Botschaft, dass das, was dort geschieht, eigentlich überall, besonders in den USA geschehen könnte; ohnehin ist Israel uns, materialistisch beurteilt, gar nicht so unähnlich.

Andere Nationen, die jeweils mit den Moslems sympathisieren, obschon umgekehrt, argumentieren dennoch kongruent; sie propagieren, dass die eigene Bevölkerung genauso behandelt werden könnte wie die dortige, die dortige unterlegene und gebeutelte natürlich ihres Ermessen, falls sie nicht dieses oder jenes erfüllen, leisten oder kaufen. Zweimal dieselbe Projektion, bloss «individuell angepasst», verantwortet, dass dieser Konflikt, der eigentlich ein für sich geschlossener wäre und dementsprechend keinerlei globalen Aufmerksamkeit bedarf, derart tendenziös, emotional und überbewertet diskutiert wird.

Nochmals: fürs Weltgericht, das zuletzt immer richtet, und zwar tragisch zu Ungunsten der Menschheit, ist dieser hysterisch dramatisierter Konflikt, der ausserdem die christlichen Völker trennt oder eint in Israel befürwortende oder ablehnende Kategorien, unbedeutend, ein Nebenschauplatz der Banalitäten. Es ist der Weltgeschichte gänzlich unwürdig, einen solchen nebensächlichen Krieg überhaupt zu anerkennen, obgleich als Stellvertreterkrieg er neuerdings gewisse Relevanz erlangte. Die Weltgeschichte interessiert sich bloss für die grossen Schicksale grosser Nationen, grosser Völker, nicht für solche zweier lokalen Minderheiten, deren Abnützungsschlacht seit Jahrzehnten dauert und andauert.

Vielmehr sollte endlich berichtet werden; wann die Nato-Staaten sich zur politisch-militärisch-wirtschaftlichen Föderation zusammenschliessen, wann die EU selbständig Rohstoffe erobert und Absatzmärkte verteidigt, wann Chinas Rüstungsbugdet dasjenige der USA und der EU überholt, wann der Weltraum kolonisiert wird, wann die Kernfusion marktreif ist, wann der Inhalt über die Form siegt, wann der Kapitalismus als Religion allen anderen Irrglauben ersetzt.

Online-Werbemarkt

Derzeit wirbt irgendein beliebiger Dachverband einiger erlesener Agenturen und Werbevermittler, wovor andere bereits sich entwöhnten, dass etwas Bestimmtes «nur ein Inserat könne», nämlich die Teilnahme einer sooderso abgestimmten Lotterie, die man «Wettbewerb» nennt, dies blendende Verlosungsprinzip, auf dem wesensgleich unsere von bezahlten Parteien simulierte Demokratie fusst.

Dergestalt Eigenwerbung, man ahnt und befürchtet Böses, verkündete die eigene Fantasielosigkeit, verhüllt das eigene Scheitern, in das die klassische Werbebranche insgesamt führerlos schifft. Ob man nicht sich schämt, wofür man täglich schuftet, ungeachtet dessen der Misserfolg sichtbar naht, dennoch hochmütig verheimlicht, was tatsächlich ist, und trotzdem die Vorteile klassischer Werbung als ohnegleichen, einzigartig und wegweisend anpreist?

Der einzige Werbemarkt, der organisch wächst, ist derjenige, welcher online ist. Was Online-Werbung nämlich kann, ist vielmehr als einen Coupon für einen formlosen «Wettbewerb» zu drucken, der obendrein sowieso frankiert werden muss. Online-Werbung interagiert und reagiert, ist schlichtweg «klickbar». Wer fürs umworbene Produkt sich interessiert, klickt, kann dieses gegebenenfalls sogar kaufen, ja, wird wortwörtlich Umsatz generieren, eine grosse Erzählung des Internets, die bewahrheitet werden will.

Druckwerbung hingegen ist passiv, tot, starr, unflexibel. Sowieso kann man nicht auswerten, wie viele Menschen wie lange Werbung beachten; ob sie klicken, weiterführend sich informieren wollen, ob sie sich fürs entsprechende Produkt gewinnen liessen und so weiter. Man investiert blind, man vertraut den druckenden Medien, die behaupten, ja gewiss doch, unsere Zielgruppe sei hedonistisch, konsumfreudig und vermögend.

Allerorts ermüdet das Mantra des Kapitalismus, man müsste Investitionen abwägen, diversifizieren, Risiken streuen, doch gerade der Werber verhält sich irrational, prüft kaum getätigte Investitionen, wobei diese auch nicht seine sind, was ihn von Verantwortung und Mitschuld entbindet; ernährt wird er eben wegen der Leichtgläubigkeit seiner Kunden.

Medienboykott für Afghanistan und den Irak

Einst, als Armee im Staate gegliedert, kommandierten die Medien unzählige willenlose in der Masse gänzlich aufgelöste Leser, die, obzwar denen stets das eigentliche Ziel der Übung vorenthalten wurde, als unterwürfige Soldaten den militärischen Plänen sich ergaben. Unerlässlich dienten die Medien, freilich noch nicht als selbständiges und dementsprechend zur Selbsterhaltung verdammtes System abgesondert, den momentan Amtierenden ohne Kritik und Spott.

Lediglich eine Minderheit, namentlich die seit jeher staatlich verfolgten Satirezeitschriften widersetzten sich der totalitären Gleichschaltung, das, vom Staate gewünscht, den «sozialen Frieden» stabilisiere einer kriegsführenden, dadurch besonders verletzlichen und schwankenden Gesellschaft. Inzwischen kündigten die westlichen Medien den vormals einstimmig unterschriebenen Vertrag der gegenseitigen Unterstützung während Kriegszeiten. Die Medien, in Trusts verklumpet, gehorchen lediglich den Wert machenden und Moral abschälenden Gesetzen der als göttlich gepriesenen reinen Wirtschaftlichkeit, wobei dermassen zusehends darin verstiegen, dass sie sogar «Nachrichten», die die Fehlbarkeit der eigenen vom Feind verängstigten und von Blut blutverschmierten Soldaten ausserhalb der schützenden Wohlstandszone der westlichen Sphäre aufreisserisch bekanntgeben.

Ob Medien jemals berücksichtigen, dass deren Kampagnen, die die Soldaten des Westens erbarmungslos diffamieren und die Gegner des Westens undifferenziert verteufeln, gerade beispielsweise die hiesige Islamdebatte zusätzlich völlig entgleisend emotionell erhitzen, wonach die Mehrheit der im Westen vertrottelten Menschen angesichts des täglich hypermedial inszenierten Elends schlichtweg verzweifelt, einerseits wegen der Unfähigkeit des Westens, die «Situation» männlich zu beherrschen, und anderseits wegen des verklärend dargestellten Dämonischen der Islamisten?; ist eine zutiefst bange Frage.

Will man in der Heimat keine Rassisten züchten, müsste man sämtliche Gräueltaten der Islamisten ausblenden, rein der freiwilligen Selbstzensur willen. Oder will man die Kampfmoral der Bevölkerung stärken, müsste man die Geschichten unsrer Helden der Fronten nacherzählen. Doch was derzeit hypermedial verkauft wird, schadet dem Westen nur, ja begünstigt ausschliesslich die moralische und seelische Selbstverstümmelung dieser wenngleich nicht von Einmaligkeit, immerhin von Einzigartigkeit geprägten oberflächlich wirtschaftlich funktionierenden und unterbewusst geistig desillusionierten wie ermüdeten Zivilisation.

Über die allgemeine und mediale Selbstzerstörung

Je fordernder ein irdisches Leben ist, desto eher erwacht der Wunsch, dies Leben zu verkürzen, das einen entkräftet. Denn Leben bedeutet sowohl Kämpfen als auch Überleben, aber niemals Glücken, Spassen und Gröhlen. Selbst die Weltgeschichte scherzt nicht, im Gegenteil, Blut verschmiert, brüllt sie zum ewigen Kampf. Deswegen überrascht nicht, dass der Todestrieb, nebst ihm verwandten anderen, einer der stärksten ist, und fernerhin einer, den freilich die Wirtschaft mit gefühlte Bequemlichkeit und imaginäre Ewigkeit charismatisch sendenden sowie mit die allgemeine Vergänglichkeit überlistenden Produkten dämpft.

Die Kunst, insbesondere steinerne Architektur und die menschliche Fortpflanzung befriedigen den Todestrieb, just jene Motivation; etwas zu vollenden, für die Ewigkeit zu konservieren und Erbliches zu erzeugen (siehe DER VERWERTER: «Todestrieb und Kunst»). Die Selbstzerstörung, deren Liaison mit dem Todestrieb naheliegt, vollziehen hingegen allein die Medien, freilich seelisch dämpfend sowie sexuell stimulierend für die nach Selbstzerstörung unbewusst trachtenden Massen verwilderten Menschen. Weil: einerseits bewundert und bestaunt der Mensch, gewiss in sich selbst verliebt und fokussiert auf seine «Höchstleistungen», «Rekorde», medial sein Spiegelbild, anderseits zeigen die Medien ihm auch die Gräueltaten, das Unfassbare, das Perverse und das Böse seiner selbst.

Weiterhin ist die Selbstzerstörung im Selbstverständnis vernarbt, dass der Mensch grundsätzlich, entgegen aller frommer Beteuerungen, ein von Gott verbannter Sündenfall ist, der, diesseitig versklavt, das idealisierte Jenseits transzendiert des Gelöbnis willen, er würde einst sich nachhaltig bessern, wobei dem stets ein, vor allem medial widerspruchslos belegtes Eingeständnis folgt, letztlich sei er zu keiner Besserung fähig. Dieser Konflikt, dass der naturgemässe Sündenfall Mensch eigentlich sich bessern möchte, aber die Medien ihn jeden Tag erneut entmutigen, entzündet erst die Selbstzerstörung, die allerdings meistens, nicht wie gemein vorgestellt, in kollektiver körperlicher Selbstverstümmelung endet, sondern, geradewegs gegenteilig, unbewusst des Menschen Seele kontinuierlich verkrüppelt.

Die Medien unterdessen beschleunigen den Prozess zusätzlich, indem sie sich lediglich auf die gewiss am Markt prächtig verkaufenden, dennoch des Menschen Seelen beschädigenden Nachrichten beschränken, welche vereinzelte mögliche Versuche einer Besserung vorneweg jedem ausreden, und jene gar, die von einer besseren Welt schwärmen, als Träumer und Idealisten lautstark diskreditieren, derweil sie das Realistische, das sowohl Zynische und wiedem «coolness» Versprühende als Primärtugend ohnegleichen küren dürfen.

Eindimensionale Film-Werbung

Dialektik der Aufklärung als Grundlage:

«Aber auch zwischen den teuren und billigeren Sorten der Musterkollektionen der gleichen Firma schrumpfen die Unterschiede immer mehr zusammen: bei den Autos auf solche von Zylinderzahl, Volumen, Patentdaten der gadgets, bei den Filmen auf solche der Starzahl, der Üppigkeit des Aufwands an Technik, Arbeit und Ausstattung, und der Verwendung jüngerer psychologischer Formeln. Der einheitliche Massstab des Werts besteht in der Dosierung der conspicuous production, der zur Schau gestellten Investition.»

Gerade zeitgemässe Filme plustern die ebenso der Zeitgemässigkeit verpflichteten althergebrachten Medien unschön auf; dramatisieren genau die Anzahl der Stare, ermitteln den Wert der getätigten Investition, den sie rückwirkend als Referenz verwenden respektive als Entscheidungshilfe umwerben und übersteigern die Bedeutung der eingesetzten Technik für Film, Kultur und Industrie.

Zivilisation und Spektakel

Eine erstarrte, lediglich auf Nützlichkeit ruhende und ewig ziellos rotierende Zivilisation benötigt zur Selbsterhaltung ein nimmermüdes Spektakel, das zivilisatorisch gestraffte Verkrampfungen lockert: schlichtweg dies Volk, welches selbstlos strampelt und schuftet, gelegentlich amüsiert und zerstreut. Gerade das zeitgemässe Fernsehen liegt im Endpunkt aller Geschichte, indem dieses übergreifende und identitätsstiftende Medium die Informationsflut gleichförmig und inhaltlich vereinheitlicht für jene zivilisatorisch kanalisiert (siehe DER VERWERTER: «Gefahr Medienkongruenz»), die Bild und Ton bedürfen, weil Worte alleine nichts mehr bewirken: weder Fantasien noch Gedanken anzuregen vermögen.

Dies Spektakel also, das täglich wiederkehrend grüsst und grinst, ist des Arbeiters Lohn für die Anstrengung; bedingungslos der Wirtschaftlichkeit sich einzureihen wider Menschlichkeit und Vernunft sondern lediglich zwecks Wachstum und «Standortvorteil». Denn wer krampft, muss auch entschädigt werden, vorzugsweise spektakulär. Berechnet erfand die Wirtschaft die Kulturindustrie, die Kultur vermasst, vermengt und recycelt, als Kitsch und schicke Ware den zeitgemässen Konsumenten zur Identitätsfindung verkauft. Nebst marktfähiger Kultur, die abgrenzt, Identitäten jenseits und unabhängig des Berufs künstlich kreiert, ergänzt auch die Freizeitindustrie dies Angebot, immer spektakulärer dem wegen Wirtschaftlichkeit strammen Alltag entfliehen zu können.

Nun, der grösste Freund des Spektakels sitzt zweifellos in den Redaktionsstuben zeitgemässer Medien. Dort entwerfen die vormals ehrenwerter Wächter der Aufklärung und menschenfreundlichen Zivilität Anschauungen, mithilfe denen der von Kriegsdiensten und von einnehmender Arbeitspflicht gebeutelte Bürger (siehe DER DISSIDENT: «Wenigstens westlicher Staatsbürger») die Gegenwart zynisch-unbeschwert bewältigen kann. Denn Hedonismus, Snobismus, Genuss, Spiel und dergleichen erleichtern jenes Leben, welches gesteuert von Konsumfreudigkeit und gerechtfertigt mittels «überdurchschnittlicher Bildung», zur Freiheit, selber wählen, denken und entscheiden zu müssen, verdammt ist.

Die Irrationalität des Spektakels kompensiert freilich die Rationalität des Büroalltags. Andersherum: die Irrationalität des Spektakels sublimiert die im rationalen Büroalltag unterdrückten Trieben. Oder kulturkritischer: die Irrationalität des Spektakels erholt den von Arbeitsrationalität geplagten Büroarbeiter, regeneriert wochenendes dessen Kräfte fürs vertraglich festgelegte bedingungslose Ergeben der reinen Wirtschaftlichkeit. Sodann ist des Spektakels Verdienst, dass Menschen weder gewalttätig protestieren, noch sich auflehnen gegen die Starre und Kälte, die die Zivilisation erst zur Zivilisation auszeichnet. Nichts Neues also, nicht wahr?

Weiterführende Informationen
Die Süddeutsche: «Die Zivilisation des Spektakels»
DER VERWERTER: «Die Glücksdroge fürs Volk»
DER VERWERTER: «Künstlich emotionalisierte Masse»
DER VERWERTER: «Falscher Tatsachensinn»

Gefahr Medienkongruenz

Der Begriff «Medienkonvergenz» beinhaltet die These, dass Medien sich «ergänzen», im Angebot «erweitern» würden. Beispielsweise dass TV, Radio, Zeitungen und Internet gegenseitig sich Inhalt zuschalten. Die Zeitungen referenzieren bereits heute desöfteren auf Angebote der TV-Industrie, ob als Kritik oder als Würdigung ist unbedeutend. Das Internet wiederum bezieht sich beinahe hauptsächlich auf bestehende Angebote der sogenannten althergebrachten Medien. Die Praxis, dass unterschiedlichste Medien einander «stützen», Aufmerksamkeit und Autorität beglaubigen, nennt man Medienkonvergenz.

Der Begriff «Medienkongruenz» ahnt, dass die Medien nicht mehr ein differenzierendes Angebot entwerfen, in dessen Kern – namentlich der Abgrenzung, Differenz – die eigentliche Identität eines Mediums prinzipiell ruht. Anstatt die unterschiedlichsten Angebote anderer Medien zu wahren, passen, gleichen die Medien inhaltlich sich an, während nur noch die Form der Verbreitung, gleichsam der Reichweite variiert. Daraufhin schwindet die Vielfalt, weil die Medien selbst vorsorglich sich einengen aufgrund der ängstlichen Erwartungshaltung, sie könnten «Trends» verschlafen. Folglich beugen die Medien sich der Konformität, strahlen alle denselben Inhalt aus.

Eine ehrliche Medienkonvergenz erhaltet den eigenen «Status», erzeugt obendrein Sphären, deren Authentizität und geglaubte wie gefühlte Wichtigkeit, Autorität beachtlich überwallt. Die totale Medienkongruenz allerdings vereinheitlicht die Medien, strafft sie als einziges System und vernichtet infolgedessen die Vielfalt, die die unterschiedlichsten, bisweilen konkurrierenden Medien erschufen, nur damit den Marktgläubigen im Betrieb versichert ist, sie würden nicht am heiligen «Markt» vorbei wirtschaften.

Weiterführende Informationen
DER DISSIDENT: «Ahnung Medienkongruenz»

Aussterbende Qualitätszeitungen

Unabhängige Qualitätszeitungen, die nur der Qualität sich verpflichtet fühlen, sollen alsbald zu einer staatlich subventionierten Medium für in stattlich gezimmerten Parallelgesellschaften lebenden Minderheiten, gleichsam einer ARTE-Minorität, aufgewertet werden, forderte Jürgen Habermas jüngst angesichts der drohenden Versteigerung des Traditionstitels Süddeutsche Zeitung. Allerdings ist hierin nicht verständigt, ob die schweigende Mehrheit, die derweil RTL II amüsiert schaut und den Blick unterhaltet «liest», überhaupt mit einer derartigen Regelung liebäugelt. Denn schliesslich wird dadurch, deren Meinung entsprechend, Steuergelder verschwendet für eine nichtige Minderheit von Bildungsbürgern, die anstatt über Nietzsche und Kulturindustrie sinnieren, doch eher auf einer Baustelle wie Bob de Boumaa werken sollten.

Sodann überrascht nicht, dass wütende Kommentatoren allerorts Habermas berechtigterweise vorwerfen; er verkenne die Realität, lebe isoliert in einem Elfenbeinturm und richte sich nicht den Bedürfnissen der Masse, die Selbstkritik und Selbstreflexion zugunsten Unterhaltung und Zerstreuung aufgab. Stattdessen verkrieche er sich hinter seiner Theorie und Praxis und erachte, dass eine funktionierende Demokratie, wodurch unterschwellig er den Zweifel an der Funktionstüchtigkeit unsrer Demokratie sickern lässt, kein Marktversagen bezüglich den Medien sich leisten könne.

Nun, die Medien sind mehrheitlich gescheitert mit ihrem Auftrag, die Masse zu informieren und zu belehren. Anstelle der Aufklärung folgt nun, ebengerade weil der Mensch sowieso selbst die Last der Welt auf seinen Schultern tragen müsste, dazu er aber logischerweise nicht imstande ist, die professionelle und akademisierte Zerstreuung und Ablenkung. Denn Kritik und Belehrung ermüdet die Masse. Dessen überdrüssig und mitunter jeglichem Ernst des Lebens verdrossen, trachtet die Masse unbedarft nach Opiaten, nach Beruhigungsmitteln, die die Medien bekennend darreichen in Form von unsättigenden Informationen, deren Wert und Inhalt eigentlich den Ernst und die Dramatik der Welt verräterisch leugnet.

Weiterführende Informationen
DER VERWERTER: «Zusammenspiel zwischen Medien und Mediengeilen»
DER VERWERTER: «Unvermittelte Relevanz»
DER VERWERTER: «Die entpolitisierte Masse»
DER VERWERTER: «Zweifel an der Meinungsvielfalt»
DER VERWERTER: «Die Beliebigkeit der Medien»

Zusammenspiel zwischen Medien und Mediengeilen

taxipluto vertieft das Problem, inwieweit Medien und Mediengeile gegenseitig sich Aufmerksamkeit zuschalten. Insbesondere verurteilt taxipluto, dass die althergebrachten Medien den Rechtsextremismus als liebgewonnenes Feindbild, welches zyklisch das des vermeintlich bedrohlichen Islamismus ersetzt (siehe DER VERWERTER: «Sündenbock Islamismus»), dämonisieren und gerade deswegen den Rechtsextremisten ungewollt Raum zur inszenierten Selbstdarstellung schenken, den eigentlich möglichst zu vermeiden wäre.

Jedoch beschwichtigen wir entschieden, dass die althergebrachten Medien weder der Aufklärung noch der Menschheit sondern den Aktionären jährlich eine Buchhaltung vorzeigen müssen. Deshalb sind deren Optionen durchaus gerechtfertigt, auch mithilfe unseriösen Querulanten; die nicht ins Bild passen, aber die Gesellschaft des Spektakels gnädigerweise unterhalten und selbsterhalten; einen Pakt zur gegenseitigen Zuschanzung von Aufmerksamkeit und Information abzuschliessen. Denn erst die Medien machen Probleme und Krisen «wirklich», das heisst, wirklich im Bewusstsein der zerstreuten und überinformierten Masse, die derweil gegen die Informationsflut kämpft (siehe DER VERWERTER: «Der Damm gegen die Informationsflut»).

Ob die Wirklichkeitsauffassung der Medien massgebend für jene der Masse sein darf, ist zugegebenermassen zweifelhaft. Dennoch sind lediglich die althergebrachten Medien imstande, kraft ihres Auftrags als umsatzorientierte Bewusstseinsindustrie, der Masse ungefragt und redlich entweder sendungsbewusst oder unsendungsbewusst Bewusstsein zu verkaufen. taxipluto mahnt unterdessen, dass die althergebrachten Medien zwar die Rechtsextremen als Feindbild stilisieren und lautstark, weil populistisch von der Politik Handlungen verlangen, aber trotzdem sich nicht beeifern, die Folgen respektive Erfolge oder Misserfolge der jeweiligen Massnahmen kritisch zu prüfen und mittels fortlaufender Berichterstattung zu beobachten.

Weiterführende Informationen
taxipluto: «Quotenträchtige Zusammenarbeit»
DER VERWERTER: «Unvermittelte Relevanz»
DER VERWERTER: «Das massenkulturelle Krieg»

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