[1] historisch: die von der Dorfgemeinschaft gemeinsam genutzte Fläche, die Wald, Weide, Gewässer umfasst
(Quelle: Wiktionary)
Wir leben auf derselben Erde. Wir nutzen dieselben Ressourcen. Wir beuten dieselben Rohstoffe aus. Egal was wir auf Erden tun, wir sind niemals alleine.
In diesem Zusammenhang störte der Mensch, seit er die «Aussenwelt» besiegt glaubt, die Kontinuität und Planmässigkeit der Natur. Allmählich erkannte aber der westliche und zivilisierte Mensch die Bedrohung, die durch den unkontrollierten Raubbau der Natur ausging und versucht sie nun dementsprechend einzudämmen. Jedoch erreichten noch nicht alle Kulturen diese Reife und das vorausgesetzte Bewusstsein für Umweltprobleme. Trotzdem erlaubt dieser Fortschritt uns nicht, unsere Musterleistungen auf einem erhöhten Sockel auszustellen und andere des Fehltritts anzuklagen.
Wir als unabhängige Beobachter pachteten allerdings das befristete Recht des Urteils und wollen vor Chinas Unheil warnen, welches unbemerkt unsere Allmende verunreinigt und verschmutzt. Gegenwärtig müssen die Chinesen ihre Verantwortungslosigkeit noch selber büssen; schliesslich erschrecken uns täglich die Umweltkatastrophen Chinas. Doch bald wird Chinas Umweltproblem auch das unsrige sein. Bereits heute prognostiziert das IWR in Münster, dass China schon 2008 die USA im Ausstoss von Treibhausgasen überholen wird, aber ohne annähend die ökonomische Leistung der USA zu erwirtschaften.
Der chinesische Energiehunger verschlimmert das Problem noch, indes die Chinesen kostengünstige Kohlenkraftwerke errichten, die zwar schnell gebaut sind, aber durch ihre äusserst negative Umweltbilanz unsere Allmende weiterhin belasten. Item. Wir wollen China nun nicht den schwarzen Peter zuschieben, denn massgebend verdreckten wir die Natur in den letzten zweihundert Jahren, sondern möchten mit dem Beispiel Chinas aufzeigen, dass sich bei uns einiges veränderte und weiterentwickelte, aber die Entwicklung in sich noch nicht vollendete, insofern wir den Fortbestand unsrer Zivilisation auf der Erde aufrechtzuhalten trachten.
Weiterführende Informationen
TP: «Umweltschutz aus ökonomischen Gründen»
Der Islamismus, den wir kennen, wird lediglich seit 11/9 verteufelt und als das Böse dargestellt, welches uns zu unterwandern strebt. Derweil wir als Westen ein taugliches Feindbild erfinden, verbrüdern sich die Diskriminierten und stärken so ihr Selbstbewusstsein. Die Ketzerei indes verschuldet nur der 11/9, der die Gefahr Islamismus derart überzogen inszenierte, dass auch gemässigte Islamisten auf den Plan kamen, sich einer radikalen Idee zu nähern.
Veraltete Identitätsmöglichkeiten wie Nation oder Religion dienten zwar für uns aus, werden aber durch eine Identitätskrise innerhalb der lockeren, mutmasslich postmodernen westlichen Staaten erst geweckt und nachträglich beansprucht. Muslime zeigen gerne mit Stolz und Sendungsbewusstsein auf ihre Herkunft. Doch in diesem Zusammenhang verhalten sich alle Immigranten ähnlich, weil die Fülle und auch die Vielfalt der Identitätsmöglichkeiten den gemeinen Menschen überfordert, unter anderem auch den westlichen. Lediglich eine postmoderne Elite vermag sich über die verheerende Identitätsfindung durch Nation oder Religion stellen.
Das populäre Problem mit den Islamisten ist ein hausgemachtes. Insofern wir nicht wissen, wer wir sind, grenzen wir uns dadurch ab, indem wir gemeinsam Menschen verachten, also praktizieren wir Identität durch Abgrenzung. Der neue Sündenbock Islamismus muss dafür büssen, weil der Jude, den wir die letzten tausend Jahren für diesen unrühmlichen Zweck missbrauchten, seit der Shoa hoheitliche Immunität besitzt. So spiegelt unsre Wut auf den Islamismus unser eigenes Verzagen. Und die Islamisten, welche auf den Westen schimpfen, verstecken so ihr eigenes Unbehagen in einer ihr entfremdeten Welt.
Nicht ohne Genugtuung, aber mit bedingtem Besorgnis vernehmen wir folgende Meldung der NZZ. Der von uns bereits seit längerem prophezeite «Autorenjournalismus», wie die NZZ ihn umschreibt, erfüllt sich in den USA. Die Verleger erkannten, dass die Leser zukünftig vermehrt Beiträge und Kommentare mit einer subjektiven, weil eindeutigen Handschrift verlangen. Sie kommen diesem Wunsch eilends nach.
Aufgeschnappt via SBP-Blog.
Vorausgesetzt Moral sei die Entscheidung über Gut und Böse, ist Ethik die Bestimmung und Festlegung des Guten. Wittgenstein äusserte in einem Vortrag über Ethik:
«Behaupte ich z.B., dies sei ein guter Stuhl, so heisst das: einem vorher festgelegten Massstab gerecht zu werden. Wenn wir sagen, dieser Mann hier sei ein guter Pianist, meinen wir demnach, dass er Stücke eines bestimmten Schwierigkeitsgrads mit einem gewissen Grad an Fingerfertigkeit spielen kann. Und wenn ich sage, es sei wichtig für mich, keinen Schnupfen zu bekommen, so meine ich dementsprechend, dass ein Schnupfen mir das Leben in dieser oder jener beschreibbaren Weise schwermacht; und wenn ich sage, dass dies die richtige Strasse ist, so meine ich, es sei die richtige Strasse mit Bezug auf ein gegebenes Ziel. So verwendet, werfen diese Ausdrücke keine schwierigen oder tiefen Probleme auf. Dies ist jedoch nicht die Weise, in der sie in der Ethik verwendet werden.»
Und weiter:
«Angenommen, ich könnte Tennis spielen, und einer von Ihnen beobachtete mich beim Spiel und sagte: ‹Na, Sie spielen aber ziemlich schlecht›, und ferner angenommen, ich erwiderte: ‹Das weiss ich, ich spiele schlecht, aber ich will gar nicht besser spielen›, dann bliebe dem anderen gar nichts anderes übrig als zu antworten: ‹Schon recht, dann ist ja alles in Ordnung.› Aber denken wir uns, ich hätte einen von Ihnen aberwitzig angelogen, und nun käme er auf mich zu und sagte: ‹Sie benehmen sich aber abscheulich.› Wenn ich darauf erwiderte: ‹Ich weiss, dass ich mich schlecht benehme, aber ich will mich gar nicht besser benehmen›, könnte der andere dann antworten: ‹Schon recht, dann ist ja alles in Ordnung?› Nein, das ginge bestimmt nicht, sondern er würde sagen: ‹Na, dann sollten Sie sich aber besser benehmen wollen.› Hier haben wir es mit einem absoluten Werturteil zu tun, während der erste Fall ein Beispiel für ein relatives Werturteil war.»
(Quelle: Wittgenstein, Die unsinnige Frage nach dem Guten, Vortrag über Ethik, online leider nicht verfügbar)
Wittgenstein unterscheidet zwischen einem relativen und einem absoluten Werturteil. Das relativ gefällte Urteil hängt von einem «vorher festgelegten Massstab» ab, ist also nach Wittgenstein «bloss eine Aussage über Faktisches und kann daher so ausgedrückt werden, dass es auch der Form nach nicht mehr wie ein Werturteil wirkt.» Indem Wittgenstein prüft, ob das «Werturteil» sich austauschen liesse im Sinne von, «dies ist der richtige Weg nach Granchester» durch «dies ist der richtige Weg, den Sie nehmen müssen, wenn Sie in möglichst kurzer Zeit Granchester erreichen wollen» ersetzt werden kann, trennt er relative von absoluten Werturteilen.
Dieser Umstand, dass das meiste, was wir beobachten und beschreiben können, keine ethische Urteile fällt, erinnert Wittgenstein an einen Satz Hamlets:
«An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.»
Ein Welt-Buch, dessen Metapher Wittgenstein als Beleg einführt, welches alle Bewegungen und Bewusstseinszustände aller toter oder lebendiger Körper dokumentiert, schildert nur natürliche Fakten, aber erzählt keine Ethik. Also folgert Wittgenstein, Ethik sei übernatürlich. Und so knüpfen wir ungewollt an unsrem kürzlich vorgestellten Befund, der Mensch spielte Gott, wenn er sich bevollmächtige, über Gut und Böse zu richten (DER VERWERTER: «Götterdisziplin Moral»).
Trotz oder eben der Unmöglich- gleichsam Übernatürlichkeit der Ethik probiert Wittgenstein herauszufinden, wie wir das «absolut Gute» herausfiltern können. In einem Beispiel:
«Nun wollen wir einmal schauen, was wir möglicherweise unter dem Ausdruck ‹die absolut richtige Strasse› verstehen könnten. Ich nehme an, es wäre die Strasse, die jeder, wenn er sie erblickte, mit logischer Notwendigkeit gehen müsste; ginge er sie nicht, müsste er sich schämen. Das gleiche gilt für das absolut Gute; wäre es ein beschreibbarer Sachverhalt, müsste ihn jeder – unabhängig von seinen jeweiligen Vorlieben und Neigungen – notwendig herbeiführen oder sich schuldig fühlen, wenn er ihn nicht herbeiführt.»
Ihn verwundert, dass wir dennoch versuchen, Ausdrücke wie «das absolut Gute», «absoluter Wert» usw. zu verwenden. Er vergleicht diese unterschiedlichste Vorstellung des «Guten» mit den unterschiedlichsten Interpretationsmöglichkeiten des Genuss’ und gesteht somit, dass beides nicht verabsolutiert werden kann, weder das «Gute» noch der Genuss. Wir nähern uns der Postmoderne, die sich ausdrücklich von absoluten Idealen lossagt. Aber verunmöglicht die Postmoderne jedwede Ethik, eine «Zwangsgewalt eines absoluten Richters», um Wittgensteins Worten zu folgen?
Liebe kann man nur subjektiv abstrahieren, weil hängt immer als freischwebendes Abstraktum am grenzenlosen Himmel, dessen Horizont wir ausmalen oder nach Wunsch wegwischen können. Trotzdem bekunden Wissenschaftler Mühe mit Sorgfalt, den Liebesbegriff klärend zu entromantisieren und zu entmystifizieren, ihn also mittels naturwissenschaftlichen Methoden zu entwirren. Besonders beliebt sind biochemische Erklärungen, die die Liebe nur als körperliches Phänomen handhaben, das zwar wennauch nur bedingt gesteuert, aber ansonsten neurologisch beobachtet werden kann. Diese Erklärungsversuche beschreiben aber nicht dasjenige Gefühl, das Bücher füllt und als unendliche Inspirationsquelle für Musiker wie Künstler aller Art dient.
Und deswegen, weil die Liebe als subjektives Abstraktum, freilich ohne markierte Grenzen, watschelt; keinesfalls gezielt, mit Ursprung bescheinigt und einem Beweggrund eilend, können wir euch nur eine subjektive Interpretation der Liebe schildern, die man, wir warnen euch ausdrücklich, nicht verallgemeinern sollte, aber sofern man einwilligt, bestimmte Ansätze übernehmen darf, ohne dafür uns auch entgelten zu müssen, es sei denn, ihr erteilt uns die Höflichkeit gleichsam Wertschätzung mithilfe eines Links auf diesen Eintrag.
Liebe ist unnahbar. Sie ist mobil, pendelt von Tür und zu Tür, hastet aber nicht, sondern irrt mit dem Wunsch, günstige Bedingungen zu erfahren, welche das Feuer der Liebe, sofern das Feuer überhaupt entfacht wurde, ernähren. Feuer muss nämlich gefüttert werden, will wachsen, will einverleiben, möchte also nicht ausbrennen. Die Liebe interessiert sich nicht dafür, wer sich an ihr verbrüht. In diesem Sinne ist sie rücksichtslos, denn sie möchte weder gebändigt noch gezähmt oder gelöscht werden. Einen wuchtigen und zerstörerischen Feuersturm will sie sein, der alles auffrisst ohne Bedenken wegen möglichen Schäden.
Angenommen die Liebe will sich nicht kontrollieren lassen, beschränkt sie sich also auch nicht auf fixe Bezugspunkte, sondern waltet frei, wen sie «verspeisen» möchte. Der Mensch kann selten entscheiden, wen er lieben will. Die Liebe plant ihre Liebe aber ebenfalls nicht, sondern liebt auf gut Glück, hofft demnach immer auf Gegenliebe, Resonanz, Antwort, Erwiderung ihrer Liebe. Doch des Zivilisations willen (weiterführende Informationen: DER DISSIDENT: «Der Zivilist als Neurotiker») zwängten wir die Liebe in ein enges Korsett abgestimmter und ausgehandelter Konventionen, das die 68er dazumal feierlich als «Freie Liebe» lockerten, bisweilen gänzlich den Menschen entkleideten. Doch bislang erfolglos, weil «Freie Liebe» heute immer noch mit dem Tabu Polygamie (weiterführende Informationen: DER DISSIDENT: «Polygamie») verbunden wird, so das allzumenschliche Bedürfnis nach Zuwendung, ja eben halt Liebe entmachtet.
Die Liebe humpelt, aber rempelt provokativ und plakativ Menschen an. Die, die gar keine Liebe erwarteten, werden mit Liebe überfordert. Und jene, die nach Liebe trachten, werden in ihrer Erwartungshaltung enttäuscht. Liebe ist derart etwas Kosmisches, Unberechenbares und Unerklärbares, dass sie sich nicht einsperren und ausstellen lässt, auch wenn mich sich müht, Liebe zu «zivilisieren», bleibt sie doch schliesslich ein freier Geist, der nicht freiwillig bestimmte Objekte oder Subjekte als Zielgruppe einzäunt.
Der Dissident erwähnte jüngst, dass die Deutungshoheit über Gut und Böse eigentlich während der paradiesischen Epoche von Gott festgesetzt wurde. Als Eva vom Baum der Entscheidungsbefugnis von Gut und Böse ass, – wissentlich durch die böse Schlange verführt, die soundso im Christentum verteufelt wird -, verbannte Gott die Menschen auf Erden mit der Last, fortan selbständig über Gut und Böse richten zu müssen.
Heutzutage waltet keine Instanz oder Institution über Gut und Böse. Zwar schrieb man ein Gesetz, das über Gut und Böse entscheidet, aber dessen Auslegung kann umgekehrt und beliebig gewendet werden. Sowieso wird das Gesetz unverblümt anders ausgelegt, sofern der Richter wechselte. Zwar palavern Ethik-Kommissionen, die sich beriefen, die Fragen nach einem moralischen Sinn jedweder Handlung zu rechtfertigen. Trotzdem sind diese Kommissionen nicht unumstritten.
Moral ist die Entscheidung über Gut und Böse. Moral ist aber auch Sitte, ein von der Gesellschaft ausgehandelter Kodex, der dauernd neusten Bedürfnissen und Empfindungen, also dem Bewusstsein einer Gesellschaft angepasst wird. Aber auch diese Disziplin wird kontrovers allerorts angegriffen, rangt gleichermassen um die blanke Legitimation. Item. Das Fehlen einer standfesten Moral, die gewissenhaft prüft, was nun Gut oder Böse sei, veranlasst uns zu folgender Frage:
Benötigten wir wieder einen Gott, der uns die Last, über Gut und Böse zu entscheiden müssen, abnimmt? Sind wir überhaupt befähigt, darüber zu übereinkommen, was im allgemeinen und nicht im persönlichen Sinne Gut und Böse sei?
Das Internet, so jubelt man zuweilen doch, stärke die Meinungsvielfalt einer Demokratie. Nur bedingt, wenden wir stützend auf einen Artikel in der Le Monde diplomatique ein, denn das Internet vertiefe die Gräben, die soundso bereits die Gesellschaft durchziehen, also Ungleichheit ihrer der Informationsgewinnung betreffe. Im Wortlaut des besagten Artikels:
«Belegt ist [in den USA], dass wohlhabende und gebildete Bürger viel häufiger als ärmere – und weisse oder asiatische Amerikaner eher als Afroamerikaner und Latinos – zu Hause über einen Anschluss verfügen und daher viel geübter sind im Auffinden neuer Nachrichtenquellen, Informationen, Unterhaltungsangebote und Dienstleistungen.»
Von einem «digitalen Graben» warnt man seit längerem, jedoch meistens im Kontext des sowieso omnipräsenten Nord-Süd-Ungleichgewichts. Innerhalb der westlichen Gesellschaften nahm man bislang an, das Internet «nivelliere» den Zugang zu Bildung und Information. Ermögliche so, dass Meinungen sich beliebig vervielfältigten, weil keine – mutmasslich missgünstige – Medien-Redaktion die Verbreitung behindere.
Doch die meisten Nutzer des Internets, vornehmlich jugendliche, beschränken ihren Konsum des Internets im besten Falle auf einige Foren, Flirt- sowie Selbstdarstellungsplattformen und beliebten YouTube-Videos. Meinungsbildende Angebote werden, wenn überhaupt, von den alteingesessenen Medienhäusern beansprucht, die natürlich nicht zögern, ihren Einfluss auch im Internet geltend zu machen. Erklärend:
«Das Internet ist eine wunderbare Nachrichten- und Informationsquelle, die nur ein kleiner Teil der Leute als solche nutzt. Und als die FCC nachfragte, welche Seiten sie aufsuchen, stellte sich heraus: Mehr als die Hälfte geht zu broadcast.com. Die zweitgrösste Gruppe informiert sich über newspaper.com. Sie nutzen also die gleichen Informationsquellen wie zuvor, nur eben mit einer neuen Technik, in einem anderen Medium. Das sorgt weder für Meinungsvielfalt noch für mehr Wettbewerb unter den Medien.»
Auch die vielberedte Legende des Journalismus’ «von unten» will sich nicht richtig bewahrheiten. Blogger züchten zwar nette Orchideen, die aber selten gelesen werden, wie wir bereits im Artikel DER VERWERTER: «Bloggen ohne Massenmarkt» vermuteten. — Manchmal darf man auch etwas ernüchtern!
Weiterführende Informationen
Le Monde diplomatique: «Der Wolf als Ente»
«Trial and Error», das englische Pendant zu «Probieren geht über Studieren», deutet an, wie der Mensch eigentlich lernt. Auf der Erfahrung beruht hauptsächlich das menschliche Wissen. Empirisch ist beispielsweise folgende Erkenntnis: ein Kind verbrennt unbeabsichtigt die Hand auf einem erhitzten Herd. Zukünftig wird das Kind also, weil die Erfahrung des Verbrennens einerseits an der Haut narbte und anderseits sich auch im Wissen einschnitt, es dürfe nicht mehr mit der nackten Hand den Herd betasten, eine Berührung mit dem Herd vermeiden, um die schmerzhafte Erfahrung nicht zu wiederholen. – Freilich fordern gewisse Menschen den Schmerz aber auch heraus, den sie bestätigt, dass sie leben, weil sie so überhaupt noch etwas spüren. Aber das ist eine andere Erzählung. -
Wenn man nun davon ausgeht, der Mensch lerne nur, wenn er «auf die Nase falle», kann man die Weltgeschichte neu auslegen. So darf man auch Kriege als Missgeschicke interpretieren, die rückwirkend aber dazu beitrugen, den Menschen zu verbessern. Beispielsweise lernte Europa, das seine Vormachtstellung für dazumal sinnlose Kriege opferte, aus seinen Fehlern. Nachträglich also war all das Blutvergiessen in Europa nicht «sinnlos», sondern wegbereitete einen relativen Frieden Europas in Einheit und Vielfalt, weil die Menschen aus den Schmerzen eines verheerenden Krieges endlich die Schlussfolgerung entdeckten, gemeinsam könnten sie länger und erfüllter überleben.
Im Alltag der Politik kennen wir auch die Redewendung, dass «erst gehandelt wird, wenn es kracht». Wenn der Galgen droht, raffen sich Menschen zusammen, um etwas zu verändern. Eine historische Parallele ist die Ölkrise anfangs 70er. Als die Ölproduktion künstlich verknappt wurde, erfand man plötzlich den autofreien Sonntag und alternative Energien. Aber solange es uns noch einigermassen gut geht, fehlen Handlungen und mangelt auch der Mut wie die Lust zur Veränderung, wie wir beispielsweise am 8. Januar Europa vorwarfen (siehe DER VERWERTER: «Apologie des Kapitalismus’»).
Beobachtet man die Weltpolitik, insbesondere die USA, fällt auf, dass die USA eine erfahrungsarme Nation sind. Ausgenommen 9/11, Pearl Harbor und des eigenen Bürgerkriegs, der aber längst verjährte, blieben die USA vor dem Traumata eines intensiven und modernen Landkrieges verschont. Gewisse Erfahrungen muss man selbst erlebt haben, sodass man auch mitreden kann. Uns Schweizer wurden auch einige Erfahrungen erspart, die beispielsweise dafür das kollektive Bewusstsein Deutschlands massgebend prägten (siehe DER VERWERTER: «Die unbelastete und unschuldige Schweiz»).
So kommen wir kühl zum Schluss, wir Menschen müssten noch öfters «auf die Nasen fallen» für das Ziel, dass sich die Welt auch weiterentwickelt, wie die klassische Moderne es ja idealisierte.
Mit Anspielungen verführt man den Leser, der sich doch freut, wenn er die Anspielung als solche erkennt, zum Weiterlesen. Werbetexter schätzen dieses Verhalten, darum lehnen sie ihre Slogans klassischen Vorbildern an, die beinahe jedem vertraut sind. Auch Journalisten wissen das Bedürfnis des Lesers nach mutmasslicher Exklusivität auszunutzen. Vor allem verborgene Anspielungen, die den Bildungsbürger entzücken, werden subtil, aber bewusst eingefügt, um somit eine Aura einer Geheimwissenschaft zu erschaffen, mit der sich Adepten, die sich dadurch eingeweiht und auserwählt fühlen, bereichern dürfen.
Die Omnipräsenz der Werbung verschuldet die Bekanntheit diverser Slogans, die auch beispielsweise im Journalismus restverwertet werden können. Den Spruch «Geiz ist geil» assoziiert man im Normalfall mit Saturn. Wird er jedoch geringfügig in ein «Geist ist geil» abgeändert, erhält man erstens eine kostenlose und zweitens eine aufmerksamkeitserregende Schlagzeile, die zum Weiterlesen anregt. Mithilfe diesen Anspielungen kann man ebenso eine klare Zielgruppe ansprechen, denn gewisse abgewandelte Slogans verstehen halt nur Menschen, die einen ähnlichen Bildungshintergrund teilen oder eine vergleichbare Weltanschauung bejahen.
Uns wirft man gerne vor, wir seien wirtschaftsfeindlich gesinnt. Stimmt aber nicht, auch Kulturkritiker ernähren sich mithilfe eines System, welches sie zu kritisieren wagen. Schliesslich zeugt es von Funktionalität unsrer Gesellschaft, die immerhin zu einer konjunkturresistenten Konsumgesellschaft reifte, wenn man sie auch kritisch überprüft und viel wichtiger: überprüfen darf, ohne mit der Todesstrafe geahndet zu werden.
Ich (bd) wurde zum unabhängigen Finanzintermediär ausgebildet, der das Geld und insbesondere die Wirtschaft zu verstehen weiss. Ebenso kenne ich die Nöten, Sorgen und Ängsten der Menschen, die an der Börse wie normale Produkte gehandelt und dargeboten werden. Und letztlich beobachte auch ich – obschon eher misstrauisch – den Staat, der über alles wacht und alles zu reglementieren glauben hat gedacht, weil er überzeugt vom Grundsatz spricht, die Menschen seien insgeheim «böse» und «wild», müssten also durch einen Staat zivilisiert und gebändigt werden.
Wir hingegen glauben, der Mensch strebe «nur» einen Vorteil gegenüber anderen Menschen zu gewinnen. Er sucht sich zu bevorteilen, während die Anderen seinen «Vorteil» bezahlen müss(t)en. Im Moment stellt Geld den Vorteilsträger dar. Andersherum: wer Geld hat, besitzt einen Vorteil gegenüber Menschen, die kein Geld haben. Und weil niemand ohne Vorteil sich von der Gunst und vom Wohlwollen Anderer in Abhängigkeit respektive Bevormundung verfangen will, sammelt jeder Mensch sich eben selber diesen Vorteilsträger an, indem er für den eigenen Erwerb arbeitet.
Das nennt man rückwirkend freie Marktwirtschaft. Jedem steht frei, Geld anzuhäufen, denn «gezwungen» wird man – wennschon – nur subtil, aber in der Regel nicht. Weil jeder Geld verdienen will, entsteht eine Konkurrenz; sei es nur auf dem Arbeits- oder auf dem allgemeinen Markt. Wo angeboten wird, wird auch gefeilscht, gehandelt und dasjenige Angebot, welches überzeugt, wird gekauft und verkauft. Hierzu empfehlen wir einen direkten, trotzdem bedenkenswerten Vergleich mit dem vulgären Sozialdarwinismus, in dessen Lehre nur diejenigen überleben, die sich an den Gesetzen – unsertwegen auch Axiomen – einer freien Marktwirtschaft anpassen, während die Anderen untröstlich verenden.
Der Kapitalismus hat sich bewährt. Seine direkte Konkurrenz, der «real existierende Sozialismus» – das liest sich beinahe euphemistisch -, gab den Ringkampf geschlagen auf. Siege, wem Siegen gebührt. Der Kommunismus nämlich erprobte mit seiner Gleichschaltung des Volkes, während die Elite freimütig westliche Lebensqualität genoss, den Zustand einer gelähmten, blockierten Gesellschaft, die in vom Staat verordneten Strukturen versteifte. Das unrühmliche Ziel einer Gleichschaltung, Nominierung und Überanpassung eines Volkes lässt sich aber viel konsequenter und ergiebiger mit dem Kapitalismus bewerkstelligen. Der Kommunismus jedoch als simpler Zweck, das Volk zu geisseln und zu knebeln, um es zu regieren und beherrschen, ja gar zu kontrollieren, funktionierte laut der Geschichte nicht.
Wieso nicht? Weil offen ausgetragene, dadurch stimulierende Widerstände; einerseits die offene Kritik an einem System, anderseits eine Konkurrenz innerhalb des Systems, dazu beitragen, dass die Gesellschaft des Kapitalismus’ niemals regungslos da sitzt und den Untergang abwartet, sondern faustkämpferisch stürmt und drängt. Wem nämlich der Hungertod droht, der überwindet sich auch, vielleicht Neues zu erfinden. Manchmal aber dünkt es uns, dass wir im alten Europa die Abenteuerlust verloren hatten, mit der unsre Vorfahren die Welt eroberten. Dies beweist die Übersättigung in unsren Breiten und die Tatsache, dass es uns einfach noch zu gut ergeht, um wahrhaft innovativ im klassischen Sinne dieses zumeist widerstandslos verbrauchten Begriffes zu werden.