Der Wirtschaftsliberalismus ist seit jeher mit dem Staat verfeindet, weil der Staat den Raubtieren einen Mundkorb umschnallen möchte, der sie auf ihren Raubzügen behindert. Der Staat ruht nämlich auf dem Gedanken, dass Menschen von Natur aus «böse» seien, man sie demgemäss züchtigen und kontrollieren müsse, andersherum: der Staat misstraut den Menschen, beargwöhnt deren freie Entfaltung und möchte infolgedessen ebenso deren Rechte beschneiden.
Insgeheim herrscht im Dschungelreich Wirtschaft das Gesetz des Dschungels; nur der Fitteste kann überleben, der Stärke gewinnt, der Bessere pflanzt sich fort und so weiter. Die Wirtschaft an sich ist kaltblütig, herzlos, denn hielt die Wirtschaft eine soziale Funktion inne, könnte wiederum die Wirtschaft nicht den Konkurrenzkampf der Systemen, also der konkurrierenden Volkswirtschaften, überdauern. Die Wirtschaft ist ohnegleichen verdammt dazu, gnadenlos ihre Rechte einzufordern und die gelobte Maxime der Kapitalkumulation zu huldigen.
Wählt man zur Beurteilung der Lage der Wirtschaft die Perspektive der Zivilisation aus, präzisiert, man spaltet die Welt lediglich in Entweder-Oder Zivilisation oder Nicht-Zivilisation auf, dampft in der Brühe Wirtschaft das antizivilisatorische Gift. Zivilisation ist Demokratie, Zivilisation bedeutet mithin, dass auch der Schwächere, der Leistungsschwache ernährt wird. Zivilisation heisst zudem, dass Leistungsschwache ebenso eine Stimme besitzen, zwecks Abstimmungen oder dergestalt.
Dass die Armen und Schwachen mit Rechten versehen sind, befremdet die Wirtschaft, die aufgrund einer anderen Maxime handelt. Sozialstaat ist eine zivilisatorische Institution, deren Nutzen bisweilen umstritten ist. Unvereinbar sind die beiden Welten Wirtschaft und Staat, nur einmal erstrahlte kurzzeitig eine Allianz der beiden, ehedem sie erlosch, als Kommunismus nun in den zivilisatorischen Museen der Abschreckung willen ausgestellt wird. Vereinfacht behauptet, die Wirtschaft ist Barbarei und der Staat Zivilisation, vereinigt sind die beiden gegensätzlichen Polen im Selbstverständnis, das «Gute» zu erwirken.
Die Reibereien der beiden werden noch verstärkt indessen, dass die Wirtschaft sich dem Staat überlegen fühlt und mithin glaubt. Die Wirtschaft hortet, ja bemuttert gar all jene, die verdrossen der Zivilisation mit ihren starren Regeln sich lossagten. Als Sammelbecken also einer antizivilisatorischen Kraft, die das Faustrecht zurückwünscht, funktioniert die Wirtschaft, deren heile Welt sie zu senden nicht müde ist. Sendungsbewusstsein ist ohnehin das auffälligste Merkmal der Wirtschaft, mithilfe diesem sie den antizivilisatorischen Missmut gegen den Staat anlockt.
Eine Beschwerde ist das nicht, was wir ihnen hiermit zu erklären versuchen, wir wollen lediglich aufdecken, dass die Wirtschaft in ihrem Wesen dem Raubtier gleicht, welches die Zivilisation in der Verkörperung des Staates zu dressieren strebt. Wobei solle berücksichtigt sein, dass wir die Zivilisation kritisch beäugen und nicht als die Veredelung der Schöpfung bezeichnen (Suche nach «Zivilisation» im Archiv).
Weiterführende Informationen
DER VERWERTER: «Staatsgläubigkeit»
DER VERWERTER: «Staatsfeindlichkeit»
DER VERWERTER: «Staatstheorien«
Das Internet bezeugt unseren Fortschritt aufs deutlichste, wenn man berücksichtigt, dass mithilfe des Internets die zwischenmenschliche Kommunikation, die bis anhin normalerweise auf zwei Augenpaare beschränkt war, um beliebig viele Medien, also Medien in Form von Menschen oder Maschinen, erweitert werden kann. Das Internet ähnelt der Telepathie in Bezug auf, dass lautlos und unvorstellbar schnell Informationen übertragen werden können, deren Empfänger oder Sender einander in Echtzeit nicht einmal sinnlich sehen.
Und ausserdem brennt das Internet jedem Benutzer ins Bewusstsein ein, es sei allwissend, es sei unerreichbar, unermesslich und unbeschränkt. So tun sich Möglichkeiten auf, deren Sinne uns zuweilen einschüchterten. Die inhaltliche Unendlichkeit und die psychische Raumlosigkeit des Internets flösst unterdessen ferner dem Benutzer ein, er sei ein niemand, weil er ein jemand sei im Internet. Es wirft ihn auf sich selbst zurück, so die postmoderne Theorie dazu. Gerade diese Fülle der Informationen, gekoppelt mit der Schnelllebigkeit und Beliebigkeit ihrer, verstärkt das Gefühl der Ohnmächtigkeit wiedem Nichtigkeit.
Weiterführende Informationen
DER VERWERTER: «Das böse Internet»
DER VERWERTER: «Philosophie des Internets»
Der Mensch baute Maschinen, mithilfe denen er die Natur beherrscht. Fortan versklaven Maschinen den Menschen, weil gerade sie die beständige Naturbeherrschung gewähren. Die politischen Grünen indessen ködern die Masse, die wiederum diese Naturbeherrschung und die Folgen dessen (siehe DER VERWERTER: «Klimadiskussion des Scheins wegen») beileibe spürt, mit der Verheissung, sie würden den Bann, unter dem die Natur siecht, widerrufen.
Den Zuwachs der politischen Grünen erklärt sich deswegen, weil die gnadenlose Naturbeherrschung des Menschen augenscheinlich der Masse aufzeigt, wie barbarisch und verschwenderisch er sich gegenüber der Natur verhält, keimt der Wunsch, das System, welches diese Naturbeherrschung stets vorantreibt, abzuschwächen; redlich das System der Zivilisation.
Natur ist weitaus mehr als nur die Umwelt, Natur ist auch Natürlichkeit, ein Ideal, das dem biblischen Paradies ähnelt (siehe DER VERWERTER: «Das biblische Paradies als Matrix»). Natur ist die Mutter, symbolisiert die mütterliche Geborgenheit, die Eintracht im Mutterleib, die Unbekümmertheit und Unbeschwertheit des kindlichen Daseins .
Die politischen Grünen freilich beschönigen die Natur als Leitbild menschliches Handelns und Werdens, mithin antworten sie auf die Wünsche einer Masse, in deren Unterbewusstsein antizivilisatorische Neigungen blähen, woraufhin folgt, die von Menschen künstlich erschaffene Komplexität der Welt zugunsten eines naturalistischen, also natürlichen Weltbildes zu reduzieren.
Der Mensch als Mängelwesen (siehe DER DISSIDENT: «Der Mensch als Mängelwesen») erfüllt die strengen Anforderungen des Krieges nicht. Er verschlingt zuviel Ressourcen, muss sich mindestens sechs Stunden im Tag erholen, denkt, also grübelt über Moral, Ethik und Sinn seines Handelns nach und muss ebenso täglich Stuhlgang verrichten. Kommende Kriege, die noch nicht weggespart wurden, werden wie Unternehmungen geführt, vermutlich werden sie sowohl wie als auch von Unternehmungen geführt. Entweder-oder ist diesbezüglich ausnahmsweise gleichgültig, was daraus unweigerlich folgt, ist, dass Kriege sich verbilligen müssen, andernfalls muss man Kindersoldaten aus der Dritten Welt anheuern, deren Genauigkeit und Loyalität stets der Bezahlung abhängend entspricht.
Deshalb ist dringend, weil kostensparend, einen Kampfroboter zu entwickeln, der nicht nur per Fernbedienung, also immer noch von einem Menschen gesteuert, feuert, sondern selbständig, das heisst, autonom Feinde mit scharfer Munition beschiesst. Könnte der Kampfroboter den Soldaten ersetzen, verliert man keinen Krieg mehr an der Heimatfront. Im Gegenteil, verschleisste oder vernichtete Kampfroboter müssen im Kriegsfall sofort erneuert oder rekonstruiert werden, direkt und indirekt profitieren von dieser Herstellung also einen lebhaften industriellen Komplex. Wenn der weit entfernte, real im Bewusstsein sowieso kaum existierende Krieg sich gar stimulierend auf die Wirtschaft auswirkt, bejubelt die sensationslüsterne und unterhaltungsfixierte Masse tendenziell wohlwollender den Krieg (siehe DER VERWERTER: «Der massenkulturelle Krieg»).
Weil Kampfroboter hoffentlich keine Menschen sind, sind sie auch keinem Menschenrecht unterstellt. Andersherum: die bislang bekannten Kriegskonventionen begrenzen die Kompetenzen der Kampfroboter nicht. Kampfroboter könnten theoretisch auch schmutzige Geschäfte abwickeln. Als gesetzlose Diener überdies schrecken sie den Gegner ab, signalisieren Überlegenheit und Dominanz. Insbesondere sind Kampfroboter für den Einsatz in zivilen Gegenden bestens geeignet. Denn der Kampfroboter ist weder wegen Angst noch wegen Gewissensfragen verunsichert, freimütig könnte er indessen eine aufsässige Masse für den Geschmack des heimischen Millionpublikums in Echtzeit jargongerecht «neutralisieren» (siehe DER VERWERTER: «Kriegslust»).
Wenn vorerst nur eine Seite ihre Armee mit Kampfrobotern ausstattet und daraus ein Ungleichgewicht entsteht, festigen Kampfroboter die Hegemonie, denn deren alleinige Existenz erstarrt die unterentwickelten Ländern in Ehrfurcht, gleichsam wie Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Atombombe reagierte. Sind jedoch Kampfroboter demokratisiert, jeder Nation zugeteilt, verniedlichen sie den Krieg, weil keine Soldaten mehr sterben und vollenden letztlich eine Entwicklung, die voraussagte, dass Krieg dereinst zu einem reinen Unterhaltungsspiel verkäme.
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Telepolis: «Einsatzregeln für Kampfroboter»
DER VERWERTER: «Der massenkulturelle Krieg»
DER VERWERTER: «Kriegslust»
Eigentlich wusste die Natur uns auszutricksen. Sie erschuf die Sexualität, mithilfe der wir den Zeugungsakt geniessen könnten. Indessen überlisteten wir die Natur allerdings, wir erreichten, dass die Sexualität unabhängig des Fortpflanzungs willen praktiziert werden könne. Wer hierzulande noch gebärt, ist entweder verdummt oder zu reich. Die Oberschicht leistet sich den Luxus, Nachwuchs der Welt zu schenken. Die Unterschicht, vermeintlich aus Dummheit denn aus freier Entscheidung, vermehrt sich ebenso fleissig.
Das bedenkliche Klischee der Unterschicht erzählt die Geschichte einer fettleibigen jungen Frau, ohne absolvierte Ausbildung und gemeinhin mit dem bestückt, was wir als «bildungsfern» wertend etikettieren. Bereits in jungem Alter wurde ihr den Samen eingeschmuggelt, daraus folgt, dass sie das Kind notgedrungen aufziehen wird. Meistens allein, denn ohnehin wird sie verlassen, weil der Erzeuger die Geburt weder beabsichtigte noch erwünschte. Wir begegnen diesem Klischee im nachmittäglichen Plauderfernsehen, wo sie uns mit ihrer Leidesgeschichte zu schockieren versucht.
Schockierend ist allemal, dass jene Schicht, die keine Leistungen und keinen messbaren Mehrwert erbringt, sich unaufhörlich fortpflanzt. Die besser Geschichteten derweil warnen stets vor dem Karrierekiller und Libidohemmer Kind. Sie verhüten. Die Unterschicht verlernte indessen jedwede zwangsdisziplinarische Zivilisiertheit. Dennoch muss man den buchstäblichen Abschaum einer Gesellschaft, die überhöhte Erwartungen und Forderungen stellt, welche die meisten Teilnehmer der Lotterie Aufmerksamkeit, Respekt und Wohlstand sowieso nicht erfüllen können, berücksichtigen, ja überdies gar wertschätzen, schliesslich garantiert er, der Abschaum, den Fortbestand unsrer Zivilisation.
Sind wir bereits derart weit fortgeschritten, die Zeugung jenen zu überlassen, die Erziehung und Zivilisiertheit verkennen, müsste man, gedenkend dem zukünftigen Wohle der Allgemeinheit, sofort verordnen, dass anstelle der Unterschicht hochspezialisierte Unternehmungen die Aufzucht unsres Nachwuchses übernehmen. Es sei denn, wir wollen das Szenario, dass Unternehmungen Kinder wortwörtlich fabrizieren und am Markt feilbieten, abwenden, allerdings bedingt dies, dass wir uns selber änderten, indem wir die Karriere, den Luxus und die Selbstverwirklichung zugunsten der Zukunft unsrer Zivilisation einschränkten.
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DER VERWERTER: «Die Patenschaft mit unsrer Zukunft»
Redlich, die Expertengesellschaft berät einen, sie weist den Weg, beschränkt das Denken, operiert entschieden nur dort, wo ihre Kartelle walten. Zunächst entlud sich der Vorwurf, als man den wohlklingenden Begriff Interdisziplinarität erfand. Somit wollte man sinnbildlich von Oben herab erzwingen, dass die Herren in ihren eingeengten Höhlen das Licht jenseits ihres Spiegelbildes erblicken könnten. Vergebens jedoch, Interdisziplinarität avancierte sich zu einem beliebigen Modewort, verschossen und entkräftet, wirkungs- und machtlos.
Zum Organon bemängelt berechtigterweise:
«[...] Unsere Fachgespräche sind so streng geregelt, dass nur Fachleute, die sich in den Formalien auskennen, mithalten können. Aber diese Formalien lasten zunehmend den Einzelnen aus, so dass über die Einhaltung des Protokolls hinaus keine Kräfte mehr übrig bleiben. Wir sind so hoch professionell, und so wenig neugierig! Wir lassen keinen Raum mehr zur freien Entfaltung der Einbildung, zu neuen Verbindungen und Sichtweisen. Wir hacken fest an Vorstellungen, aus denen wir seit Jahrhunderten nicht heraus kommen. Da gibt es nur einen Ausweg: Nieder mit den Fachidioten, es lebe der gebildete, allgemein interessierte Dilettantismus!»
Falls man ein nächst grosses Ding anpreisen möchte, dann jenes, dass zukünftig der Mensch seine Dinge, die er gebraucht, selber herstellt, dass er, was er beileibe beansprucht, selber besorgt, dass er, wenn Rat sucht, selber einen erteilt, dass er, wenn er denkt, selber denkt. Also wollen wir tatsächlich das Ideal Individualismus verwirklichen, müssen wir uns auch selber darum kümmern. Ansonsten zerfällt das Ideal Individualismus zu Marketinggeschwurbel.
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DER DISSIDENT: «Der Ruf nach Vordenker»
Erst die Sprache unterscheidet den Menschen vom Tier. Mithilfe der Sprache kann der Mensch seine Umwelt bändigen sowie gleichsam verewigen. Ausserdem nötigt ihn die Furcht vor der Vergänglichkeit, das Zerrinnen der Zeit, dessen Begriff wiederum einen Versuch ohnegleichen darstellt, die Ewigkeit einzusperren, das Geschehene, Erlebte, halt die Welt, die sich ihm offenbart, in Worten zu fassen, dementsprechend erfassen zu können. Überdies kann er Dinge, die er nicht kennt, bei Namen nennen, sie deshalb benennen und erkennen, so vermindert er zudem die Furcht vor ebenjenen Dingen, die er ansonsten nicht nennen könnte.
Und ferner ist alles, was wir bei Namen nennen können, erstarrt, mithin überwunden, bewältigt. Demnach ersucht der Mensch, den unmöglichsten Dingen einen Namen zu geben, aufdass er sich vergewissert weiss und aufdass ihn diese Benennung beruhigt, denn namenlose Dinge verunsichern ihn, sie sind weder fass- noch erfassbar. In diesem Sinne wird die Sprache stets auch als Machtmittel eingesetzt, beispielsweise Zustände mit einem Namen zu nennen, dessen Bedeutung man freilich umkehrte (siehe DER VERWERTER: «Militarisierte Begriffe»), die momentane Machtverhältnisse widerspiegeln oder unbewusst beabsichtigt, über Tatsachen hinwegzutäuschen (siehe DER VERWERTER: «Bullshit-Generator und -Generation»).
Jüngste Vorfälle bewiesen wiederholt, dass der Unmut gegenüber der Zivilisation mit ihren starren Konventionen, ein wohlklingender Euphemismus für Erwartungs- und Leistungsdruck, wächst und untergründig sich verbreitet – mithin überall dort, wo Wohlstand überspriesst, unkontrolliert wuchert. Die Menschen sind ermüdet, erschöpft durch Theorie und Zivilisation (siehe DER DISSIDENT: «Zivilisationsmüdigkeit» und Telepolis: «Theorie der Müdigkeit – Theoriemüdigkeit»).
Währenddessen der symbolische Terrorismus beispielsweise mittels Graffitis, die als unausrottbar galten und die Fassaden New Yorks beinahe flächendeckend überzogen, noch als Zeichen eines gemässigten Aufstands gedeutet werden konnte, erklärt der zeitgemässe symbolische Terrorismus der Zivilisation unwiderruflich den Krieg. In diesem Krieg sammelt sich der vereinigte Widerstand gegen die Zivilisation, die erstarrte und bewegungslose Zivilisation, redlich unsere.
Doch diesmal bedrohen uns die Gegner nicht von Aussen her, sondern sie weilen mitten unter uns, sie nehmen dieser Gesellschaft des Spektakels teil. Zwar ist der symbolische Terrorismus weltweit vernetzt, zumindest dort, wo McDonald’s und Coca-Cola angepriesen wird, trotzdem sind seine Aktionen unmittelbar lokal begrenzt. Dieses Konzept einer weltweiten «Verschwörung», die aber lokal zuschlägt, verstärkt die eigene Unsicherheit der Zivilisation und erweckt obendrein den Eindruck einer allgegenwärtigen Bedrohung. Deshalb ernährt der symbolische Terrorismus sich selber, denn seine omnipotente wie -präsente Bereitschaft, jederzeit und allerorts die Zivilisation vernichten zu können, bewirkt bei der Gegenseite, redlich bei der Zivilisation, die Überwachung, Kontrolle und den Erwartungsdruck, also die zivilisatorischen Konventionen, auszubauen.
Somit ist die Zivilisation und der symbolische Terrorismus in einem Teufelskreis gefangen, bekämpfen sich gegenseitig, derweil sie miteinander verdrahtet sind. Dennoch dürfen wir das Konzept des symbolischen Terrorismus nicht überschätzen, weil der symbolische Terrorismus ohnehin kein Programm entwarf, inwiefern er die Gesellschaft umgestalten möchte, sondern zielt lediglich auf Verwirrung ab und möchte aufmerksamkeitserheischend demonstrieren, wie zerbrechlich die Leitkultur Zivilisation ist und also gleichsam deren Allmachtsanspruch untergraben.
Weiterführende Informationen
FR: «Verschlossen, verbittert, wütend auf die Welt»
DER VERWERTER: «Der gebildete Amokläufer»
DER VERWERTER: «Falscher Tatsachensinn»
DER DISSIDENT: «Der gebildete Terrorist»
Auffallend ist, dass Amokläufer lediglich zivilisatorische Einrichtungen verwüsten. Nur dort, wo die zivilisatorischen Regeln vorherrschen, glaubt der Amokläufer deren Zivilität mit unbarmherziger Entschlossenheit blutrünstig vernichten zu können in der stetigen Hoffnung, alsbald danke die Zivilisation mit ihrem Anpassungsdruck und ihren Leistungserwartungen kläglich vor den ungläubigen und fassungslosen Augen eines Millionpublikums auf CNN ab. Deshalb stammen Amokläufer tendenziell, gleichfalls wie die gebildeten Terroristen übrigens (siehe DER DISSIDENT: «Gebildete Terroristen»), aus der gesellschaftlichen Mitte ab, also aus dem Umfeld, welches den grössten Anpassungs- und Leistungsdruck innerhalb der Zivilisation verkraften muss.
Ausserdem kurbelt der gebildete Amokläufer am Hebel, der Mechanismen startet, welche zyklisch wiederkehrende Fragen beantworten wollen, weshalb überhaupt unschuldige Zivilisten, redlich Zivilisten, sterben mussten, weshalb einer, der in bester Gesellschaft gastierte, zudem mit falscher Rationalität gesegnet und geweiht war, überhaupt sich irrational selber zerstören könnte und so weiter und so fort. Seine Tat unterdessen verewigt ihn im kurzlebigen und durchnässten, weil stets fliessenden Bewusstsein deren, die sich am Spektakel hinterhältig, mitunter zynisch erlaben. Die üblichen Verdächtigen, die das Spektakel unaufhörlich erhitzen, sind natürlich die Medien.
Der gebildete Amokläufer rechnet also mit ein, dass plötzlich unbequeme Fragen auftauchen, die er umgehend klärt; er sei jener, den man nicht vorausahnen konnte. Deshalb wählt er auch Institute aus, die Zivilisiertheit ausstrahlen, um gerade dort zu demonstrieren, dass die Zivilisation stets gefährdet und die Welt nirgends sicher ist. Damit bezweckt der gebildete Amokläufer, die Zivilisiertheit vortäuschende Gesellschaft eindrücklich zu verwirren, was ihm zweifellos gelingt.
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FR: «Schwarze Löcher. Josef Vogl über das Phänomen ‹Amoklauf›»
DER DISSIDENT: «Zivilisationsmüdigkeit»
DER VERWERTER: «Falscher Tatsachensinn»
Uns besorgt, dass zeitgemässe Weiber tendenziell ihre Sexualität lobpreisen, als sei sie das Allernatürlichste der Welt. Selbstredend, die Natur schenkte uns die Sexualität, damit wir uns fortpflanzen und derweil den Akt auch geniessen können, was zudem die Geburtsrate theoretisch steigern sollte, freilich nur theoretisch, denn praktisch verhüten wir konsequent die weibliche Empfängnisbereitschaft.
Allerdings möchten wir keine alterthümliche Sexualmoral reaktivieren, dennoch befremdet uns die sexuelle Revolution, die während unsrer Jugend noch nicht in ihrer Totalität geformt war, welche heute zunehmend unsres Erachtens die Langlebigkeit unsere Zivilisation bedroht. Denn dass Sexualität und Zivilisation miteinander verstrickt sind, ist zweifellos erhellt, weil der erste Schritt, der die Menschen zivilisierte, war, dass man Inzucht verbot, somit gleichsam die Moral und mithin Sexualmoral erfand.
Heutzutage wird die Sexualität verschwendet, unverblümt kalt als tauschbare Ware gehandelt, dessen Wert stets das Attribut «sexy» bemisst (siehe DER DISSIDENT: «Sexy sexualisiert»). Man verbirgt die Sexualität nicht mehr im Privaten, sondern bietet sie demzufolge öffentlich dar (siehe DER DISSIDENT: «Ausgestellte Sexualität»). Mitunter pflastert man den Obsessionen, also zwangsneurotischen Vorstellungen darüber, wie die Sexualität zu funktionieren habe, einen breiten Weg, auf dem bedenkenlos im preussischen Gleichschritt getrampelt wird.
Weiterführende Informationen
DER VERWERTER: «Die Patenschaft mit unsrer Zukunft»
DER VERWERTER: «‹Mein Kind soll rein bleiben›»
DER VERWERTER: «Sexualität und Zivilisation»