Das westliche Kapital rinnt in alle Spalten, dringt in alle Lebensbereiche, vermehrt sich auf allen Kontinenten; es gebärdet sich so, als ob es das alleinige Lebenskonzept, die alleinige Lebensidee sei, nach der zu richten jedermanns Wunsch und gleichsam Aufgabe sein müsse. Wir hatten dies einzigartige System gegenseitiger Ausbeutung selber errungen, bisweilen mit Blut, mit blutiger Überzeugung erkämpft. Der Kapitalismus avancierte, später erst, als der Selbstzweifel übers selbige System entstand (Marx), zum eigentlichen Gründungsepos unsrer Zivilisation, das bedingungslos zu ehren zur patriotischen Pflicht eines jeden erkort ward.
Unser Kapital, fern eines nationalstaatlichen Korrektivs, das Irrungen und Wirrungen desselben Kapitals ausmerze, verschimmelt den Planeten mittels einer bislang beispielloser Kraft und Dominanz, deren Gewalt und Sendungsbewusstsein gleichsam mögliche, unausgegorene oder utopische Alternativen erstickt. Die Herrschaft des Kapitals, längst angebahnt und mittlerweile vollständig etabliert, nummeriert das Wesen aller Menschen systematisch durch, woraufhin bloss noch Funktionseinheiten ohne menschliches Antlitz schlafwandeln.
Während wir hierzulande das Kapital unterwürfig empfangen, uns lediglich als beliebiger Standort statt als einzigartiger Nationalstaat gewahren, sind chinesische Intellektuelle zunehmend besorgt, weil der Einfluss des westlichen Kapitals die dortigen Institutionen und Konventionen untergrabe. Dies vor allem, da das Kapital eine neue Ordnung konstituiert, eine Ordnung wohl, die einer möglichen chinesischen widerspricht, im Kern, wenngleich das Kapital globalisiert, dennoch eine westliche, von westlichen Prinzipien und moralischen Werten inspirierte sei.
Der Westen verabsolutierte den modernen Kapitalismus als Konzept ohne Alternative, ohne nennenswerte Konkurrenz, als das einzige wahre, das Zukunft hat und Perspektive ist. Diese Hegemonie ist, entgegen populären Vergewisserungen, eine ungesteuerte, herrschaftslose, da das Kapital sich verselbständigt, die Kontrolle übers selbe, beispielsweise vermittelst einer weltmännischen Politik, somit entfällt. Folglich ist das Kapital, das den Planeten vollständig überzog, eine Masse ohne Führer, ohne Mission und ohne ethische Prinzipien.
Bloss ein diffuser Ersatz Gottes, eine «unsichtbare Hand», die den Markt regle, das nunmehr einzige Etikett einer Volkswirtschaft, zeugt von einem gewissen Bedarf nach Führung und Reglung, nach Ordnung im kapitalistischen Chaos, das, je länger je mehr, undurchschaubarer, zur mit Mythen und Legenden überladenen Geheimwissenschaft wird, in deren Geheimnisse aufstrebende Bescheidwisser wirtschaftsfreundlicher Akademien weltweit angeblich eingeweiht sich wähnen, oder nachgerade so tun, als seien sie es.
Dramatisiert, wir sind allesamt in einem System versklavt, das ohne Herrschaft und Ordnung ist, ohne Ziel und Finale, das gleichzeitig Finalität aller Geschichte reklamiert; wir sind Opfer einer Ordnung, die wir gar nicht erstrebten in diesem Totalitarismus, der sich über uns legte. Wir Naiven und Gutmütigen, wir Netten und Guten, streckten dem Kapitalismus unsere Hand hin. Er frass sie auf. Da fristen wir nun, ohne Hand, ohne Handlungsmöglichkeiten, wir können uns nicht wehren, wir können bloss hoffen, dass das kapitalistische System sich selbst zerstöre.
Die Komik der Schweizer Politik lässt sich kaum übertreffen. Da wird unser Land von einer Mitte-rechts Regierung geführt, der eine rechtsbürgerliche Partei als “Opposition” gegenübersteht. Im europäischen Ausland werden sich aufmerksame Beobachter fragen, wo zum Teufel in der Schweiz sich die Sozialdemokraten verstecken! Für mich stellen sich folgende Fragen: Werden wir alle für dumm verkauft und fallen auf diesen mediatischen Schwindel herein? Oder aber erleben wir wirklich die Geburt eines neuen politologischen Modelles?
Die vulgären Rechten schauen den “Abtrünnigen” auf die Finger und für die Linke eröffnen sich Chancen, da die “verräterischen Rechten” auf ihre Stimmen angewiesen sind.
Ich denke aber, dass sich nicht viel bewegen wird, da Blocher seine Kernthemen in den letzten vier Jahren durchgesetzt hat und jetzt mehr heisse Luft um nichts gemacht wird. Die Schweizer Politik wird ihre Spitzenposition in Innovationslosigkeit bewahren, wenn nicht sogar ausbauen.
Schaden wird dies der Schweiz allerdings nicht. Die makropolitischen (und ökonomischen) Gegebenheiten der Schweiz sind so massiv wie die Alpen. Schade nur, dass der Innovationsgeist, den die Schweiz durchaus besitzt, nicht auch in die politischen Gefilde durchdringt.
Freuds vielseitig anwendbare Kombinationen enträtseln gewisse Phänomen des menschlichen Verhaltens, so frappierend dessen Analogien sind, so sind sie allesamt würdig, weiterführend erörtert zu werden; diesmal therapieren wir den Penisneid des Feminismus, eine bis heute kontroverse These, die kürzlich, als zeitgemässe Analogie, die wir später andeuten, sich offenbarte.
Der Mann ist durch und durch ängstlich genötigt, jemand könne ihn kastrieren; folglich fürchtet er nichts mehr als die Kastration: eine sowohl symbolische wie tatsächliche Entmannung. Die Frau hingegen, die bereits während der Kindheit die eignen Genitalien mit denen der Männer vergleicht, und so notgedrungen feststellt, ihr fehle etwas, beneidet den Mann um ebendieses Glied, das den Mann zum wahrhaftigen Mann macht.
Junge Mädchen kompensieren diesen «Mangel» gelegentlich, indem sie den Penis mithilfe eines Holzstücks imitieren, angespornt der Hoffnung, durch diesen verlängerten Ansatz urinieren zu können, was ihnen, wohlan, nimmer gelingen mag, sehr zum Verdruss der Mädchen, die fortan fälschlicherweise minderwertig sich glauben; derweil die Knaben wettstreiten, wer länger, ausdauernder und imposanter pinkeln kann.
Eine pubertierende Frau konvertiert zum militant-radikalen Feminismus erst, wenn sie das Los ihrer Weiblichkeit leugnet; sozusagen nicht akzeptiert, dass sie weiblich statt, wiewohl ersehnt, männlich sei. Den eingebildeten Mangel, der eigentlich gar keiner wäre, denn die Natur teilte nicht umsonst die Menschen in zwei Geschlechtern, ersetzen Feministinnen, indem sie, symbolisch wohlgemerkt, die Männer kastrieren wollen; sie kopieren die Männer, ahmen das typisch männliche Gebaren nach, bis sie von eigentlichen Männern kaum mehr zu unterscheiden sind.
Folgendes Beispiel veranschaulicht die eingangs erwähnte Analogie unzweideutig; kürzlich waren einige schwedische Feministinnen beeifert, den das Wappen der dortigen Friedenstruppe zierenden Löwen regelrecht zu kastrieren; die Urangst eines jeden Mannes, wie wir mittlerweile wissen, nebenbei, und das ist genauso bemerkenswert, trugen den kastrierten Löwen vormals bloss jene, die das Vaterland verrieten, womit man früher echte Männer von falschen optisch-symbolisch trennte.
Der umstrittene Penisneid also irrlichtert gerade als Wesen eines militanten Feminismus, als eine überkommene Geistesströmung einzelner, mutmasslich ob Weiblichkeit frustrierter wie überforderter Frauen, die stets als Frauen reduziert sich glaubten, ohne den Vorteil holder Weiblichkeit endlich anerkennen zu können; in diesem Sinne demaskierte die jüngst lancierten, äusserst plakativen Botschaften einer unbestimmten Partei im linken Abgrund ebenfalls den verborgenen, bisweilen unterdrückten Penisneid einzelner, wir sagen: bloss einzelner Frauen, die mit dem Schicksal Frau hadern.
Eine Gesellschaft ähnelt gewissermassen einem Computer, folglich gilt beiderseits derselbe Imperativ für den Administrator: ändere nie eine bestehende, funktionierende Konfiguration. Unsere Gesellschaft funktioniert bestens, und zwar wahrhaft im Sinne «funktional», weshalb sollte man also etwas ändern? Gerade jetzt, als die Beschäftigungsquote, die Löhne wie die Zufriedenheit steigen und gleichzeitig die Steuerlast schrumpft, ist die Nachfrage, die ausgebrüteten Utopien zu verwirklichen, kleiner als je zuvor.
Das Zeitfenster, in dem wir fristen, ja mehr weilen denn fristen, scheint unbegrenzt; wir leben gesättigt, mehr fetter als eigentlich recht; demnach schwindet die Bereitschaft, etwas zu transformieren, Bewährtes mit Neuem zu experimentieren; was letztendlich das Ansinnen, angelangt am Ende aller Geschichte zu sein, nochmals bestätigt, gerade insofern, als die grossen Erzählungen, die allesamt die Gesellschaft zu revolutionieren ersehnten, scheiterten; in Kriegen und Wirtschaftskrisen, in Elend und Verzweiflung ermatteten.
Die letzte Erzählung, die geheimtuerisch herumgereicht, ist die des bedingungslosen Grundeinkommens, die Utopie einer Gesellschaft, worin der Wert eines jeden Menschen ungeachtet desselben Kondition evaluiert, worin das die Kälte und Barbarei produzierende wie reproduzierende Leistungsprinzip, dessen Anspruch gewahr, das alleinige selig machende zu sein, widerlegt ist, und worin Humanität und Liberalität gar die höchsten menschlichen Errungenschaften sind. Das bedingungslose Grundeinkommen träumt eine solche Gesellschaft, und gewiss vielmehr als aufgezählt, zu realisieren.
Doch wir, die wir resignierte, verbitterte und frustrierte Kulturpessimisten sind, entgegen, dass eine solche Gesellschaft heute blosse Utopie sei; denn die gegenwärtige Situation, je nach Einkommen und Bildung bebrillt, scheint einfach zu vollkommen, hierin sind nämlich Utopien vorneweg undenkbar. Bis das bedingungslose Grundeinkommen also plötzlich mehrheitsfähig wäre, so des Pöbels Gefallen und Wohlwollen fände, müsste die jetzige Situation sich erst drastisch wie dramatisch verschlimmern.
So müssten also noch mehr Arbeitskämpfe wüten wegen empfundener Ungerechtigkeiten, noch mehr Verzweifelte protestieren wegen unbefriedigenden Produktionsverhältnissen, noch mehr Kinder hungern wegen verarmten, alleinerziehenden Müttern, noch mehr Menschen alle Sicherheiten, ergo den Arbeitsplatz, verlieren wegen der globalisierten und total rationalisierten Konkurrenz, noch mehr Lohnabhängige psychisch erkranken wegen Leistungsdruck und noch mehr Kleinkriminelle die Weltstädte plündern wegen wirtschaftlicher Not, bis endlich eine längst gebrochene Gesellschaft saniert werden könnte.
Wir wissen, mündlich überliefert, dass die Utopien der Gegenwart die Realitäten der Zukunft seien, wir wissen ebenfalls, dass jede Utopie, die in einer Zwischenzeit entstand, ihre Verwirklichung ins Jenseits, in die Zukunft vertagt, und wir wissen ganz gewiss, dass der Untergang unsrer Gesellschaft innerlich längst vollstreckt ist, bloss äusserlich noch nicht erkennbar, da wir unsren Zerfall mit allerlei Zerstreuung und Beschönigung verschleiern; im Kern verfault, an der Hülle aufgeputzt, so beurteilen wir unsere Gesellschaft.
Wie Menschen zu motivieren sind, denen man ja gemeinhin Faul- wie Trägheit unterstellt, ist eine verworrene Geheimwissenschaft, in der eingeweiht bloss wenige selbstherrlich glaubend sich wähnen. Weil hierzulande Erfolg mit Karriere und Glück mit Geld gleichgesetzt scheint, erzielt jede Motivation dasselbe; so ist also zu eruieren, wie der Mensch motivierter krampft und Geld anhäuft.
Hauptsächlich bemisst die Höhe des Lohns, das Entgelt einer selbstlosen Verdingung, den Grad etwaiger Motivation; folglich schuftet, wer mehr verdient, motivierter und engagierter. Doch diese Art bequemer Motivation befriedigt heutzutage die Menschen wohl zuwenig; ja, denn sie wollen sich nicht bloss als austauschbare Arbeitseinheiten wahrnehmen.
Darum dürfen Lohnabhängige neuerdings teilhaben am Unternehmensgewinn; so sind sie noch enger ans eine Unternehmen gekettet, weil der Lohn, also der Ursprung aller Motivation, dadurch ertragsabhängig berechnet wird. Ebenfalls dürfen Lohnabhängige mittlerweile den Geschäftsgang mitbestimmen; idealerweise ersteigern sie Aktien der eigenen Unternehmung und organisieren sich in einen Verein, der seine demokratisch ausgehandelten Forderungen während der Generalversammlung verliest.
Soviel zur besitzorientierten Motivation, die wohl einzige, die uns überhaupt noch zu motivieren vermag, denn, so die zynisch-realistische Unterstellung, ohne das Lohnprinzip vergammle der Mensch nur, bloss äusserlicher Druck, der ihn zwingt, etwas zu tun, kann ihn motivieren; dies scheint vervollkommnt im pädagogischen Belohnungs- und Bestrafungssystem, das, bei Labortieren erprobt, auch bei Menschen vermeintlich sich bewährt.
Demgemäss wurden alle Generationen mit diesem Belohnungs- und Bestrafungssystem erzogen, ausser den genannten Methoden gehorchen die Menschen sonst kaum noch welchen; sie werden bestraft und belohnt wie wilde Tiere, so werden sie endlich zu nackten Tieren, die man mit Futter lockt und mit Gewalt verjagt. Die Frage ist, ob dies System das einzige ist, das den Menschen motivieren kann. Und wir, die wir Kulturpessimisten sind, wissen mit nicht anders zu antworten als mit einem müden Seufzer.
Wir sind überschuldet, nicht bloss wir Schweizer, der gesamte Westen scheint künstlich finanziert, ausnahmslos überschuldet; diese von Generation zu Generation erbliche Schuld können wir deshalb verkraften, weil unzählige Investoren fühlen, glauben oder meinen, wir hätten Zukunft, wir könnten folglich dereinst sämtliche Schulden saldieren. Dass man uns also unbeschränkt Kredite gewährt, bescheinigt bloss das Vertrauen derer, die sich selber zu verschulden fürchten und so ihre Schuld gewissermassen «exportieren».
Der Stammtisch poltert, Schulden seien ungesund fürs Wachstum; doch niemand berücksichtigt, dass die Funktionalität des gesamten wirtschaftlichen Kreislaufsystems bedingt, dass jemand Geld borgt, wo Geld sozusagen überquillt; würden beispielsweise die Vermögenden das Geld statt verleihen horten, so ist unser aller Blut des existenziell-wirtschaftlichen Kreislaufes entzogen, woraufjom eine jede Volkswirtschaft innert Stunden zerfiele. Geld muss, und das predigten bereits die Protestanten, ebenfalls «arbeiten» und darf ja nicht «faulenzen».
Geld arbeitet, indem es sich mehrt, es mehrt sich, indem es verzinst ist, darum widersprechen zinslose Darlehen den Axiomen des Geldes; schliesslich soll, wer etwas, nämlich der Inhalt seines Lebens: Geld, riskiert, genugtuend entschädigt werden. Obendrein werden wir alle im Westen verdingte Untermenschen regelrecht und systematisch ermuntert, uns zu verschulden, weshalb, rechnet der Kenner vor; bloss jene, die Hypotheken paziszieren, können optimal Steuern sparen, da Schulden steuerlich abzugsfähig sind, den Dummen hingegen, die ihre Hypothek voreilig abzahlten, ist jede Steuererleichterung erschwert.
Wir ahnen, dass das Getöse einiger Zeitgenossen, die die masslose Überschuldung privater wie öffentlicher Haushalten beklagen, blosse Heuchelei und scheinheilige Empörung sei. Nun denken wir weiter; auch der Staat spart, indem er sich neuverschuldet; so muss er nämlich die Geldmenge erhöhen, wodurch der Wert des Geldes sinkt, was letztlich die reelle Schuld verringert. Der im Konsumzwang zerstreute Fellachenmensch kann diese wider seines Naturell vollziehende schleichende Verteuerung kaum wahrnehmen, er fürchtet sie bloss alljährlich im Fernsehen als «Inflation». So überschreibt der Staat die seinige Schuld unbemerkt den Staatsgläubigen.
Ob das «gut» und «gerecht» sei, ist man versucht einzuwenden, wir meinen: ja; Schulden sind nämlich zwar leidliche, dennoch unvermeidbare Begleiterscheinungen einer Wirtschaftsordnung, die in einer endlichen Welt unendlich zu wachsen krampft; unendlich ist bloss der Kapitalmarkt, das virtuelle Geld, die tatsächliche und reale Wirtschaft hingegen ist endlich, da fassbarer, wirklicher Boden deren Produktion natürlich begrenzt. So überwinden Schulden den Boden, das Blut und den Menschen, Schulden symbolisieren den Sieg der Kapitalwirtschaft über die Realwirtschaft, dieser Triumph ist stets offenbart, wenn man die Betriebsergebnisse der Unternehmungen, die reelle Güter feilbieten, mit solchen, die bloss Kapital kumulieren, vergleicht.
Lange stimmten wir alle überein, dass unsere westliche Monokultur beispiellos und von allen untertänigst imitiert worden sei, denn unser Sendungsbewusstsein überdeckt dasjenige anderer «Kulturen» gänzlich. Doch nun etabliert gerade Asien eine neue Popkultur, eine gewiss asiatisch inspirierte und eine, die jenseits allen politischen Grenzen die Volksmassen vereinheitlicht.
Wo vormals wir den Takt aller Moden verkündeten, emanzipieren plötzlich wegen materiellen Wohlstand umso selbstbewusstere Asiaten sich von unsrer Monokultur, die den Planeten bislang ohnegleichen überzog und alle übrigen Ambitionen, die unsrige Monokultur einzuholen, ins Lächerlich-Unmögliche schob. Endlich konkurrieren die Erzeugnisse asiatischer mit jener westlicher Kulturindustrie.
Da der Markt weltweit genormt und erschlossen scheint, wird der Kampf um die popkulturelle Hegemonie sinnigerweise gleichermassen global wie lokal ausgefochten, so sind ursprünglich kaum nennenswerte Lokalmärkte plötzlich mit symbolischer Bedeutung gewichtet, deren Folgen jederzeit einen unvorstellbaren weltweiten Herdentrieb zu entfesseln vermögen, je nach Sieg oder Niederlage der einen oder andren konfektionierten Produktlinie.
Während wir im Westen, noch geruht wie vom eigenen Erfolg verwöhnt, die Welt ausschliesslich als unser aller eigener begrenzter Markt begreifen, den wir selber vormals sättigten, begehrt das asiatische Ansinnen, die unsrige Vorherrschaft umgehend zu brechen, hierfür soweit wie nötig uns schamlos zu kopieren, denn nichts beleidigt die asiatische Volksseele mehr, alsdass sie zwar wirtschaftlich aufholen, popkulturell trotzdem hinterherhinken.
Eine wirtschaftliche Dominanz ohne kulturelle stützt keine militärisch-politische; bloss ein Staatenbund, der kulturell den andren überlegen scheint, ist militärisch-politisch es ebenfalls. Obschon unsere «Kultur», weltgeschichtlich betrachtet, so erbärmlich wie kümmerlich ist, bleibt sie dennoch die Referenz aller Neider und Nachzügler, deren frühlingshafte Frische und Vitalität die im Westen ermattete und erstarrte Popkultur entweder vernichtet oder verjüngt.
Wir müssten nun also abermals beweisen, inwieweit anpassungsfähig und dehnbar der unsrige Popkulturbegriff ist; wir sollten demnach die noch jugendlichen, naiven und unbeholfenen Äusserungen der asiatischen Popkultur schnellstmöglich einverleiben, in die unsrige Formensprache assimilieren und sie somit entäussern.
Andernfalls überlebt unsere Monokultur diese ernsthafte Herausforderung kaum, sie würde sich zerstückeln in unzählige lokale Mutanten, die jeweils miteinander duellieren und niemals wieder die Wucht und das Sendungsbewusstsein einer globalisierten westlichen Monokultur erzeugen könnten, die unsere politisch-militärische Weltherrschaft sowohl legitimiert als auch konstituiert.
Wir zehren die SVP Zürichs aufs Sofa, unfreiwillig liegt sie nun hier, dessen gewohnt, sind doch gerade die kränksten oftmals die uneinsichtlichsten Patienten, wollen wir sie nun analysieren, die irren Träumen, die tagsüber die Massenmedien verschmutzen und feierabends die Bürger verunsichern, entschlüsseln, ja und ergründen, inwieweit funktionstüchtig und zurechnungsfähig die SVP überhaupt noch gilt.
Da unsere Kombinationsgabe mit jener Freuds kaum konkurrieren kann, verweisen wir öfters, ohne jeweils davor zu warnen, auf die seinige meisterliche, bislang beispiellose; begreift man nämlich die SVP als mehr oder weniger autonomes Wesen, desungeachtet, dass wir dies Wesen so bereits prinzipiell überbewerten, kann das Werkzeug allgemein anerkannter Psychoanalyse einige Geheimnisse der SVP entlocken.
Grundsätzlich spendet die SVP einer irreligiösen, weil fragmentierten postmodernen Gesellschaft bestimmte Religiosität, folglich sind wir vergewissert, dass die SVP keine gewöhnliche, sondern eine metaphysische Partei ist, so dominiert zweifelsohne das Motiv, einer chaotischen, hemmungslosen und instabilen Gesellschaft eine das messianisches Zeitalter ankündigende Lichtgestalt zu versprechen: eine grobkantige, volkstümliche Erlöserfigur, ein Märtyrer ohnegleichen, der in Dichtung und Wahrheit des Volks demselben selbstlos sich opfert
Dass Blocher dergestalt Erlöser imitiert einerseits, anderseits den vormals getöteten Gott ersetzt, indem die Anhänger selbiger Religion diese Erlöserfigur eines göttlichen Auftrags weihen, ist so unbestritten wie mehrheitsfähig, besonders eifrige, hauptsächlich journalistisch tätige Anhänger verstärken diesen Kult noch, da sie Blocher als unzeitgemässen, als unbeliebten und verhassten stilisieren; in Blochers Gestalt wird demnach sowohl die Sehnsucht nach Gott als auch nach einem echten, wahren und letzten Helden projiziert.
Gegenüber Andersdenkenden ist die SVP durchsetzt voller Eifersucht und Paranoia, weil sie dieselbe Liebe, die sie Blocher ohnehin zollt, von allen anderen erwarten, ausdrücklich gegenüber jenen, die solchen Befehlen nicht gehorchen. In der Terminologie Freuds veranschaulicht, vermischt hier sich eine konkurrierende, projizierende und wahnhafte Eifersucht, die gerade in den Träumen auftaucht; grundsätzlich sind Träume Orte, worin jene Inhalte erscheinen können, die im Wachsein nicht dürfen, sie widerspiegeln das Unterbewusstsein, und zwar umgekehrt.
Der Alptraum der SVP lautete, dass ein sogenannter «Geheimplan» Blocher absetzten und worauf schwerwiegende Kränkungen und Verwirrungen folgen könnte, solche, die mittlerweile sich bewahrheiteten wohlgemerkt. Nun, den besagten Traum übersetzt, so erschliessen wir, dass darin die offensichtliche Verlustangst gelagert ist, hiervon weiss die Sprache des Finanzmarkts übrigens das Dilemma mangelnder Risikostreuung zu berichten. Weil die SVP Blocher bedingungslose Liebe einräumte, schien die Paranoia und den Neid gegenüber denen erweckt, die diese Liebe nicht teilten, ja ihrer total sich entsagten.
So sind die böswilligen, infantilen Attacken begründet, mit denen die SVP die andren Parteien quittiert. Die Persönlichkeitsentwicklung der SVP harrt folglich im infantilen Stadium; der Vater wird fixiert, Verlustängste, offenbart in Träumen, sind systematisch «rationalisiert», und als jene Ängste endlich sich bestätigen, wurde die Neurose wiederum verschlimmert; sie hat ins Unterbewusste sich eingefressen, dermassen stark, dass sie kaum noch zu heilen wäre. Nun, da die Mehrheit Blochers Liebe sich verweigerte, nicht dieser Pseudoreligion sich anschloss, die alleinige Zukunft schwindelt, ist die SVP entsprechend gereizt und empört, zwar bloss infantil, aber weil sie die stärkste Partei hierzulande ist, sind derlei Störungen durchaus ernstzunehmen.
Wir meinen, dass das globalisierte Kapital den Nationalstaat längst entkernte und bloss noch als folkloristische Hülle schmückt, demgegenüber scheinen die Sorgen des Kapitals, auch des unsrigen, beinahe unbegründet, das nun fürchtet, die radikalere Abspaltung der SVP aus allen politischen Ämtern schade der Wirtschaft.
Bislang turtelte das schweizerische Kapital sorglos mit der SVP, der Schwindelrevolution einiger vermeintlich Erlauchten mit froher Botschaft, die Schweiz anders und besser modellieren zu können als alle vorherigen Missionaren, nun bricht diese, für die Wirtschaft langfristig äusserst nachteilige Allianz auseinander, daraufhin wird das Kapital wohl die finanzielle Unterstützung der SVP stoppen.
Das weltstädtische, durchwegs globalisierte und grenzenlose Kapital, das bloss Märkte und Gewinne anerkennt, glaubt rechtens sich eingeengt und vernachlässigt von aller guter Politik, da nun die SVP, angesichts einer baldig forcierten Oppositionspolitik, die jede Entwicklung bremst und jeden Fortschritt lähmt, die Rolle des untertänigen Liebesdiener des Kapitals opfert zugunsten einer, die wieder vermehrt den Bedürfnissen des «Volks» entspricht.
Einzig die urbane und weltstädtische FDP könnte die Wirtschaft besänftigen und gleichermassen beschwichtigen, dass nun sie, endlich wieder wohlgemerkt, die Interessen des Kapitals in der Politik vertrete, dies als Chance für die eigentlich schwer gebeutelte FDP zu begreifen heissen wir die Losung unsrer sicherlich historisch inspirierten Zeit; eine gestärkte und deutlich profilierter FDP nämlich könnte die einst feste Allianz zwischen der SVP und des Kapitals sprengen.
Wir, die wir Kulturpessimisten sind, appellieren folglich, die Wirtschaft möge etwaige Sorgen zerstreuen und fortan der FDP sich hinwenden, dort werde sie gelabt und gewiegt, glauben wir, dort werde sie verhätschelt und gefördert, dort kann das Kapital endlich sich entfalten und vermehren, und so darf die Affäre des Kapitals mit der SVP nachträglich als leidige Jugendsünde verharmlost werden, worüber wir fortan selbstverständlich schweigen.
Die Partei der Selbstquäler und Populisten, der Leistungsverweigerer und Bremser, kurz die SVP Zürichs, liebäugelt derzeit eine Initiative zu lancieren, die die Volkswahl des Bundesrats befürwortet, so will die SVP bloss die Niederlage bewältigen, desungeachtet, dass dadurch unsere Demokratie, leider ein notwendiges Übel, wiederum geschädigt wird.
Obendrein offenbaren solche gesinnungslose und niederträchtige Aktionen, dass die SVP nicht des Willens des Volks füglich handelt, sondern ausschliesslich den eigenen Machterhalt forciert, darin ähnelt die SVP scheinbar plötzlich den selbst ausgebrüteten Klagen gegen die herrschende politische Klasse, ist dementsprechend kaum moralisch geläuterter, unbefleckter als die andren.
Die geplante Initiative gedenkt die SVP nun populistisch zu instrumentalisieren, sie argumentiert hierbei, dass das Volk, immerhin die letzte Instanz unsrer Demokratie, selber entscheiden dürfe, wen sie in den Bundesrat wähle, bloss darf das Volk jetzt bereits sämtliche Abgeordneten einstellen und jederzeit Einspruch erheben, allerlei Möglichkeiten und Rechte also, die das Volk selten bis nie, hauptsächlich nur als Minderheit wahrnimmt.
Infolge einer Volkswahl des Bundesrats meinen wir die Spektakulärisierung und Personalisierung der Politik verschlimmert, so schwinden die letzten politischen Traditionen, dann endet gleichsam der Sonderfall Schweiz, der unsrige nämlich war, die Politik nicht als ein abgehalftertes Schauspiel einzelner Exponenten inszenieren zu lassen, ausländische Verhältnisse sollten uns eigentlich hiervon abschrecken.