Vegetarismus als Dekadenzerscheinung

Rousseaus Vermächtnis, der Zivilisationsverweigerer und Brandstifter, ist der innerhalb der westlichen Hemisphäre als blosse Dekadenzerscheinung spirituell-esoterisch irrender Vegetarismus, eine Gesinnung, die des Verzehrs eines beherrschten, unterworfenen und mittlerweile industriell gefertigten Tieres sich entsagt.

Infolge von Gott auserwählt, die Natur zu vergeistigen, mit unsrer Vernunft zu beseelen, gleichsam diese widerspenstige, nackte und wilde Natur zu zivilisieren, widerspricht militant-pubertärer Vegetarismus der faustischen Naturbeherrschung, das Prinzip der Technik und des Fortschritts zulasten der Natur, die als Übel beseitigt, mehr und mehr asphaltiert wird.

Naturgemäss ist der Mensch ein wildes, barbarisches Tier, dementsprechend ein Fleischesser, und zwar bis heute, der Glanz der Zivilisation blendet bloss, vermag alle die im Unterbewussten unterdrückten, gelegentlich rauschend entladenen tierischen Gelüsten kaum zu verbergen. Gottes Prüfung, den Menschen zu domestizieren, aufzuklären, ihn Gott also würdig zu erziehen, verpatzte der Mensch.

Als früher das Fleisch und Blut den Menschen noch ins Natürlich-Ursprüngliche verband, so den Menschen implizierte, sie teilten alle den gleichen, unermessbaren, natürlichen, bishin göttlichen Kreislauf, tut heute die künstlich produzierte und mittlerweile selbstständig sich reproduzierende Wirtschaft, die eine Virtualität konstruierte, welche die eigentlich Realität entthronte, dasselbe.

Fleischessen ist also ein Artefakt einer Gesellschaft, die mit dem Kosmos gleichermassen wie mit der Natur liiert war, ein Bekenntnis menschlicher Demut, menschlicher Grosse sozusagen, als Mitglied des Natürlichen sich zu positionieren. Doch gerade diese Geste scheint heutzutage überkommen, auch ist die Nahrungsmittelbeschaffung vollends entfremdet; mit Instinkt, Blut und Fleisch ist der momentane Konsum folglich kaum mehr zu assoziieren.

Deshalb, als Konterrevolution zur eisernen, kalten und weltstädtischen Moderne, wächst das Bedürfnis, anstelle entfremdetes Fleisch oberflächlich die Natur harmonisierende vegetarische Kost zu konsumieren, die offenbar verspricht, sie sei nachhaltig und ins Natürliche, in den Kreislauf der Natur gegliedert, und zwar ungeachtet dessen, dass vegetarische Kost mittlerweile genauso entfremdet und funktionell fabriziert wird.

So ist Vegetarismus bloss eine Dekadenzerscheinung; man ist des entfremdeten, modernen Fleischkonsums überdrüssig, man ersehnt regelrecht einen Naturzustand, den der Vegetarismus bislang erfolgreich halluziniert, als Illusion für ach so alternative und abgrenzungssüchtige Menschen simuliert.

Der Westen als Kulturexporteur

Die öffentliche Stimmung innerhalb der westlichen Hemisphäre scheint gedämpft, bishin pessimistisch; ausserhalb dieses westlichen Herrschaftsblocks hingegen aufstrebend, ja bishin optimistisch. Ursächlich, weshalb wir mit unsrem Schicksal zaudern, ist die unsere, wohl negative demografische Entwicklung; vom westlichen Lebensstil infizierte Weiber denn gebären schlichtweg seltener, sind weniger religiös und gemeinschaftsorientiert als welche, die gottesfürchtig noch den eigenen Boden beackern, als dumpfe und aller Weltgeschichte desinteressierte Bäuerinnen.

Kulturell sind wir, desungeachtet, dass die wirtschaftliche, letztendlich auch die militärisch-politische Potenz nach Osten abwandert, noch immer und wohl immer mehr die grossen Vorbilder. Weltweit kopieren Eliten den Lebensstil der unsrigen, weltweit, sofern eine Gesellschaft gewissen Wohlstand gemeinsam erarbeitete, wird die Mittelschicht zunehmend westlich-bürgerlich, also konsumorientiert, den westlichen Moden empfänglich. Bloss das neuerdings erstarkt sich wähnende Asien beabsichtigt, das westliche Kulturmonopol, welches die dortigen Bevölkerungen westlich «verdirbt», zu sprengen (siehe DER VERWERTER: «Das Ende der westlichen Monokultur»).

Eine Gesellschaft, die überschwemmt wird von kultureller Konfektion einer anderen, im politischen wie wirtschaftlichen Doktrin konkurrierenden, ist zu protestieren, zu revolutionieren versucht gegen die eignen Herrscher, da deren Impotenz und Inkompetenz, eine gleichwertige, jedoch lokal modulierte Konfektion zu fabrizieren, somit offenkundig, nicht mehr zu verschleiern sei. Der Westen exportiert, der Rest importiert «Kultur». Doch nachgerade der Import kultureller Konfektion beglaubigt, die eigene sei minderwertig, unterlegen, und dies kränkt zweifellos jede Volksseele.

Die Hassliebe, welche die Welt mit dem Westen verzahnt, ist eine volatile, sehr schwankende, und auch eine gegenseitige; denn der Westen hasst sich ja selber, wieso ist beinahe unergründlich, wohl, weil der Westen sich schämt, offensichtlich geniert, die Welt kulturell zu dominieren, ist er doch moralisch vorbelastet, vorbestraft wegen des Imperialismus, dessen Folgen bis heute, sowohl moralisch aber auch wirtschaftlich, besonders südlich der Sahara narben, das schlechte Gewissen kollektiv und generationsübergreifend reproduzieren. Demnach scheint der Westen aller Macht, die Welt zu regieren, überdrüssig, bishin ermüdet und beinahe überfordert ob dergestalt Bürde und Mission.

Wahlempfehlung zur Volksinitiative «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten»

In Bälde ist das schweizerische Volk zu wählen genötigt. Eine Volksinitiative bedrängt die ohnehin kriselnde und geschwächte Armee, zukünftig Trainingsflüge über touristisch genutzte Regionen zu unterlassen, zum Wohle der sensibel auf Luftlärm reagierenden Touristen, denen man eine idyllische, sinnigerweise ruhige und harmonische Schweiz verkauft.

Die im Militär sozialisierten, nicht gerade wenige, gewiss aber mehrheitlich älteren Herren, stramme und ob Vaterlandspflicht geläuterte, sind jetzt bereits dieser Initiative zu unterstellen bemüht, sie gefährde die Sicherheit des schweizerischen Luftraums einerseits und beschleunige unsere Luftwaffe schleichend einzumotten anderseits.

Obschon, soviel ahnen bloss die obersten Militärs, die unsere Armee im Besonderen, die unsere Luftwaffe im Speziellen kaum mehr das Land verteidigen mögen, schlicht wohl wegen Überforderung, einfach gewiss wegen mangelnder Kampfmoral und Feind, ist der Eifer der vermeintlichen Hüter schweizerischen Wehrwillens gross und beeindruckend.

Die geopolitische Situation scheint verändert. Als früher der Feind noch mit Massenheeren anrollte, ist heute Krieg und Frieden kaum mehr zu trennen; dementsprechend operieren bloss kleine, aber hochmobile Einheiten, ausstaffiert mit modernsten Waffen, ohne moralischen Bedenken und schlechtem Gewissen.

Solche Truppen sind internationalen Verbänden organisiert; morden und massakrieren feindlich gesinnte Menschen ohne Reue und unterstehen keinerlei öffentlichen, sensationshaschenden Aufsicht, solange eine zunehmend pazifistische Gesellschaft die eigenen Soldaten als Menschenrechtsverbrecher anschwärzt.

Statt über Kleinlichkeiten zu debattieren, inwieweit der Luftwaffe Raum zu verknappen sei, sollte das militärische Doktrin der Schweiz endlich den weltpolitischen Realitäten wie Forderungen angepasst werden; bishin, dass der präventive Angriffskrieg, die im Irak hinlänglich bewährte Strategie der USA, auch hierzulande rehabilitiert wird.

Wir raten deshalb allen Unentschlossenen, die Stimme zu enthalten, weil die gegenwärtige Diskussion eine Scheindiskussion sei, die bloss an der Oberfläche kratze und kaum die schweizerische Armee endlich umstrukturiere.

Spontane Unheilsprophetie

Das Ende der Menschheit ist die Selbstzerstörung; die Welt kolonisiert, der in Jahrmillionen angewachsene Naturschatz geplündert, die vormals mächtigen und selbstbewussten Tiere in Reservate erniedrigt, die gottesfürchtige Religiosität verlottert und der Mensch endlich selber zum Sklave seiner künstlichen Schöpfung.

Das letzte Korrektiv der menschlichen Sünde, der Regenwald Südamerikas, das die von menschlichen Weltstädten verpestete und vergiftete Atmosphäre reinigte, scheint zunehmend wegen kurzfristigen, bloss in monetären Kategorien motivierten Interessen gerodet. Die Kraft und Stärke protzende und vermeintlich industrialisierte wie zivilisierte Nationen derweil befehden einander handgreiflich, verbal oder wirtschaftlich um die letzten Ressourcen.

Der von Menschen, aber nicht für Menschen errichtete Steinkoloss Weltstadt, worin Menschen zweckmässig gezüchtet und genormt worden sind und noch immer werden, verschlingt das umliegende Land, den dumpfen, mit Natur in verhältnismässiger Eintracht lebenden Bauer, erschüttert den im Land erblühten Katholizismus und zerstört endlich das Sozial-Gemeinschaftliche.

Die christliche Ehe ist verspottet, die Wohlstand und Nachwuchs reproduzierende Kleinfamilie verschmäht, das Soziale als realitätsferne Sozialromantik abgefertigt, die Solidarität als zu teuer verkalkuliert und der Leistungsdruck als von Gott gewollt verklärt. Die unverheirateten Menschen sind isoliert, als Konsumgruppe «Singles» umworben, als Egoisten überschätzt und als Karrieristen gelobt.

Smith sei Dank

Ohne gross Aufmerksamkeit zu erregen, passiert in Asien grossartiges. Während sich in Europa Christen über Muslime lächerlich machen (österreich) und sich in Amerika die Elephanten und Esel auf den Kampf vorbereiten, gibt man sich in Asien die Hand und bereitet den Weg zu einer Zeit der friedlichen Hegemonie und Dominanz der Welt.

Angefangen mit dem Nichtbesuch des japanischen Premiers Fukuda des Yakusuni-Schreines und den daruffolgenden Annäherungen Chinas, des Besuches des indischen Premiers in China, begleitet von freundlichen Gesten beiderseits, und der wahrscheinlichen Wahl der festlandfreunlicheren Kuomintang-Partei in Taiwan zeichnet sich eine Befriedung der zwischenstaatlichen Beziehungen rund um China ab.

Dies ist vor allem auf China zurückzuführen: China hat des marktwirtschaftliche Modell implementiert, der Handel und die damit verbundene gegenseitige Abhängikeit führen zu einer friedlichen Koexistenz und Prosperität.

Während man in Europa sozialistischen Träumereien nachhängt und die Errungenschaften unserer Kultur schlechtredet, da man die Alternativen nie erlebt hat, fallen diese in Asien in offene Hände und werden glücklich begrüsst und umgesetzt, sobald der Staat seine Bürger nicht mehr daran hindert.

Irrtum Gleichberechtigung

Mehrheitlich beschlossen ist, Mann und Weib seien gleichberechtigt, gleichberechtigt im Sinne, dass beide versklavt, ausgebeutet und verdinglicht werden dürfen. Als das Weib noch den Kosmos behütete, Mutter des Lebens war, so das menschliche Geschlecht erneuerte, den darbenden Nachwuchs säugte, war der Mann ganz Mann, Herrscher und Verwalter der Welt, der Kämpfer und Versorger.

Naturgemäss ist das Weib widerspenstig, wild, teuflisch verseucht wegen der Erbsünde; des Weibes Schuld ist ja, dass wir allesamt hier, wo wir zugleich Gott ermordeten, die unsere, über Generation hinweg vererbte Schuld büssen. Erst die christliche Ehe reinigte das Weib; ein wildes, eben unverheiratetes und somit unheiliges Weib ist nämlich des Teufels, bedroht unsere, leider gewiss nicht mehr so fromme Christenheit.

Seit Weiber ungezügelt und ohne männliche Aufsicht den göttlichsten Gesetzten des Lebens sich bemächtigten, war zeitgleich der Untergang und Zusammenbruch einer jeden zivilisatorischen Gesellschaft besiegelt; beispielsweise als das zivilisatorische Rom die Ehe lockerte, wodurch die Scheidungsrate erhöht und ebenfalls die sozialer Dekadenz verschlimmert galt, schien das römische Reich nicht mehr zu retten, wohl, weil die nunmehr widerspenstigen, vergnügungssüchtigen und allen Moden anheimgefallenen Weiber ausserstande waren, das römische Geschlecht zu verjüngen.

Hierzulande bedroht besonders das durch und durch trainiert weltstädtische Weib den sozialen Frieden, das ausschliesslich unkeusch des Feierabends tanzt, in Grossraumbüros versiecht und der gesellschaftlichen Pflicht sich entsagt, der ehrenvollen weissen Rasse Zukunft und Perspektive zu sichern. Dergestalt Gattung Weib, das bloss eigennützig konsumiert und somit begrenzte Ressourcen vergeudet, ist umgehend das ordentliche Stimmrecht zu enthalten.

Der Verdienst der alleinseligmachenden Wirtschaftsrevolution war, dass das Weib genauso wie der Mann eingespannt ins Wirtschaftlich-Künstliche werden solle; ja man bedachte plötzlich, dass die allesamt am Herd anscheinend geknechteten Weiber potenzielle Arbeitswaren seien, die man bloss zu verführen und zu versuchen hätte, eben gekoppelt ans leider mittlerweile mehrheitsfähige Frauenstimmrecht, endlich dem die Menschheit verwaltenden System bedingungslos sich preiszugeben.

Mehr Markt, mehr Schicksal

Gegenwärtig sind Anleger, sowohl private wie institutionelle, weltweit erregt, ganz verängstigt und berauscht ob der Krise, die als einsteigende, gewiss aber unvermeidliche sich gebärdet, allenfalls als solche von den gleichermassen überrascht und entsetzt sich gerierenden Kommentatoren unsrer scheinbar göttlich geweihten Wirtschaftsblätter. Und erneut, als bedrohend rumort der Markt, dessen Selbstheilungskräften üblicherweise einstimmig beschwört werden, betteln alle sonst ach so abenteuerlichen und Eigenverantwortung predigenden Marktgläubigen, eine staatliche Institution solle retten, was längst verloren ist.

Einmal mehr wird also die Notenbank der USA bedrängt, deren Auftrag in Friedens- wie in Kriegszeiten sei, den Fluss des Kapitals bloss geringfügig, bestimmt aber weise und nachhaltig zu kanalisieren: Die verängstigten Anleger, obendrein die umso mehr besorgten Politiker, sind doch Anleger gleichzeitig Wähler, allesamt Fraktionen, die während der Hausse die Gewinne zu privatisieren, während der Baisse hingegen die Verluste zu verstaatlichen wünschen, wimmern, heulen und flehen nun, der Staat, der normalerweise so geschmähten und verspottete, insbesondere die Notenbank, solle die Wirtschaft stimulieren; ganz Keynesianismus, ein Modell, das oft bereits überwunden geglaubt war.

Der Markt wird oftmals als «Naturzustand» idealisiert, ein naturalistischer also, wo die Gesetze des Dschungels und des natürlichen Anpassungsdrucks das Überleben einer Art, einer Unternehmung ins Wirtschaftliche übersetzt, richten. So scheint plausibel, dass die Natur gelegentlich unfähige Arten, die der geforderten Leistung sich entsagen, ausrottet; hiervon redet man vorzugsweise von Selbstreinigung, einer reinigenden Kraft also, die das Überflüssige und Unbrauchbare tilgt. Endlich angewandt im Wirtschaftlichen, müsste nun die Regel lauten, dass der Staat nicht den «natürlichen» Kampf im Markt stören und behindern dürfte; folglich sollte er weder für die eine noch für andere Partei plädieren, vielmehr müsste er neutral sein, gar nicht intervenieren.

Falls das Schicksal verheisst, dass das kapitalistische System scheitern müsse, dann ist das unsrige, diesen Untergang nicht zu bremsen, sondern nachgerade zu beschleunigen, indem sämtlichen staatlichen Akteuren strengstens verboten sei, den Markt zu verfälschen, dessen naturgemässe Reinheit zu vergiften. Bloss ein reiner, sich selbst erhaltender Markt, der, gleich der Natur, unbändig, ungezähmt und wild sei, ist ein wahrer und echter, ein vollends radikaler und gewiss auch künstlich radikalisierter. Gerade wir, die immerzu den Markt verherrlichen, sollten nun endlich genügend Hoffnung und Vertrauen demselben Markt zollen, sich selber zu verwalten und zu kontrollieren. So sind wir wiederum, was wir längst waren und bleiben: Statisten des Marktes.

Die Unmöglichkeit jeder Opposition

Freilich ist anzuerkennen, dass das unsere System auch die Negation desselben produziert, so ist letztendlich selbst die Opposition bestens integriert. Hierbei erinnere man zuerst die unzähligen «Künstler», die grossspurig das System blockieren, gleichzeitig jedoch vom selben gesäugt, genährt und fortlaufend beschleunigt werden.

So ist unausweichlich zu schlussfolgern, dass das momentane System kein Innen und Draussen mehr duldet, wohl gerade, weil die künstliche, da simulierte Abgrenzung eben bloss mittels Mechanismen und Werkzeugen des Systems ermöglicht ist.

Demzufolge ist man regelrecht gefangen; auszubrechen, wohin auch immer beliebt, ist vollends ausgeschlossen, da keinerlei irdische Räume zu entdecken sind, die jenseits und ausserhalb unsrer gänzlich von unsrem System verschimmelten Welt liegen, ausgenommen jener exterritoriale, für den menschlichen Verstand kaum ermessbare Punkt, wo wohl entweder ein weltscheuer Gott oder ein gefrässiges Schwarzes Loch residiert.

Dorthin zu reisen, wo man also das unendlich Leid und Kälte reproduzierende System zu erledigen hofft, ist das uneinlösbare Versprechen, welches lokal und zeitgemäss angewandt, Scharen gläubiger, gewiss aber enttäuschter Menschen anstachelt, in fernen wilden Ländern, die weder kolonisiert noch kommerzialisiert sind, den ersehnten paradiesischen Naturzustand zu restaurieren.

Man mag sich scheiden, ob sämtliche Anstrengungen, die eine andere Ordnung beabsichtigen oder ansatzweise bezwecken, konsequent zu verurteilen oder zu loben sind. Letztlich schliesst man überein, dass solche Anstrengungen niemals fruchten, wohl nicht können, weil eben das System die Mittel des Protestes und des Wandels selber herstellt, dadurch verfälscht, verfremdet, bis zur Unkenntlichkeit entstellt, zuweilen gar instrumentalisiert.

Man ist folglich gedemütigt und zugleich genötigt, den Zustand, der sich als beispielloser gebietet, bedingungslos zu akzeptieren, ja sowieso zu kapitulieren, dergestalt nun, als Hoffnungen, bald möge eine bessere und gerechtere Welt erwachen, endgültig ins Jenseits verrückt, nach Gott gerichtet oder an Mammon adressiert sind. Diese bewusst empfundene Finalität echter Entwicklung, während bloss oberflächlicher Fortschritt «Innovation» prahlt, ist zu bemitleiden als Zeugnis allgemeiner Ermüdung und Erschöpfung, Überdruss des jetzigen, totalitär schaltenden Systems.

Selbst das ehemals stolze und sendungsbewusste Bürgertum koaliert angesichts der als starr und aller Bewegung unfähig empfundenen politischen Realität so demütig wie sämtlichen Perspektiven beraubt mit der Schwindelrevolution der hiesigen SVP, die letzte Partei hierzulande, die leicht zugänglich den Wandel und die Erneuerung verkündet, derweil die andren im System eingesperrt und ermattet scheinen.

Wenngleich die SVP kaum die Politik revolutionieren wird, ist sie doch im selben System kastriert, vermarktet sie sich erfolgreich als die und die einzige wahre Partei des Fortschritts, deren Parolen präventiv vereinfacht auf eingängige Kernthesen sind. Man ist wohlan zu sticheln verführt, die SVP operiere bloss als teuflische Versuchung zugunsten einer Form ohne Inhalt.

Bis das durchaus weltliche hiesige Bürgertum des Revolutionrausches ernüchtert; allmählich Vernunft heranreift und der Nebel einer permanenten und redundanten SVP-Propaganda sich lichtet, muss die SVP zuerst scheitern; mit dem System kollaborieren und konsterniert beichten, auch sie, die sonst so schlagkräftige und motivierte SVP-Schaumschlägertruppe, vermöge das unsere, längst zubetonierte und beängstigend mechanisierte System kaum zu ändern.

Die Botschaft dieses gewohnt wie ungewohnt ausschweifenden Artikels ist kurz und knapp: niemand, der teilnimmt unsrem Spektakel, überhaupt gar niemand kann das aktuelle System radikal, militant oder revolutionär umfunktionieren; wir sind stattdessen eingemauert, hinlänglich entmündigt von einem nahezu verselbständigten System, dessen Kontrolle wir uns versagen.

Bloss kleine Transformationen, evolutionäre Variierungen und Anpassungen, derart scheinbar unbedeutende, dass wir deren Einsatz kaum registrieren, sind möglich, sind also Möglichkeiten, das System von Innen auszuhöhlen. Doch gemahnt sei allen, die durch die Institutionen zu marschieren gedenken, dass dieselben Institutionen einen letztlich wiederum korrumpieren, manipulieren.

Die Weltgeschichte als Erziehungsanstalt

Weltgeschichte sei immer Weltgericht, meinen wir mit Spengler. Doch Weltgeschichte ist vielmehr als das letzte Gericht, das zumeist tragisch und wider den menschlichen Bedürfnissen urteilt. Weltgeschichte ist nämlich auch eine Erziehung im allgemeinen, die Erziehungsanstalt für die Menschen im besonderen Sinn.

Durch den Sündenfall ins Irdische verdammt, verlautbart das Los aller Menschen folglich, sich zu bewähren, Gott zu beweisen; dass sie sowohl rechtens philosophischen können über Gut und Böse als auch würdig seien, den über Menschen hinlänglich enttäuschten Gott wieder im Paradies zu loben. Diese Anstalt, worin die Menschheit eingesperrt ist, ist wir dementsprechend ebenfalls Weltgeschichte.

Unzählige «Bewährungsproben» prüfen, ob wir genügend würdig und moralisch gereift scheinen, endlich die Allweltherrschaft und Gottes Erbe beanspruchen zu dürfen. Doch wie die Weltgeschichte eben belehrt, war sie bislang bloss eine Aufeinanderfolge tragischer Momente; wir irrten und suchten, solange schon, so experimentierten wir mit komisch-unnatürlichen Gesellschaftsspielen, wie wir uns mitsamt Weib und Kind schlachteten.

Jedes Buch der Geschichte ist tragisch, deprimierend und ernüchternd. Den Eindruck, wir seien nicht gescheitert, sind wir dennoch zu erwehren geneigt, trotz den unzähligen Widerreden, trotz den Zeitzeugen beinahe vergessener Schreckenstaten. Weil wir Gott ermordeten, wuchsen wir ohne Erziehung und Fürsorge auf, demzufolge mussten wir uns selber erziehen. Das Ereignis hiervon ist jedoch mehr jämmerlich denn kümmerlich.

Müsste die Menschheit so gehandhabt werden, wie wir störende Jugendliche behandeln, hatte man uns längst in einer Erziehungsanstalt für Unerziehbare interniert. Bloss wacht keine übermenschliche Instanz mehr, ob wir anständig und gesittet uns gerieren, deren Macht nötigenfalls uns züchtige und bessere. So geistern wir wohl noch Jahrzehnte durch die Erziehungsanstalt, welche wir «Freiheit» heissen, und werden beizeiten noch ausreichend Blut vergiessen.

Eine Niederlage fürs Spektakel

Dass der Protest gegen die «beste Party» (Stöhlker) alljährlich schrumpft, ist zu bedauern, weil somit eine Opposition verstummt, deren Sinn ausschliesslich bezweckte, dergestalt «Demokratie» zu simulieren, wofür wir uns demokratisch wähnen durften.

Das Spektakel scheint geschädigt, falls alle bloss noch kopfnicken, niemand mehr, wenngleich bloss inszeniert und eben simuliert, widerspricht. Das Spektakel belehrt denn auch, dass eine fundamentale Opposition vonnöten ist, damit der Anschein der Demokratie und der Kontroverse gerecht und plausibel wirkt, so ungefähr und im selben Sinn, wie Blocher die Rolle des widerspenstigen Hofnarrs kleidet.

Selbst die im rechten Abgrund gefallenen Exponenten reklamieren Meinungsfreiheit; wodurch nachgerade sie das Spektakel anfeuern. Seien wir ehrlich: ohne jene lausigen und lästigen Parteien, die unermüdlich opponieren und obstruktieren, wäre die Realpolitik vielfach langweiliger und biederer. Dasselbe Aufmerksamkeitsprinzip gilt für die notorischen Verweigerer jedweder Globalisierung.

Die alljährlichen globalisierungskritischen Krawallen trösteten und besänftigen gewissermassen, insofern sie zwecks Projektion eines latenten Unbehagens mit der Postmoderne taugten und gleichzeitig sich verdienten, einen neuen Feind im Innern zu lokalisieren: den ungewaschenen, von Wohlstand verdrossenen Flegel, entflohen eines wohl guten Hauses.

Die Welt schien folglich stabil, ausgeglichen und heil, als bärtige Globalisierungsbanausen noch protestieren und randalieren durften, massive Sachbeschädigung inbegriffen, die die Empörung aller Gesitteten provozierte. So, als Familien des Abends erwartungsvollst am Fernseher die Krawallen beobachteten, fürdass sie daraufhin berechtigterweise schimpfen durften, war denn auch die Unterhaltung, der Spassfaktor des umstrittenen Spektakels gewährleistet.

Doch mittlerweile döst selbst das Spektakel; bedauerlich und wohl darum, weil die Opposition ebenfalls erschlaffte. Wie können wir denn nunmehr die gelangweilten Bürger amüsieren, mangeln ja gerade jetzt sinnlose, im Absurden verhaspelnde virtuelle Proteste, die vormals schön polarisierten. Man müsste endlich wieder einmal Politik, Spektakel und Unterhaltung anhand nachweisbaren Quoten messen, so das Spektakel radikal und unverblümt darbieten, dass die dumpfen Massen verköstigt sind.

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