Obschon Medienkritik mit Ernst Jünger anderswo eigentlich dringlicher sei als hier, möchten wir, allen Widerreden trotz, die unablässig brüllen, Ernst Jünger sei nationalsozialistisch gesinnt gewesen, unsren ehrwürdigen Sturmtruppführer zitieren; diesmal im Zusammenhang mit der Sprache, die Medien vereinheitlichen bis vereinfachen. Ernst Jünger, Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt:
[...] Das Lesen ist nicht mehr mit dem Begriff der Musse in Einklang zu bringen; es tritt vielmehr mit den Kennzeichen des speziellen Arbeitscharakters auf. Dies wird dort deutlich, wo man Gelegenheit hat, den Leser zu beobachten, also vor allem in den Verkehrsmitteln, in deren reiner Benutzung sich bereits ein Arbeitsakt vollzieht. Man wird bei dieser Beobachtung eine zugleich wache und instinktive Atmosphäre feststellen, der ein Nachrichtendienst von höchster Präzision und Geschwindigkeit angemessen ist.
Hinsichtlich der Ausrede, man sei gestresst, bedarf daher knapper und prägnanter Informationen, welche die Fülle verdichten dergestalt, dass man sie nebenbei konsumieren kann, ist der Fortschritt gutzuheissen, den Medien pünktlich servieren. Und falls die totale Arbeitsdiktatur siege, wie hier mehrmals ersehnt, weil dadurch der Unsicherheitsfaktor Mensch erübrigt, kann solcher Fortschritt bloss recht sein; wir sollten denn auch keine Zeit vergeuden.
Dürfen wir also noch jammern, noch Poesie wünschen? Ja, dürfen wir, und tun wir auch: in unzähligen Reservaten nämlich, wo die «Kultur» den Vorwurf beschwichtigt, sie koste bloss und sei unproduktiv, nicht der Arbeitsdiktatur angemessen; dort also, wo Kultur vermeintlich noch gedeihe, dürfen wir unsere Sehnsucht ausschütten. Abgezäunt, vollends ummauert von einer Leistungsgesellschaft, fürchtet die faule Kultur ums Überleben; der Gegner scheint denn übermächtig.
Sie ist nunmehr eine Parallelgesellschaft, deren Nährboden der arbeitenden Mehrheit Milde ist, jene bemerkenswerte Gabe, sich vorzutäuschen, man sei als Arbeitsdiktatur noch gesittet und kultiviert, falls man die «Kultur» abseits subventioniere. Dorthin rinnt die überflüssige Sprache also, welche veranschaulicht, wie die Dinge an sich scheinen oder vielmehr schienen. Denn weil die Alltagssprache bloss noch Nützlichkeit lehrt, ist der Wortschatz geschrumpft dergestalt, dass ausschliesslich das Notwendigste kommuniziert werden kann. Das vormals Vielschichtig-Verschlungene des menschlichen Seins ist heutzutage gestreckt aufs Nützlich-Wesentliche.
Der Sieg dieser Nützlichkeit bescheinigen Medien, welche täglich drucken, was geschah, aber selten kommentieren, wieso etwas geschah. Diese Sprache ist tatsächlich aufs Notwendigste reduziert; die Verben wiederholt, die Sätze zerstückelt, die Aussagen an abstrakten Objekten geklammert, deren Handgreiflichkeit zweifelhaft ist. Kaum Pausen, die zu besinnen ermuntern sollen, unterbrechen diesen unaufhörlichen Fluss; man lebt ja in Gewissheit stetiger Verknappung, so scheint selbst Geist knapp.
Ebensowenig wundert nun, dass Journalisten das Nützliche als das Ästhetische erachten; so ist bloss die nützliche Sprache die ästhetische. Der Text als Kunstwerk hingegen schwindet, wird bestenfalls ins Museum gelagert; dort aber erstarrt und vergessen, unwiderruflich verloren. Bloss Schüler der Reservate, die Kunst und Kultur studieren, weil die Eltern anderswo diesen müssigen Nachwuchs nicht einzusperren wüssten, begutachten, so der Lehrer will, den künstlerischen Text vergangener Jahrhunderten.
Doch dieser Verlust menschlicher Mannigfaltigkeit ist ein Gewinn wirtschaftlicher Effizienz. Kaum Effizienz steigern würde denn, falls Finanzreporte lyrisch gesungen werden müssten; jedermann wäre sogleich überfordert, verdrossen, diesen Schund, der kaum facts liefert, zu lesen; allgemeine Empörung wäre die Folge. Die Sprache, aufs Notwendigste geschlagen, beschleunigt Kommunikation, sodann auch den Arbeitsprozess, und dies ist das Gebot der Stunde; besonders hinsichtlich einer stets komplizierteren Wirtschaftswelt.
Hinweis für regelmässige Leser: Eine weitere Polemik für die totale Arbeitsdiktatur anlässlich einer Sonntagspredigt eines Stadtrats.
Die gestrige Sonntagspredigt Gerold Laubers anlässlich einer Diplomfeier entzückte. Die Vorstellung, dass ein Politiker, der sich ums Wohl der Ökonomie sorge, unablässig Effizienz und Leistungssteigerung fordere von arbeitsscheuen Lohnabhängigen, war eine nahezu biblische. Doch sie verriet auch, dass die Dekadenz den bedingungslosen Leistungswillen einer zerfahrenen Zivilisation zu schmälern vermochte.
Womit Lauber bedingungslose Leistungssteigerung denn rechtfertigte, waren allein statistische Grössen, allen voran die beeindruckende demographische, welche die Ermüdung und Unfruchtbarkeit einer gealterten Zivilisation als «Chance» und «Herausforderung» deutete. Aber auch der sogenannte «Strukturwandel», will heissen, dass der Markt spuke dergestalt, dass niemand ihn bändigen mag, verursache und folgere lebenslängliches Lernen.
Der Wille Laubers, als Agent der Arbeitsdiktatur zu wirken, war spürbar und explizit. Kraft seiner tadellos akzentuierten und temperierten und artikulierten Rede verzaubert er dies merklich-merkwürdig hörige Publikum, das gerade eine Schule absolvierte, die ganz der bürokratisch-technokratischen Privatwirtschaft untertan scheint. Kaum Zwischenrufe, kaum Widerspruch; die Arbeitsdiktatur triumphiert.
Diese Chance, des Risikofaktors Mensch sich zu entledigen, begreifen allein weise Staatsmänner, die in Privatwirtschaft zuvor verdarben-vollendeten. Hieran sollen wir tüfteln: die Menschmaschine zu vervollkommnen. Ansonsten schröpfen die Hungrigen der Welt unsren edel erkämpften Wohlstand. Demokratie ist Verhandlungssache, unabdingbar ist aber Leistungsbereitschaft, die nie erschlaffe.
Lauber, ein Mann der Tat, weiss Rat; seine Volksschulen sind bereits als betriebswirtschaftliche Unternehmen rationalisiert worden, wo der Nachwuchs, den letzten, den wir aufgrund Unfruchtbarkeit und Hedonismus noch zu produzieren vermögen, ganz ebenso betriebswirtschaftlich erzogen und unterrichtet werde; umso früher sind also die Kinder akklimatisiert wie konditioniert der rauen Wirtschaft, wo allein der Wettbewerb siege.
Die totale Arbeitsdiktatur, die auch wir ersehnen, naht; jetzt müssten wir bloss noch Menschenrechte und Demokratie abschaffen, sodann wäre die wirtschaftsfeindliche Reaktion endlich eliminiert, welche die totale Entfaltung der Arbeit behindert. Denn technokratische Arbeitsdiktatur ist Hoffnung und Schicksal zugleich, unausweichlich für eine verdorrende Zivilisation.
Hinweis für regelmässige Leser: Zusammenhanglose Fragmente in einen grösseren Zusammenhang gerückt; pessimistisch-optimistisch, inspiriert von Ernst Jünger, Freud, Heidegger und Adorno.
Der grösste Irrtum des Liberalismus ist der des autonomen Subjekts: des sogenannten Wirtschaftssubjekt, dessen Freiheit erlischt im Moment, als es sich in Lohnabhängigkeit bequemt. Daher sind Aufklärung und Humanismus und Demokratie obsolet, weil alle sie aufs eine Subjekt sich berufen: nämlich aufs mündige, nunmehr aber niedergetrampelte und geschichtlich überholte Individuum.
So ist allein die radikal-wirtschaftliche Technokratie Hoffnung, den Menschen zu verwalten, dessen Individualität konserviert ist nur, weil man in den nun sich offenbarenden Abgrund zu blicken sich fürchtet. Die grossen Visionären Huxley und Orwell erkannten diese Tendenz; sie prognostizierten denn auch eine totale Technokratie: eine verwaltete Arbeitsdiktatur, ähnlich der unsrigen.
Doch zuvor musste Sigismund den Menschen kränken hiermit, indem er dessen Illusion entzauberte, er sei Herr im eigenen Ich. Technokratie denn bedingt diese Entdeckung; seither ist der Mensch entschlüsselt, weil aufs Notwendigste reduziert: Not heisse zu essen, vergnüglich zu kopulieren und zu schlafen. Man mag zwar relativieren, ob der Wohlstand nicht weitere Bedürfnisse, sprich Neurosen züchte, doch letztlich sind die elementaren Bedürfnisse auch die elementarsten.
So ist unsere technokratische Wirtschaft zu loben, deren Totalität, obgleich bereits des Körpers bemächtigt, bis ins Seelische dringt; schliesslich den Menschen vereinfacht in zeit- und geschichtsloser Lohnabhängigkeit, wovon der Markt gespielter Nachfrage sich leibt, dessen Funktionalität vermittelst der Werbung etwelche Absichtserklärungen simuliert, ob zu kaufen oder zu verkaufen man inspiriert sei.
Wie die Geburt, so ist auch das Leben innerhalb dieser technokratischen Arbeitsdiktatur geregelt; nichts scheint zufällig oder unberechenbar, und falls doch ausnahmsweise unberechenbare Faktoren stören, sucht, forscht und fahndet man, um diese daraufhin zu rationalisieren, eilends ins kausale System des Marktes zu zwängen, worin sie dann triumphieren als Symbole der technokratischen Potenz.
Die Distanz zwischen Ernst Jüngers Vision im Werk Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt und der technokratischen Wirklichkeit unsrer im totalen Arbeitsprozess arrivierten Gegenwart scheint geschrumpft, endlich vereint im Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Leistungsbereitschaft. Der tendenziell technokratische Kommunismus im Osten oblag zwar, doch die totale Technokratie siegte im Westen, bevor sie aber vom kapitalistischen Kommunismus Chinas übertroffen wird; die symbolische wie tatsächliche Rache des vermeintlich Bezwungenen.
Daher ist unsere Hoffnung allein die totale Technokratie, wie zuvor schon hier bemerkt. Das Prinzip der Leistung sollte nötigenfalls mittels Gewalt also allen überantwortet werden, ausnahmslos, weil Technokratie und Macht gemeinsam ausnahmslos sind, bloss das rigide Alles oder Nichts achten; technokratische Macht duldet denn keinen Kompromiss.
Dies, diese hoffentlich alsbald vollendete Technokratie ist keine Apokalypse, sondern Fortschritt, welcher die Produktivität unendlich zu steigern vermag; dies ist denn eine Vergeistigung der wirtschaftlichen Bewegung, eine Philosophie des radikalen Markts, jenseits von Liberalismus-Light und Kapitalismuskritik; ein Bekenntnis der Zuversicht, der Hoffnung.
Hinweis für regelmässige Leser: Wiederkehrende Gedanken, Fragmente, siehe «Ähnliche Beiträge»; so eigentlich wenig Neues, bloss anders ausgedeutscht.
Die allgemeine Unschuldsvermutung ist auch dem Menschen gebilligt, sooft er auch ramponiere den Planeten, dessen Unversehrtheit stündlich schrumpft. Denn obwohl der Mensch Atome spaltet, fingiert er Unschuld nur, sodass von aller Verantwortung entbunden.
Folglich verrät die Absicht, von Kernkraft sich zu trennen, bloss das Bedürfnis, den unschuldigen Naturzustand zu restaurieren, dessen Verantwortungslosigkeit man geradezu ersehnt. Denn wohl mag sein, dass die Verantwortung, welche eine Zivilisation solcher Grösse und solcher Prüfung schultern müsste, die unsrige überfordere.
Wohl, weil wir damals vermutlich nicht ahnten, als die Naturbeherrschung endlich radikalisiert im Elementarstem, welche Konsequenzen folgen mögen, so könnte man diesen Wagemut noch als jugendliche Naivität verharmlosen. Doch unsere Zivilisation wäre, rein rechnerisch, längst erwachsen, weil dem Infantilem entwachsen; daher bedarf sie entsprechender Verantwortung und Luzidität der Selbsterhaltung wegen und vor allem willen.
Aber die allgemeine Bequemlichkeit, bloss in kurzfristigen Kategorien weniger zu denken als vielmehr zu handeln, gebietet, diese beispiellose Verantwortung, welche über die unsere Zukunft richten wird, kurzerhand zu delegieren ins Nirgendwo und Irgendwann; daher ist die Grünpartei nicht nachhaltig, trotz des Slogans, man gemahnt den Kindern der Zukunft, weil letztlich grundsätzlicher zivilisatorischer Nachhaltigkeit sich widerstrebend.
Naturbeherrschung ist ein Programm, das kein Zurück duldet, sondern bloss eine etwaige Aussöhnung oder eine einseitige Radikalisierung. Hier mag allein die Technik schlichten, wo dem Menschen die ungeheure Verantwortung zu meistern misslingt. So sind wir geradezu verdammt, die Kernkraft zu intensivieren, weil die Alternative bloss Zivilisationsverneinung ist, welche den Menschen entmündigt, die Technik verantwortungsvollst nutzen zu können.
So vergewissert das Kernkraftwerk, dass wir zwar die Natur bändigen, letztlich aber genauso Natur sind, weil genauso involviert, integriert und immer noch, trotz etlichen Bemühungen und Anstrengungen und Fortschritten, die im faustisch-westlichen Geiste stammen, ihrer abhängig, endlich ihr gewissermassen schutzlos ausgesetzt; es ist die grosse und alleinige Motivation aller Zivilisation, der brutalen Natur sich zu erwehren, indem sie zu ergründen, indem sie zu zivilisieren.
Dass der Humanismus ein Hindernis ist, das bloss die totale Verwirklichung verzögert unsrer Arbeitsdiktatur unzähliger Lohnabhängigen, worin allein die Funktionalität den Wert einer Einheit misst, ist uns, desto länger wir hierüber sinnieren, desto mehr gewiss, und umso mehr billigen wir diese Tendenz als unausweichlicher Fortschritt, der unsere planetarische Zivilisation vollenden möge.
Momentan bürgt noch der Humanismus, dass wir menschlich, letztlich also emotional, irrational und unberechenbar seien. Doch eine junge Wissenschaft forscht, bis das Bewusstsein entschlüsselt, die Seele entzaubert und der Mensch gänzlich mechanisiert werde. Diese Wissenschaft in einen direkten Zusammenhang mit Wirtschaftswachstum und Effizient gerückt, öffnet den Blick fürs wahrlich Grossartige.
Denn sobald der Mensch tatsächlich bloss noch eine Maschine ist, und derselbe auch bloss funktioniert wie eine Maschine, somit gleichsam berechenbar, beeinflussbar und austauschbar ist, dann meinen wir die momentan dilettantische, marktfeindliche und ineffiziente Wirtschaft endlich revolutioniert, weil der «Unsicherheitsfaktor» Mensch entfällt, den man erfahrungsgemäss, gleichwohl man bürokratisch sich überanstrengt, letztendlich nie totalitär verwalten kann.
So befreie dieser Fortschritt uns vom Menschlichem, das allerorten Faulheit, Ineffizienz und Rezession rechtfertigt und verursacht und eigentlich auch verantworten müsste. Auch wären die zwischenmenschliche Kontakte vereinfacht, weil gänzlich aufs Funktionelle reduziert; etliche Konflikte, die heutzutage noch wertvolle Arbeitszeit vergeuden, sind folglich erübrigt. Ebenso müsste man nicht Moral heucheln, ob gewisse Produktionsbedingungen menschlich seien, weil nun nichts mehr menschlich sein müsste; die totale Arbeitsdiktatur siege.
Diese Zukunft ist unausweichlich, weil krönt unsere Zivilisation. Ewiger Fortschritt ist die Folge. Und weil weder Glück noch Unglück Maschinen beeinträchtigen mögen, wären wir immerzu «zufrieden», da wir rasch und beliebig zu programmierende Einheiten, denen man nötigenfalls eine von Kulturindustrie vermarktete Wirklichkeit simulieren könnte. Doch bloss eine Frage könnte die Harmonie stören: wofür das Ganze? Aber weil bekanntlich Maschinen nicht grübeln, droht auch hier keine Dissonanz.
Nachdem die abendländische Kultur in Auschwitz gipfelte, seither bloss rettet, was noch zu retten ist, ist auch Europas Zivilisation erlahmt, weil der «Geist», die alleinige Bedingung einer zivilisatorischen Sendung, verrottet.
Mittels amerikanisch-schweizerischer Finanzierung nach 1945 ernährt, festigte sich die amerikanische Zivilisation in Europa sich, fortan als letzte Mauer vorm östlichen Kommunismus irrer Prägung, dessen grösster Hunger ein ideologisch-geistiger war.
Europa war seither geistlos, bloss eine Funktion des Westens, und zwar jene, welche die beispiellose Lebensqualität der Rentner des westlichen Modells veranschaulichen sollte; Europa ist scheinbar zum Freilichtmuseum degradiert worden.
Nachdem der Pöbel die Mauer zertrümmerte in Berlin, deren Abriss er mittlerweile bedauert, durfte und konnte Europa erstarken, waren doch die alten Kulturzentren wieder miteinander vernetzt; woraufhin Prag, Budapest und Berlin elektrisiert wurden.
Auch ist die europäische Bürokratie ausgeweitet worden, bishin, sodass der rumänische Bauer eine Kuh mittels derselbigen Maschine melken müsse wie der westdeutsche und die Krümmung der Banane europaweit nicht einen gewissen Radius überschreiten dürfe.
Doch der «Geist», vergleichbar mit einer Grossen Erzählung, mit einem Gründungsepos, war verwehrt worden: durch Auschwitz. Hierauf denn noch eine Kultur zu errichten, wäre vollends peinlich, ja geradezu eine Beleidigung.
So müsste man eigentlich Europa vergeistigen; Europas Zukunft bedingt einen «Mythos», einen Geist und auch eine Kultur. Doch ebendiese ist zerbombt, vergast und massakriert worden, womit zugleich der bürgerlich-humanistische Geist endete.
Die Rettung ist radikale Technokratie und Funktionalität; da Menschenrechte und Humanismus ohnehin seit Auschwitz Zynismen sind, darf und solle man den Menschen mechanisieren; zur blossen Einheit funktionalisieren, zum blossen Lohnabhängigen automatisieren.
Allein dies ist eine provisorische Zukunft, welche mindestens hundert Jahre dauern mag. Was anschliessend folgen möchte, ist noch ungewiss: entweder Selbstzerstörung oder Selbstläuterung, Weltzivilisation.
«Jetzt geht`s los», brüllen die Grünen. Kernkraft emotionalisiert zweifellos. Nun dürfen wir ein mediales Spektakel erwarten: Befürworter und Gegner duellieren. Doch diesmal siegt nicht, wer mehr Soldaten befehligt, sondern, wer die Menschen «positiver» emotionalisiert.
Kernkraft symbolisiert die totale Naturbeherrschung; dies Paradigma, worauf unsere beispiellose Zivilisation fusst, andernfalls könnten wir den dilettierten Humanismus unwiderruflich bestatten. Daher ist die Frage, ob man Kernkraft weiterhin billige, vielmehr die, wie wir unsere Umwelt handhaben wollen, insbesondere hinsichtlich einer drohenden Umweltkatastrophe.
Als Männer allein des Lustprinzips hörig waren, also weder Boden beackerten noch Wälder rodeten, daher geschichtslos fristeten, war die Naturbeherrschung keine Notwendigkeit. Vielmehr fürchtete die Männer damals die Natur; sie drohte unentwegt, allein sie erschwerte das Überleben.
Seitdem der Mensch sich aber im Boden verwurzelte, somit auch Zivilisation und Kultur begründete, erschien die Naturbeherrschung als existenzielle Notwendigkeit: sie war elementar geworden, da unausweichlich, noch aber unaussprechlich; die Natur war eine Gewalt, die, obzwar sie zu bändigen versucht, man nicht recht begreifen konnte.
So institutionalisierte sich weltweit ein Polytheismus, der die Komplexität der Natur verdinglichte, bisweilen auch vermenschlichte. Dies war der erste Versuch, die Natur zu beherrschen, indem man sie eines Namens, einer Aufgabe bedachte; somit drang sie ins Bewusstsein, teils als Objekt, teils als Gewalt, teils als Magie.
Nun spalten wir Atome, kommunizieren über Satelliten und kommandieren Roboter; plündern und zermüllen aber gleichzeitig auch den Planeten. Die Naturbeherrschung scheint vollendet, und nachgerade im Kernkraftwerk verdichtet: hinter Beton, wogegen auch Grossraumflugzeuge wirkungslos sind, brüten wir das Ungeheuerlich-Unfassbare, das Menschen entzweit, weil entweder fasziniert oder entsetzt.
So wie dies Faszinosum, dies Entsetzen irrational, so ist auch die Naturbeherrschung gänzlich irrational: weil einer rationalen Notwendigkeit und zugleich eines irrationalen Unbehagens ursächlich. Man will ja einerseits die Welt retten, vorm Schlimmsten bewahren, doch anderseits ist man realistisch-pessimistisch genug, um das Notwendige zu bejahen.
Schliesslich lautet das Akronym totaler Naturbeherrschung totale Unterwerfung der Natur; ein Zustand, dessen sich zu entledigen die Summe des Fortschritts ist. Doch Naturbeherrschung ist nicht endlich; ist sie zumal einseitig getätigt, rächt sich die Natur; erobert zurück, was Mensch ihr raubte.
Momentan scheint uns die Zivilisation erschaffen-vollendet und die Naturbeherrschung nebensächlich, weil vorausgesetzt; Zivilisation bedingt Naturbeherrschung, Naturbeherrschung Zivilisation. Doch an den Rändern zerfranst unsere Zivilisation; sie ist labil, auch wenn sie sich als agil vermarktet.
Der Widerstand, der sich gerade formiert: gegen das Symbol der Naturbeherrschung, ist somit nicht überraschend. Man wittert eine Chance, die Zivilisation nochmals zu blamieren, gleichviel sie, weil ohnedies angeschlagen, aufm Boden kullert-ächzt. Diese Lust, die Zivilisation nochmals zu zertrampeln, ist unwiderstehlich.
Doch statt sich als Grabredner der Zivilisation kurzfristig zu profilieren, wofür man weder Lohn und Dank ernten mag, da derentwillen die Welt ohnehin verendet, sollte man den Glauben bestärken; jenen Glauben, dass Zivilisation und Natur miteinander zu versöhnen seien; dass also die Menschheit keine Negation der Natur sei. Hierfür müssen wir aber noch proben.
Dies im Kernkraftwerk, wo wir die Geheimnisse der Natur eher entschlüsseln können als, indem wir auf allen Vieren im Wald kriechen. Nicht zuletzt verspricht die Verantwortung, welche eine Zivilisation schultern muss, die Atome spaltet und somit der Möglichkeit gewahr wird, die eigene Existenz restlos zu vernichten, dass wir «nachhaltiger» leben.
Kernkraft zwingt die Menschheit also geradezu, vernünftiger zu haushalten sowohl mit der Natur wie auch mit der Menschheit selber. Dies, weil der selbstgemachte Untergang plötzlich eine Option ist. Daher solle man die Kernkraft und zusätzlich, weil die Zukunft zu meistern unvermeidlich ist, die Kernfusion fördern, welche die Sonne simulieren könnte.
Eine bislang beispiellose Kraft, mittels der die Technik abermals sich reife; somit auch das Bewusstsein vergrössere für weitere «Pflichten» und «Verantwortungen» einer derart fortgeschrittenen Menschheit. Doch damit ist die Naturbeherrschung nicht bewältigt; noch unzählige Kräfte, wie beispielsweise die der unheimlichen Quasare inmitten einer beinahe jeden Galaxie, sind unerschlossen, noch unergründet; noch gänzlich unverständlich.
Die Menschheit muss, will sie nicht frühzeitig scheitern, sich der Natur annehmen; muss sie zuweilen auch «vergewaltigen»; reuelos hiermit experimentieren, denn bloss so mag sie lernen, bloss so mag sie gedeihen, bis, ja bis die Menschheit selber auch im Geiste der Natur gewachsen ist. Es ist dies der einzige Weg, den wir beschreiten müssen.
Leider ist die amerikanische Herrschaft endlich. Die Gegner sind gerüstet: sowohl wirtschaftlich wie auch metaphysisch. Allein noch die militärische Gewalt scheint monopolisiert; nirgendwo wird gleichviel investiert. Auch die amerikanische Technik dominiert; triumphiert über Natur und Mensch. Noch. Und gerade dies ist bedauerlich.
Denn die amerikanische Herrschaft war eine gütige, doch krankt allmählich angesichts ihres eigenen Erfolgs. Ohnehin scheint sie fürs letzte Jahrhundert konstruiert, fürs heutige also gänzlich obsolet; unwirksam ist dies, seit 2001 beispiellose unipolare Gehabe, schadet bloss, ruiniert letztlich die Reputation, worauf nachgerade das Haushaltsdefizit schwankt.
Ob ein «Endkampf» die Dekadenz der Welt brechen mag, ist ungewiss; tatsächlich gewiss scheint allein, dass die gegenwärtige Ordnung, die vielmehr improvisiert statt gewachsen, bloss eine zwischenzeitliche, also ein weltgeschichtliches Provisorium sei, das Grund ist nur, dass die Vergnügungsindustrien florieren, und zwar insoweit der westliche «Geist» weht.
Wir bleiben transparent!

Abermals, abermals das eine, hier immer wiederkehrende Stichwort «Naturbeherrschung», welches einen Abgrund öffnet, den man besser zuschütte, um so den Menschen nicht zu beschämen.
Daher dies obige Bildnis, das Gleichnis der totalen Naturbeherrschung, die bedingungslos zu bejahen ist, weil momentan mit der Natur sich zu versöhnen das Menschengeschlecht ausserstande sei.
Der fürs Technische, fürs Menschlich-Erschaffene geschulte Blick ist entzückt; dies Kraftwerk spaltet also Atome, wodurch eine Kraft erzeugt, die den gesamten Planeten zerstören mag.
Eine ungeheuerlich-schöne Verantwortung. Dies Bewusstsein, jederzeit übers letzte Schicksal aller Menschen richten zu dürfen, vergöttert den Menschen tatsächlich.
Die totale Naturbeherrschung bewältigt also Gottes Tod, aber nicht, indem man beflissener Gott flehe, er möge einen begnadigen, sondern, indem man Gott ersetzt, indem man letztlich selber Gott wird.
Gott ähnlich. Wie Gott die Natur verwalte, so begehren auch wir alle Natur zu bändigen: sowohl die innerliche wie die äusserliche.
Abseits der Weltstädten aufgewachsen, schielt man seit jeher nach denselben, wohl der Sehnsucht, aber auch der Differenz wegen, schliesslich möchte man sich distanzieren, hiervon, dass die grosse Stadt jeden verschlingt und vermasst.
Neuerdings eilen Urbanisten ins Land; sie predigen Umweltschutz. Angereist allein, um Unterschriften zu erbetteln, verunzieren sie das Ortsbild. Kaum einer wird verschont; immerzu muss man sich rechtfertigen, weswegen man die Umwelt nicht schützen möchte.
Die Grünen sind tatsächlich einer Pest gleich; verworrene Figuren der Dekadenz. Unaufhaltsam mehren sie sich in den Weltstädten; daraufhin überfallen sie das Land; drängeln und fuchteln, stürmen letztlich die konservative Idee des tragischen Bewusstseins ob des Menschen Daseins.
Mittlerweile ignoriert man diese «Kämpfer», die sich jederzeit als Avantgarde rühmen. Auch wenn sie erkühnen, einen anzusprechen, ohne zuvor eine Unterredung schriftlich oder telefonisch anzukündigen, so werden letztlich immer mit sowohl Nichtbeachtung wie Verachtung bestraft.
Elende Jugendliche. Sie ärgern. Gewiss, sie wollen bloss die Welt verändern, dieser Idealismus heiligt jeden; denn edel tatsächlich scheint, die Welt zu retten. Doch wofür? Man ist ermüdet, möchte vielmehr schlafen, endlich schlummern, hoffen und beten, dass das Bewusstsein nächtige.
Wieso fürchtet sich die Grünpartei vor der unausweichlichen Konsequenz der totalen Naturbeherrschung, die zugleich auch den Humanismus renaturiert, weil reprimitiviert? Unergründlich, denn eigentlich müssten wir nichts bedauern; dann endlich könnten wir bilanzieren, nötigenfalls amortisieren.