Wieso zeitgemässe Beziehungen scheitern müssen

Eigentlich, so eine Überlieferung, ist der Mensch böse. Daher bedarf er einer Herrschaft, einer Gewalt. Herrschaft heisst, dass man sich einigt. Deren kleinster gemeinsamer Nenner ist Hass gegen die Anderen. Man verbündet sich, um zu überleben. Diese Anpassung ist gelungen. Wir nähern uns der Vollendung: die Vereinigung aller Menschen gegen einen äusseren Feind.

Eine solche Verbindung entsteht bereits im Kleinsten: in einer zwischenmenschlichen Beziehung. Die Absicht ist dieselbe: man verschwört sich gegen andere, teilt Intimitäten. Dies, um die eigene Lebensqualität zu verbessern. Eine Beziehung versüsst das Leben. Existenziell ist sie nicht mehr. Man kann auch essen und schlafen ohne einen Partner. Dies beweisen die Singles in den grossen Städten.

Der Zweck ist nur noch, die eigenen Qualität aufzubessern. So jagt man einen Partner, der immer besser wird; einen immer mehr stimuliert und fasziniert. Es ist ein gewöhnliches Steigerungsspiel. Nur eines mit Ende: irgendwann wird man davon abhängig. Man erkrankt. Und alsdann findet man keinen «würdigen» mehr. Alsdann kennt man sich selber nicht. Die gesamte Persönlichkeit scheint projiziert.

Der Partner ist nunmehr ein Spiegel. Und allein ins Spiegelbild hat man sich verliebt. Ob man dabei verhungert oder ertrinkt, ist die Schöpfungsgeschichte unsrer Fantasten. Die heutigen Beziehungen sind somit selbstbezüglich. Aber waren sie das nicht immer? War eine Beziehung nicht immer zweckmässig? Sollten sie uns nicht das Leben erleichtern? Qualen ersparen? – Gewiss doch, das dürfen sie auch.

Wieso wir uns paaren, davon scheinen wir uns entfremdet: es gibt kaum eine Sinngebung hierfür. Vielmehr: wer die Zeugung bestreikt, ist zeitgemäss. Also ist auch die Paarung keine Intention einer Beziehung. Es ist auch keine, dass der Mann die Frau finanzieren müsse. Diese Absichten sind überkommen. Ob sie allein die wahren sind, ist einerlei. Sie jedenfalls stimmten uns versöhnlich. Sie erinnern noch einer Vergangenheit.

Resümierend: es ist unvermeidlich, dass heutige Beziehungen kaum mehr eine Ewigkeit dauern. Sie sind alle flüchtig und kurzlebig. Wir versichern uns bereits, bevor die Beziehung recht begann, wie man sich trennen wolle. Die Anforderungen sind klar, unmissverständlich: Kitzel, Aufregung, Stimulation. Unsere überreizten Sinne müssen reaktiviert werden. Es gibt kein «wie in guten so in schlechten Zeiten». Es zählt bloss der Augenblick.