Weitere Fragmente über die Unschuld und die Kernkraft

Hinweis für regelmässige Leser: Wiederkehrende Gedanken, Fragmente, siehe «Ähnliche Beiträge»; so eigentlich wenig Neues, bloss anders ausgedeutscht.

Die allgemeine Unschuldsvermutung ist auch dem Menschen gebilligt, sooft er auch ramponiere den Planeten, dessen Unversehrtheit stündlich schrumpft. Denn obwohl der Mensch Atome spaltet, fingiert er Unschuld nur, sodass von aller Verantwortung entbunden.

Folglich verrät die Absicht, von Kernkraft sich zu trennen, bloss das Bedürfnis, den unschuldigen Naturzustand zu restaurieren, dessen Verantwortungslosigkeit man geradezu ersehnt. Denn wohl mag sein, dass die Verantwortung, welche eine Zivilisation solcher Grösse und solcher Prüfung schultern müsste, die unsrige überfordere.

Wohl, weil wir damals vermutlich nicht ahnten, als die Naturbeherrschung endlich radikalisiert im Elementarstem, welche Konsequenzen folgen mögen, so könnte man diesen Wagemut noch als jugendliche Naivität verharmlosen. Doch unsere Zivilisation wäre, rein rechnerisch, längst erwachsen, weil dem Infantilem entwachsen; daher bedarf sie entsprechender Verantwortung und Luzidität der Selbsterhaltung wegen und vor allem willen.

Aber die allgemeine Bequemlichkeit, bloss in kurzfristigen Kategorien weniger zu denken als vielmehr zu handeln, gebietet, diese beispiellose Verantwortung, welche über die unsere Zukunft richten wird, kurzerhand zu delegieren ins Nirgendwo und Irgendwann; daher ist die Grünpartei nicht nachhaltig, trotz des Slogans, man gemahnt den Kindern der Zukunft, weil letztlich grundsätzlicher zivilisatorischer Nachhaltigkeit sich widerstrebend.

Naturbeherrschung ist ein Programm, das kein Zurück duldet, sondern bloss eine etwaige Aussöhnung oder eine einseitige Radikalisierung. Hier mag allein die Technik schlichten, wo dem Menschen die ungeheure Verantwortung zu meistern misslingt. So sind wir geradezu verdammt, die Kernkraft zu intensivieren, weil die Alternative bloss Zivilisationsverneinung ist, welche den Menschen entmündigt, die Technik verantwortungsvollst nutzen zu können.

So vergewissert das Kernkraftwerk, dass wir zwar die Natur bändigen, letztlich aber genauso Natur sind, weil genauso involviert, integriert und immer noch, trotz etlichen Bemühungen und Anstrengungen und Fortschritten, die im faustisch-westlichen Geiste stammen, ihrer abhängig, endlich ihr gewissermassen schutzlos ausgesetzt; es ist die grosse und alleinige Motivation aller Zivilisation, der brutalen Natur sich zu erwehren, indem sie zu ergründen, indem sie zu zivilisieren.

Kommentare

2 Kommentare zu «Weitere Fragmente über die Unschuld und die Kernkraft»

  1. rk am 18. Juni 2008

    Eine seltsame Art der Befürwortung von Atomenergie…ist da draussen jemand, der diese nachvollziehen könnte?

  2. bd am 18. Juni 2008

    Befürchte: niemand.

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