Ausserhalb scheint der gläserne Büroturm perfekt: man kultiviert eine schöne neue Welt, wo man stets schick gekleidet, stets gut gelaunt, stets kundenorientiert handelt und stets unternehmerisch denkt. Doch innerhalb eines solchen Komplexes reprimitiviert ein erbarmungsloser Naturzustand den Angestellten.
Es ist ein Kampf, und als solchen immer hart. Dass man schikaniert, brüskiert und lügt, ist folglich Alltag, endlich Gewohnheit; denn dies sind Waffen, deren Gebrauch routiniert ist; allein, um die eigene Position zu bessern, den eigenen Bereich zu verteidigen, die eigenen Kompetenzen zu erweitern oder zu verringern.
Dass daher auch die Menschen erkranken, wortwörtlich verfaulen, innerlich kündigen, vollends resignieren, letztlich bloss funktionieren, ja überleben, krampfen und oftmals erfolglos sich bemühen, ist die Konsequenz des totalen Wettbewerbs in allen Lebenslagen, in jeder Situation, in jeder sozialen Umgebung.
Und dass viele Angestellte diesen Kampf nicht meistern können, ist unabweislich. Doch statt die Überflüssigen und Schwachen der IV zu überverantworten, wo sie dann unwiederbringlich versiechen, sollte die Firma die Mitarbeiterschaft selber therapieren, selber wieder als tüchtigen und fleissigen Bienenstock erziehen.
Grosse, global präventiv und effektiv intervenierende Firmen müssten also einen Psychiater installieren, den man aber «Coach», «Betreuer» oder «Leistungsmanager» heissen sollte, möchte man doch keinerlei Schwäche benennen, ja niemals sagen, was ist, sondern stets verschleiern, das Menschliche unter Objekten hüllen.
Diese Abteilung wäre im Dienste totaler Produktivität, totaler patriarchalischer «Fürsorge». Gleichzeitig dürfte man prahlen, die hungrigen Medien füttern, hiermit agiere man sozial, sozialverträglich, weil man schone den Staat. Und auch wäre eine weitere Abteilung beschäftigt, noch mehr Bürokratie gefestigt.
So wurde wohl auch in jüngster Zeit der Begriff “Mobbing” aus der Taufe gehoben.
Übrigens:
Mir ist, als hätte dein Sprachstil ein paar Rokoko Schnörkel weniger in letzter Zeit. Nichts gegen Rokoko…aber…