Die verschlechterte Weltlage als Prinzip der Hoffnung

Die Weltlage verschlechtert sich. Doch das solle uns nicht besorgen. Natürlich: Krieg und Elend verdriessen den des Lebens unerfahrenen Lohnabhängigen. Doch ebendiese Herausforderungen begründen überhaupt die Geschichte, ermöglichen erst recht Fortschritt und Besserung.

Die amerikanischen Geheimdienste prophezeien, dass die beispiellose Vormachtstellung der USA überkommen sei. Obgleich dies bedauernd, schliesslich war Amerikas Herrschaft eine gütige und milde, uns wohlgesinnte, hoffen wir, dass ein Wettrüsten, dass ein Gleichgewicht des Schreckens und dass der ewig wiederkehrende Kampf um Ressourcen, Lebensraum und Weiber die Welt stabilisiere letztlich.

Es ist nämlich eine einmalige Chance, dadurch der Dekadenz und somit der ihr unterstellten Langweile erwidern zu können. Dass wir uns langweilen, beglaubigt unsere durchwegs hysterisch-hyperaktive Freizeitindustrie. Deren Auftrag ist es allein, die Menschen zu amüsieren, dies wegen Ermanglung eines «Auftrages», eines «Sinnes», eines männlichen Heldentums.

Ein Krieg, ein elementarer, dadurch existentieller, würde den Westen beauftragen und bevollmächtigen, die gegenwärtig gefühlte Paralyse zu lindern mit Auftrag, Sinn und Botschaft. Es wäre das Ende der grossen Müdigkeit, der grossen Langweile; und der Wiederbeginn der eigentlichen Geschichte, des eigentlichen Fortschritts.

Gewiss könnte ein globaler Krieg auch ausarten; wir könnte alle vernichtet werden. Diese Möglichkeit soll uns nicht erschrecken; sie soll uns nur verdeutlichen, dass wir vielleicht nicht würdig sind, diesen Planeten zu besiedeln. Es wäre also einerlei, ob die Menschheit stürbe oder überlebe. Es wäre insgesamt nicht von Relevanz. Dadurch verliert der Krieg auch seinen Schrecken; er wird harmlos; er wird unvermeidlich.

Er wird so, wie die Zwischenkriegsgeneration Deutschlands den Ersten Weltkrieg glorifizierte: als notwendige Pflicht, als notwendiges Übel; als schicksalhafte Fügung. Die gegenwärtige Weltlage sollte uns also zuversichtlich stimmen. Sie allein, die Weltgeschichte, wird und darf richten über uns Gescheiterten.

Kommentare

3 Kommentare zu «Die verschlechterte Weltlage als Prinzip der Hoffnung»

  1. LD am 26. November 2008

    Der Planet der Affen wird’s schon richten ;-) =)

  2. rk am 29. Januar 2009

    Hallo Verwerter,
    ich liebe Kompost!
    Ohne Humus wäre das alles nichts.
    Verwerte weiter, alles ist verwertbar, alles ist von Wert.

  3. Lisa am 15. März 2009

    ich denke das auf jeden fall ein umdenken erforderlich ist ..in vielen Fragen…gerade wenn es mal wieder um den Gedanken Krieg geht.

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