Bereits onlinejournalismus.de zuvorkommend prognostizierten wir, dass Journalisten sich verselbstständigten, weil das Medium beliebig respektive austauschbar sei, aber der Journalist eben nicht. Diese Mode erlaubt auch, die steigende Nachfrage nach Individualität zu rechtfertigen.
Aber vorerst halten die verselbstständigten Journalisten sich (noch) zurück. Ihnen fehlt unter anderem das durchaus überbewertete «Selbstbewusstsein» der Blogger, die sich als die Lässigen und Unantastbaren festlich inszenieren. Ebenso mangelt es ihnen an attraktiven Einkommensmöglichkeiten im Internet. Aber desto mehr sich das Internet als Werbeträger etabliert, desto schneller profilieren sich auch die verselbstständigten Journalisten.
Der verselbstständigte Internetjournalist gewinnt mit seiner Unabhängigkeit, keinem Medienhaus mit einer klar strukturierten und gleichgeschalteten (in unser Terminologie: überangepassten) Linie anzugehören. Unbeschränkte redaktionelle Freiheit prägen ihn zu einem eindeutigen und persönlichen Profil, aber setzen ihn auch den Risiken des Marktes aus. Oder wie \sms es bilderreich umschreibt:
«er steht ungeschützt im freien feld. es wird immer dunkler. es ist saukalt. die aussichten bleiben sensationellst. aber eben: für die aussicht habe ich den bodensee und den säntis. könnt ihr unsere kontonummern publizieren?»
Ich glaub nicht daran, dass sich der Onlinejournalismus etablieren wird. Vorerst. Das liegt nicht zuletzt an der Immobilität des Internets. Da hat die Zeitung immer noch den Vorteil der Portabilität. Das mit dem Online-Journalismus wird wohl erst kommen, wenn es faltbare Computer gibt.
Das Medium ist völlig egal. Das Medium ist nicht mehr die Botschaft, sondern der Journalist. Journalisten sind in der Tat austauschbare Massenware geworden, 20Minuten-Klons. Wer als Journalist überleben will, muss sich einen eigenen Stil, eine eigene Journalistenpersönlichkeit erschreiben. Wer das schafft sucht sein Medium und nicht umgekehrt. Ich glaube nicht an den selbstständigen Internetjournalisten. Gute Journalisten sind schlechte Unternehmer.