Freitag, 03. September 2010
Entgegen erster Aussagen tritt nach der Explosion auf einer Ölplattform kein Öl aus. Inzwischen konnten alle Feuer gelöscht werden. Alle Arbeiter haben überlebt.
Man hätte gegen Ende der Sarrazin-Woche natürlich durchatmen und über den Zustand des Landes streiten können, über kulturelle Differenzen oder die Not der Schulen mit türkischen und arabischen Kindern. Nichts da, Maybritt Illner ist im „Kampf der Kulturen“.Donnerstag, 02. September 2010
Das Kunstmuseum Bochum vermisst die Landkarten islamischer Kunst und zeitgenössischer Kunst aus islamisch geprägten Ländern neu. Der überraschende Fluchtpunkt sind Migranten des Ruhrgebiets.Ist die Umwelt tatsächlich stärker als die familiäre Genidentität?
Seit ich mich für Nachrichten interessiere, wird im Nahen Osten entweder Krieg geführt, Waffenstillstand geübt oder werden Friedenverhandlungen zelebriert.
Jetzt sind wieder Friedensverhandlungen angesagt.
Mein Eindruck von der letzten Israel-Reise: Eigentlich hat niemand wirklich ein Interesse daran, etwas am Status Quo zu ändern. Denn mit diesem lebt es sich derzeit nicht schlecht. Es herrscht ein vielschichtiges und austariertes System der angespannten Ruhe.
Wird da nur etwas geändert, wackelt der ganze Haufen wie beim Mikadospiel. Niemand will den Haufen wackeln sehen.
Wir waren auf jeden Fall überrascht, dass in der Westbank - wir waren in Ramallah, Jericho und Bethlehem - genau so viel gebaut wird, wie auf israelischer Seite. Und wir hatten auch nicht den Eindruck, dass die Palästinenser in Ramallah weniger gut zu leben hatten, als die israelischen Araber (die sich seit geraumer Zeit ebenfalls als Palästinenser bezeichnen) in Jaffa.
Fakt ist, dass alle ihr Feindbild haben, dank dem von den schwelenden Problemen untereinander ablenkt werden kann.
Beispielsweise haben die Israelis ein echtes Problem mit der überdurchschnittlich wachsenden ultra-orthodoxen Bevölkerung. Haredi-Ehepaare haben fünf, sechs Kinder, ich habe noch nie derart viele schwangere Frauen mit kleinen Kinder im Schlepptau gesehen wie in Jerusalem.
Das Problem dabei: Rund 70% der Haredi-Männer gehen keiner Arbeit nach, weil sie ihr Leben mit Beten verbringen. 60% der Familien leben in Armut (was man sieht), leben von der Sozialfürsorge und vom Kindergeld. Die Haredis stellen 10% der israelischen Bevölkerung (israelische Araber 18%).
Ihr Einfluss auf das tägliche Leben, besonders in Jerusalem, ist nicht zu unterschätzen. Beispielsweise sind sie dabei, die Segregation nach Geschlechtern in Bussen durchzusetzen. Frauen steigen hinten ein und die Männer vorne. Die im nächsten Frühling in Betrieb gehende neue Strassenbahn soll mit separaten Wagons für Männer und für Frauen durch die Stadt fahren.
Als ich in Israel war, las ich bei Haaretz einen Onlinebericht, wonach Israels Notenbankchef Stanley Fischer anmahnte, das Land könne sich die Arbeitsverweigerung nicht länger wird leisten. Er wies darauf hin, dass bereits im Jahr 2030 die arabischen Israelis und die Ultraorthodoxen Juden die Bevölkerungsmehrheit stellen werden. Israels Geburtenrate liegt bei 2.75 (!) Kindern und ist weltweit die höchste unter den Industriestaaten.
Oder nehmen wir die Siedlungen rund um Jerusalem, auf die unser arabischer Taxifahrer (israelische ID, jordanischer Pass), mit dem wir zwei Tage unterwegs waren, immer wieder hinwies. Niemand kann sich vorstellen, dass diese auf strategischer Hügellage gebauten Aussenquartiere/Stadtviertel je geräumt werden.
Amjad ging beten, als wir uns mal kurz aufs Tote Meer legten. Er steht auch jeden Morgen um vier Uhr auf, um sein Morgengebet zu verrichten.
Wir für die orthodoxen Juden der die Tora und der Talmud ist für ihn der Koran wortwörtlich zu nehmen. Während wir kurz bei Wikipedia um ein paar Infos zum Toten Meer zu holen, erklärte Amjad uns die Geschichte von Sodom und Gomorrah. Für ihn war dies die einzige mögliche Erklärung, schliesslich heisst die Salzpfütze in seiner Sprache "Meer des Lot".
Das Grundproblem im Nahen Osten ist kein politisches sondern ein religiöses.
Vor vier Jahren starb der Schweizer Filmemacher Daniel Schmid. Jetzt kommt ein anrührender Dokumentarfilm über sein Leben und seine Ideen ins Kino. Von Anke Leweke
Jede Woche stellen Autoren auf ZEIT ONLINE ihre Werke vor. Diese Woche liest Michael Kleeberg aus seinem neuen Roman.
Wer sein Gehirn trainiert, kann das Alzheimerleiden bremsen. Doch später verläuft die Krankheit sogar schneller, wie eine neue Studie zeigt. Von Hartmut Wewetzer
Im idyllischen Inzell bietet Gottfried Bresink Seminare zur Welterklärung an. Der Guru verspricht seinen Anhängern Heilung, Wahrheit und Liebe. Auch den Freitod einer Teilnehmerin seiner Glaubensgemeinschaft kann er erklären.Der Klimapriester und die Presse
von Ansgar Lange
Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore ist eine Art Säulenheiliger des Klimaschutzes. Insbesondere in Deutschland ist er beliebt. Die Deutschen lieben halt amerikanische Politiker, denen sie bedenkenlos ein hilfloses und putziges Robbenbaby zur Pflege überlassen würden. Handfesteren Typen, die dem Steuerstaat wie dem Terrorismus den Kampf ansagen und für das Existenzrecht Israels eintreten, sind sie weniger gewogen. Wenn ein solcher Strahlemann mal einen Abstecher in die vermeintliche Provinz, zum Beispiel ins schöne Sauerland macht, dann lässt er die Maske fallen. Und wie geht die Geschichte? Al Gore, unser weißer Ritter und tadelloser Ehemann von Tipper Gore, soll am Freitag, den 3. September, beim Campus Symposium in Iserlohn sprechen. Gastgeber ist die private Iserlohner Hochschule BiTS.
Beim Lesen der „Westfalenpost“ fiel mir vor kurzem bei einer Stippvisite bei den Eltern in Arnsberg das Toastbrot aus der Hand, das Eigelb kleckerte aufs Hemd. Ich stellte mir eine bange Frage: Sollte etwa der gute Gore einfach nur geldgierig und gar nicht grün sein? Bis zu 200.000 Dollar, so vermeldete die stolze Tageszeitung, die im Untertitel auch als „Stimme der Heimat, Echo der Welt“ firmiert, kassierte der Friedensnobelpreisträger von 2007 früher pro Vortrag. Inzwischen dürfte sein Marktwert etwas gefallen sein, doch ein wenig mehr als Spesen dürfte sein Trip ins Carl-Schmitt-Land schon abwerfen.
Was stört die vermeintliche Provinz-Presse denn so stark, dass sie gar nicht gut über den lieben Al zu sprechen ist? Richtig, der Gute möchte die Pressefreiheit etwas aushebeln. Die Vorgaben der Veranstalter an die Journalisten sind eindeutig: „Aufgrund der Pressevorgaben unseres ...
Die neue argentinische Literatur ist erfolgreich aus dem Schatten ihrer Meister getreten. Wir haben die bedeutendsten Autoren des Landes getroffen - Alan Pauls, Samanta Schweblin, Martín Kohan und Martín Caparrós.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger hat erstmals eingestanden, dass es kurz vor dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg auch Polizeipannen gegeben hat. Absprachen mit dem Veranstalter, um den Besucherzustrom im Griff zu behalten, wurden anscheinend nicht einhalten.
Ist die Umwelt tatsächlich stärker als die familiäre Genidentität? Forscher fanden heraus, dass die genetische Verwandtschaft vermutlich nur in einigen Fällen als die entscheidende Triebkraft der Sozialisation in Frage kommt.
Erst Sonne satt im Juni, dann ein durchwachsener Juli und anschließend ein nasser August - so war es beim Sommermärchen 2006, und so war es auch in diesem Jahr - nur noch ein bisschen schlimmer.
Seine zwölf entscheidenden Gerichte, eine komplette Sammlung von Fotografien sämtlicher Kreationen seit 1987, eine Diskussion seines Menüs: „Food for Thought“ trägt Wissenswertes rund um den Auftritt Ferran Adriàs bei der Documenta 2007 zusammen.
Saskia Frei, neue Präsidentin der Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit, über absolute Selbstbestimmung, tödliche Medikamente am Kiosk und ihre Alzheimer-kranke Mutter.
Santiago Sierra verwandelte vor vier Jahren die Synagoge von Stommeln in eine Gaskammer. Der französische Künstler Daniel Buren geht mit dem Austellungsraum zärtlicher um - er zaubert ein Farbenmeer in das Mahnmal.Das Universum braucht keinen Gott: Mit dieser Aussage sorgt Stephen Hawking für Schlagzeilen.
James Cameron macht mit dem „Avatar“ weiter, Henning Mankell setzt Christoph Schlingensiefs Operndorf-Projekt fort und das westfälische Haltern weiß jetzt endlich, dass es römisch abstammt: die FAZ.NET-Kulturnachrichten. Von Peer Teuwsen


