Für eine positive Welt
Heute feiern wir Darwins Geburtstag. Am 12. Februar 1809 gebar der Herr, der uns vom Aberglauben erlöste, die menschliche Existenz sei gewollt und vorherbestimmt. Und er zerschmetterte das Trugbild, der Mensch entfalte sich nur nach Gottes Willen. Ihm haben wir auch die selbstverschuldete Unmündigkeit zu verdanken, die unausweichlich bedingt, wir müssten die nun «entdeckte» Freiheit beweisen. Vor Darwin lebte der Mensch nämlich noch in friedfertiger Eintracht mit Gott und dem Weltgeist. Nach Darwin jedoch verantwortet der Mensch seine Existenz aber selber. Fortan bürgt der Mensch seine Taten ohne Gott.
Erhellte uns nicht DIE ZEIT, sähen wir den fulminanten Untergang des Abendlandes längstens abgesegnet. Nicht dass wir Spenglers Visionen nicht wahrhaben wollten, aber dieser Befund, der stets der positivistischen Maxime dient, erzielt im tollen und trunken geschwärzten Geschlechterkampf der ungebildeten Unverbesserlichen einen Erfolg für unsere wahrhaft edle Fraktion!
Fassen wir zusammen: als die Gleichberechtigung sich anschickte, althergebrachte Identitäts- und Rollenbilder vor wütender Augen des Pöbels zu demontieren, glaubten sich einige Abtrünnige veranlasst, den Geschlechterunterschied wieder zu rehabilitieren. Diesmal nur subtiler, unterschwelliger, aber so geschnürt, dass jeder vorschnelle Fahnenschwinger es entpacken könnte.
Was aber Eva-Maria Schnurr uns nun in der ZEIT präsentiert, lässt all die Träumen der von der Identität beraubten Untermenschen, die sich einzig und allein anhand ihres Geschlechts identifizieren, unbequem platzen. Grandios, zu Recht sind wir begeistert!
Wir Positivisten waren seit je her überzeugt, dass die weltweite Stromversorgung ökologisch und ökonomisch nur mittels der visionären Kernfusionsenergie gewährleistet werden kann. Dementsprechend waren wir auch erleichtert, als der Standortstreit um den weltweit ersten Versuchsreaktor mit dem Zuspruch für Frankreich endete. Auch, weil dieser geplante, staatlich subventionierte Fusionsreaktor arbeitslose, aber qualifizierte Menschen in Europa beschäftigt.
Seit dem Ende des Standortstreits beruhigte sich die Berichterstattung über den Fusionsreaktor. Aber nun verkündet die Süddeutsche, dass kürzlich in Paris der Vertrag über die anhin noch ungeklärte Finanzierung unterzeichnet wurde. 2016 soll der mit langer Hand geplante Versuchsreaktor endlich in Betrieb gehen. Uns freut’s!
Allmählich begreift der Mensch - O Positivisten, sehet, welch Mensch!? -, dass Tiere intelligenter sind, als wir gemeinhin in unser Arroganz, die wir übrigens der reinen Vernunft zu verdanken haben, obgleich Kant die reine Vernunft in ihrem Wesen vor mehr als zweihundert Jahren epochal kritisierte, behaupten. Nach den Elefanten, DER DISSIDENT berichtete übrigens, würdigen die Wissenschaftler nun die Hühner, denen man früher jegliche Intelligenz absprach, so meldete es heute die Süddeutsche. Was wir lange nicht wussten, vielleicht aber ahnten, bewiesen nun Forscher: auch Hühner können “intelligent” kommunizieren, indem sie ihre Artgenossen über eine ergiebige Futterquelle informieren. Wir, vehement dem Positivismus treu dienend, entschuldigen uns bei allen Hühner für diese masslose Unterschätzung eures Intellekts! Ich hoffe, ihr vergebt uns kurzsichtigen und selbstversunkenen Menschen!
Wenn die eigene Welt, unser Raumschiff Erde, ächzt, stöhnt und wimmert, allmählich den Schimmel abstossen möchte, können wir, wir nach Welt sehnsüchtig trachtenden Hüttenbewohner, den Fokus zum scheinbar unendlichen Kosmos verlagern. Wir verstehen ihn zwar noch nicht, wir konnten ihn auch nie durchqueren, aber er fasziniert uns: weil er das Letzte versinnbildlicht, das uns lockt, motiviert und schlussendlich anspornt, diesen doch so beschaulichen Planeten nicht voreilig zu zerstören.
Weil wir sie, sie kraft ihres Wagnisses fundierter Positivist, ein bisschen entzücken wollen, schliesslich datieren wir heute einen üblichen, aber potenziell erholsamen Samstag, laden wir sie ein, mit uns gemeinsam in die Welt jenseits unser verkrusteten Vorstellungen zu blicken: der Kosmos. Die Süddeutsche bereitete übrigens die Bilder vor.

So schön kann Träumen sein.

Übrigens: das Hubble-Teleskop wird von der NASA wiederbelebt! Es stirbt also noch nicht und wird uns weiterhin mit göttlichen, aber surrealistischen Bildern erfreuen!
Ein alter Menschheitstraum wird wahr: Krieg ohne blutige Händen. Ja, ganz genau, man delegiert neuerdings die Verantwortung und Kompetenz zum Töten an Roboter, die keine moralische Bedenken äussern und auch allgemein ziemlich zuverlässig sind, im Gegensatz zu ihrem verweichlichten Kontrahent Mensch. Was nun fehlt, ist der gentechnisch aufgefrischte, vom Denken und Gewissen befreite Killer-Maschinenmensch, aber der wird unausweichlich folgen. Immerhin, so mutmassen wir, solle der Westen in Kampfroboter investieren, sich also heimlich für einen bald bevorstehenden Dritten Weltkrieg rüsten, um das Massenheer potenziell angriffslustiger und kaltblütiger Chinesen reihenweise abzuschlachten. Nein, und die Produktion, bitte nicht, darf nicht nach China ausgelagert werden, nur weil sie dort günstiger ist, ihr Kurzsichtigen.
Danke Telepolis, dass du uns täglich den Tag positiv erhellst.
Aufgrund der letztlich nicht sonderlich erfreulichen Nachrichten, den Umständen entsprechend, dass die glorreiche und siegesgewisse USA bald von chinesischen Raubtierkapitalisten übernommen wird, ergötzen wir uns am Zerfall der Intelligenz innerhalb des Islams. Verdanken wir doch dem Islam die komplette Neuzeit und die Rezeption antiker Ideen, ist dieser Umstand eigentlich mehr als bedauerlich. Aber unsrem Eigennutz unterliegend dürfen wir schadenfroh höhnen, wie die “moderne” Auslegung einer Religion ein ehemals gelehrsames Volk geisselt und knebelt, so suchte es jüngst telepolis, ein äusserst weltliches und aufgeklärtes Medium, zu vermitteln.