Die Positivisten

Für eine positive Welt

30. Januar 2007

Satire für die Jugend

von @ 11:56. Abgelegt unter Positivistisches, Fröhliche Menschen, Fröhliche Medien

Laut unsrem Selbstverständnis positivieren wir satirisch das Tagesgeschehen. Abgesehen von Lupe und Lismal verharrten wir bislang ziemlich einsam auf diesem brachen Feld. Wir genossen die Ruhe und ein Quasimonopol in der positivierten, satirischen Berichterstattung. Doch die Wowi und Keystone wollen nun Ehrensenf kopieren. Wie persoenlich.com heute morgen nämlich berichtete, will das Konsortium eine schweizerische Wochensatire ab dem 15. Februar jeden Donnerstag im Internet senden.

29. Januar 2007

Als Retter der Moderne schwören wir bisweilen auf die Vernunft, wenn alles andere versagt, den Menschen Sinn, Ordnung und Ziel zu stiften. Zuweilen auch begeisterten wir uns, wenn das menschliche Unbehagen gleichsam Leiden die beschauliche Existenz eines romantischen Lebens überschattet, für esoterisches Gedankengut, dessen Wegbereitung zu mystischen Welterklärungsmethoden neigt, weil solcherart das menschliche Unbehagen auf eine unbestimmte, mutmasslich höhere oder gar nur dritte Gewalt abgewälzt werden kann.

Nun soll - vergleichbar mit einem Gottesbeweis - den Beleg uns überzeugen, wir Menschen seien weder selbst bestimmend noch selbst entscheidend, sondern würden lediglich das Diktat einer fremden Macht abschreiben. In diesem Zusammenhang ernährt sich auch Erich von Dänikens Ideenwelt, welche zwar kaum seinen Lebensumstand finanziert, trotzdem eine Schar von Jüngern um ihn sammelt, um gemeinsam die bedeutsamsten Werke der Ausserirdischen zu bewundern und demgemäss zu vergöttern.

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(Quelle: http://cenap.alien.de/)

Leider wurden wir alle von Studenten getäuscht, welche 1992 während Renovierungsarbeiten der spanischen Kathedrale in Salamanka sich einen kleinlichen Scherz gewährten, wie GWUP gestern berichtete.

Merkels EU-Risikoeinsatz

von @ 11:59. Abgelegt unter Positivistisches, Fröhliche Politik

Die EU-Verfassung humpelt einsam, verlassen und selbstbemitleidend vor sich hin; niemand will diese politische, freilich nicht fachgerecht entsorgte Altlast anrühren, denn wer möchte sich schon vor den gierigen Augen eines sensationslüsternen Publikums (also wir, die Medien) die Haut vergiften? Trotzdem, oder eben, weil man bei hohem Risikoeinsatz auch höhere Gewinne einstreichen kann, wagte es Merkel in Madrid. Alleine der gute Wille, es zu probieren, entzückt uns.

26. Januar 2007

EMMA altert

von @ 14:54. Abgelegt unter Positivistisches, Fröhliche Menschen, Fröhliche Medien

EMMA, die barmherzige, aufreizende, verführerische und selbstbewusste Hofberichterstatterin des linientreuen Feminismus’ feiert den dreissigsten Geburtstag. Zeit also um Kinder zu gebären und gedanklich die Mitte-Lebe-Krise vorwegzunehmen.

«Mit Siebenmeilenstiefeln ist der Fortschritt in den letzten 30 Jahren vorangerast. EMMA rast mit - und manchmal auch voraus.»

Ah, da brausen wir, wir Positivsten, doch mit, schliesslich wiegen wir uns gerne in der aufregenden Sicherheit, wenn eine Frau das Vehikel lenkt.

Aber, was uns EMMA, insbesondere ihre Leitfigur, Alice Schwarzer, - von der übrigens mündlich überliefert wird, sie polemisierte tagsüber gegen die Männer, doch nächtens suchte sie die eben geschmähten Kraftstelzer heimlich auf, um, ja, sie ahnen es vermutlich, um sich begatten und/oder beglücken zu lassen -, nicht verschwieg, sondern mit Stolz und Sendungsbewusstsein aufzählte, was «Emanzen» der Männerwelt bescherten, ist:

«Auch der moderne Mann will nicht länger den alten Adam mimen; will nicht länger Alleinverdiener sein mit einer starken Schulter, an die sein schwaches Weib sich für immerdar anlehnt - und schon gar nicht das Geschlecht mit dem harten Herzen, das ohne einfühlsame Frau stehen bleibt.

Der moderne Mann geniesst es, auch mal schwach sein zu dürfen - und vor allem, nicht mehr allein zu sein in dieser Welt. Denn er hat es - trotz aller so manches Mal schmerzlichen Turbulenzen - durchaus schätzen gelernt, eine Gefährtin an seiner Seite zu haben: als Frau, Freundin, Schwester oder Kollegin.»

Erraten, der EMMA haben wir zu verdanken, dass der «moderne Mann» zunehmend verweichlicht und verweiblicht. Erschreckend, nicht wahr? Und wer soll denn morgen Krieg spielen, falls unsere Rohstoffe und unsere Absatzmärkte bedroht werden? Kampflesben?

17. Januar 2007

Myspace kontrollieren

von @ 12:38. Abgelegt unter Positivistisches, Fröhliche Menschen, Fröhliche Medien

Das Internet verdirbt unsere Jugend. Die Mädchen veröffentlichen gar und gar nicht adrette Bilder, die Jungs schreien einander Morddrohungen zu und die Abzocker lümmeln, sich des Taschengelds der Jugend zu bevollmächtigen. Schlimm, schlimm. Und schlimme Jugendliche sozialisieren sich auf schlimmen Plattformen. Weil Kinder sowieso immer Opfer von bösen Pädophilen sind, fordern Kritiker nun, dass die Eltern die Profile ihrer Kindern auf Myspace kontrollieren dürfen. Die Netzeitung weiss dazu:

«Das Videoportal Myspace will eine Software anbieten, die es Eltern ermöglicht, herauszufinden, welche persönlichen Angaben ihre Kinder auf dem Videoportal machen.»

Damit die Eltern nicht erfahren, welche sexuellen Präferenzen das Kind aushegt, baute Myspace etwas Besonderes ein, um so gleichsam die Würde des Kindes zu bewahren:

«Allerdings bekommen 14- und 15-Jährige ein privates Profil, das Erwachsene über 18 Jahre nicht einsehen können.»

Immerhin, immerhin. Wir beurteilen diesen Entscheid positivistisch. Denn je länger das Kind unter der Kontrolle der Eltern heranreift, desto selbstsicherer und selbständiger wird es sich im Leben durchkämpfen können. Insgeheim wünschten wir seit längerem, dass den Eltern das Recht erteilt wird, auch in den Tagebüchern ihrer Kinder zu stöbern, um somit die darin verbergenden Unsittlichkeiten zu entfernen.

16. Januar 2007

Ein positivistischer Klassiker, den wir nicht positivieren müssen, weil umgedeutet und überinterpretiert er den eigentlichen Befund entkräftet, an dem wir uns ja klammernd stützen. Item. Wie die NZZ, selbstredend trocken, spröde und ohne jedwede Auslegung, heute berichtet, starben 2006 lediglich 370 Menschen an Verkehrsunfällen. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspricht neun Prozent.

Ehe wir uns veranlasst fühlen, diese Zahlen zu begründen, lesen wir zunächst die Erklärung der TCS. Die verbesserten Sicherheitssystemen modernen Automobilen verantworteten die Reduzierung der Unfallopfer. Freilich wurden nur diejenigen dem Tod aufgespart, die im Auto sassen. Wie man die Unfallrisiken der anderen Verkehrsteilnehmer vermindern kann, muss der Blick morgen vorschlagen.

Wir empfehlen, alle Menschen sollten mit modernen Autos brausen. Fussgänger und Velofahrer müssten abgeschafft werden, sie blockieren nur einen flüssigen und unfallfreien Verkehr.

15. Januar 2007

Satirische Werbung

von @ 12:11. Abgelegt unter Positivistisches, Fröhliche Wirtschaft

Eine Unternehmung ironisiert ihr Produkt. Beweist dieser Befund endgültig die Postmoderne? Oder tüfteln Unternehmungen lediglich mit Satire, sodass sie im täglich wiederkehrenden Kampf um die Aufmerksamkeit eines gierigen Publikums nicht in Bedeutlosigkeit versumpfen, weil sowieso alles beliebig ist?

Martin Sonneborn, der das Satireressort bei Spiegel Online leitet, beklagt heute im Telepolis Magazin die zunehmende Konkurrenz etablierter und seriöser Medien, die - wennschon nur unfreiwillig respektive unwissentlich - Satire üben und sein Geschäft ruinieren. Im O-Ton:

«Diese beiden Blätter [Bild und Focus] machen uns nach wie vor Konkurrenz, das stört mich natürlich. Wenn die Bild-Zeitung vorne zeigt, wie der Chefredakteur Kai Diekmann dem Papst eine ‹Volksbibel› übergibt, während ein paar Seiten weiter eine ‹schluckgeile Oma› ihre Dienste inseriert, ist das schwer zu übertreffen.»

Aber was für einen Fall studieren wir, wenn Unternehmungen bewusst mit Satire werben? Einen Sittenzerfall? Oder einen Glücksfall? Dürfen wir lachen? Positivistisch beurteilt; ja, wir sollten sogar lachen. Wir können uns demnach auch über realsatirische Dauerwerbungen für irgendwelche, weil sowieso beliebige, weltklassige Putzmitteln amüsieren.

(Aufschnappt via Metablog und hampas Blog)

Das positivierte Authentische

von @ 11:00. Abgelegt unter Positivistisches, In eigener Sache

Des Diskurs’ willen plaudern wir geschwätzigen Positivisten gelegentlich über Themen, die allerorts besprochen werden. Heute wollen wir uns mit dem Authentischen befassen. Respektive rechtfertigen, wieso wir authentisch sind, während alle anderen innerhalb der Postmoderne dahinsiechenden Akteure das Authentische missachteten und zu verzierten Fiktionen verkamen.

Das Volk positiviert das Authentische. Alles, was authentisch scheint, ist wahr, ehrlich und glaubhaft. Besonders Amateure (im Internet) schätzt man deswegen, weil ihre dilettantischen Arbeiten beweisen als Zeugnis, hier wirken stümperhafte, aber authentische Trolle, die weder von der Werbung verfälscht sind, noch von der Wirtschaft gesponsert werden. Sei es nur, dass der Volksgeschmack mit Amateur-Pornographie liebäugelt oder wackelige YouTube-Videos als höchst mögliche Veredelung der Filmkunst anpreist.

Vor allem in der vervirtualisierten Welt kehren die Menschen die alltägliche Fiktion und Virtualität, diejenige Realität, welche künstlich erzeugt wird, so um, dass sie ewig nach dem Authentischen, nach dem Wahren fahnden. Weil wir zeitgeistig sind, rühmen wir uns als authentische Geister, die weder verdorben, noch einvernahmt wurden. Wir verkaufen auf dieser Plattform beinahe täglich eine Dosis Authentizität. Wer uns liest, braucht also keinen Fernseher mehr, damit der Rest realer wird.

10. Januar 2007

Wie Medienspiegel bereits ankündigte, folgte der unmündige Leser dem Rufe des «Dinosauriers der Schweizer Bloggerszene». Der unmündige Leser, der «keine Gratiszeitungen mehr lesen möchte», konzentriert sich nun deshalb auf qualitätsbewusste Erzeugnisse der hiesigen Medienwelt.

In seinem ersten «Mediensatz»-Beitrag im Medienspiegel glossiert er über die «Glanz & Gloria»-Spezialsendung zum Jahresende. Überrascht jubelte er, dass Silvia Blocher zur Schweizer Stil-Ikone erhoben wurde, weil dies immerhin ja bedeute, Du und Ich, wir seien ebenso würdige Stars.

Uns freut besonders, dass der unmündige Leser wieder heimgekehrte - wie alle Heimkehrer irgendwann heimkehren - ins Nest, das sich mit Medienkritik zudeckt. Weil der unmündige Leser seine Berufskollegen, die verbleibenden unmündigen Lesern, mit seiner Medien-Satire amüsiert, verdient er auch die den Begriff wie Auszeichnung «Edutaiment» (unterhaltendes Lernen). Applaus!

8. Januar 2007

Montags wärmen wir nur leichte Kost auf. Schliesslich wollen wir euch nach den Ferien nicht sofort mit dem Ernst der Welt belästigen. Darum fragen wir scheu, wer berichtet eigentlich noch über den Palästina-Konflikt? Haben wir ihn bereits vergessen? Oder dröhnen lediglich die Gewehren nicht mehr? — Item, das Thema wird totgeschwiegen, weil es uns langweilt. Telepolis kontert leider wieder einmal.