Der massenkulturelle Krieg

Ja, ein begehrtes Lieblingsthema: Der massenkulturelle Krieg. Die hysterische, panische und irrational als Herde sich verhaltende Masse, angestiftet durch die Kulturindustrie, wird für den im Stillen bereits vorbereitenden Krieg weichgeklopft. Aber nicht nur, indem man sie desinformiert, sondern auch, indem man eine Kriegsneurose züchtet, das heisst, und das dürfen wir nicht unterschätzen, dass die Kulturindustrie die Masse stets entweder mit imaginären oder weit her geholten Bedrohungen konfrontiert, demgegenüber ein klar abgegrenztes Feindbild erzeugt und ausserdem Helden medial mythologisiert, die ein breites Spektrum an vorgefertigten und individuell überstülpbaren Identitätsbildern für jedermann mittlerweile perfektionistisch aufrollen.

Der Krieg ist allgegenwärtig. Der Krieg ist ein klassisches, ein aus dem Schulbuch entlehntes Spektakel, das sich gut verkauft und genügend Aufmerksamkeit schöpft, zudem wahlweise wohltemperierte Luft nach dem Geschmack der Massen erhitzt. Und falls der Krieg tatsächlich beginnt, empfinden wir ihn als befreiend, als eine Erlösung, die unsere medial geschürte Anspannung entkrampft. Jedoch findet der Krieg nicht wirklich statt, zumindest nicht in unsrem unmittelbaren und fassbaren Bewusstsein, wir verfrachten ihn unterdessen in ferne Ländern. Entweder am Hindukusch oder am Euphrat verteidigen wir schliesslich unsere illusorische, scheinhafte Freiheit, notabene die Freiheit, zwischen Cola und Pepsi auswählen zu können.

Die Kulturindustrie zeichnet, mitunter fantasiereich, immer ausgefallener, kreativer, derweil ab, was die Masse benötigt: Opium, Schmerzmittel, beruhigende Dämpfer, Hemmer, allesamt Dinge, die uns kalt stellen, die uns erstarren, regungslos wie erfroren als innewohnender Teil des Spektakels spezifizieren. Und nicht verwundert, sondern abgehärtet, abgestumpft und abgebrüht nehmen wir beflissen teil, beeifern währenddessen den Frieden, den wir gar nicht wollen, widerspricht er doch unsren antizivilisatorischen, barbarischen und unverwüstlich verrohten Gelüsten.

Weiterführende Informationen
Telepolis: «Die Unterhaltungsindustrie als Rüstungssektor»
gebsn: «[Politik] Kriegsfreundliche Unterhaltungsindustrie»
DER VERWERTER: «Falscher Tatsachensinn»
DER VERWERTER: «Kriegslust»

Kommentare

3 Kommentare zu «Der massenkulturelle Krieg»

  1. unkultur - Ist unkultur begriffsstutzig? (Zum Thema: Der massenkulturelle Krieg) am 17. April 2007

    [...] unkultur – Ist unkultur begriffsstutzig? (Zum Thema: Der massenkulturelle Krieg)unkulturKultur (Un-, Sub-, Nischen-), subjektiv & selektiv2007-04-17Ist unkultur begriffsstutzig? (Zum Thema: Der massenkulturelle Krieg) Von unkultur @ 17:29 [ Dada (im Alltag) ] unkultur an Verwerter: Weil sich auf die Artikel des „Verwerters“ nicht antworten lässt – absichtlich auf eingleisige Kommunikation angelegt? – hier meine Frage, in der Hoffnung, dass, wo eine Frage ist, auch eine Antwort gegeben wird. Es geht um Deinen Beitrag „Der massenkulturelle Krieg“. Ich bin vermutlich ein besonders begriffsstutziger Mensch, aber erstens mal begreife ich nicht ganz, weshalb Du „Massenkultur“ und „Kulturindustrie“ als austauschbare Begriffe verwendest, und zweitens: Könntest Du mir bitte ein paar konkrete Beispiele nennen, wie die Kulturindustrie Gewalt verherrlicht? (Kriegsfilme und Gewalt verherrlichende Computerspiele finde ich auch schlimm; allerdings gehören die nicht unter den Begriff „Kulturindustrie“). Ich habe beim Lesen Deines Artikels den Eindruck bekommen, dass Du nicht sehr differenziert argumentierst, sondern etwas gar viel über einen Kamm scherst bzw. auf die von Dir erwähnten Verschwörungstheorien mit Deinen eigenen Verschwörungstheorien reagierst (die „Kulturindustrie“ zieht mit der Kriegsindustrie an einem Strick, um die Welt zu zerstören etc.). Soviel zur „vielfältigen Weltbetrachtung“, die Du Dir auf die Flagge schreibst….KommentareBis jetzt keine Kommentare zu diesem BeitragKommentar verfassenNameE-MailUrlIhr KommentarAnti-Spam Überprüfung (Code ins Eingabefeld übertragen) Auto-BR (Zeilenumbrüche werden <br>-Tags)INFOÜber michLETZTE BEITRÄGEIst unkultur begriffss…CIWI, whither goest th…J.R. Moehringer / Bin …Harukieskes aus dem Ok…Richtig rässe Kleinkunst KATEGORIEN AlleDada (im Alltag)ErdungsgarniturIn eigener SacheKluturbanauseKulturpolitikLiteratur/SpracheMusikPoetry SlamsStandortvorteil« April 2007 »MoDiMiDoFrSaSo23456789101112131415161718192021222324252627282930             SUCHE SuchenARCHIVApril 2007März 2007Februar 2007BLOGROLLabout ARTAlpha – das Weblog für…Aus dem nahen OstenAuswandererblogJournal für Kunst, Sex…KultpavillonKulturblogoffengesagt.chShortcut – A European …TraumperlentaucherKAYWA QR CodeWas ist das ?2021300476SMS Senden Sie ALERT 1300476 an die Nummer 202 (CHF 0.20/SMS)Um mehr zu erfahren… >>SERVICES   Powered by KAYWA [...]

  2. DER VERWERTER » Blog Archive » Kampfroboter am 27. April 2007

    [...] Der massenkulturelle Krieg [...]

  3. DER VERWERTER » Beitrag » Irans massenkulturelle Kriegsvorbereitungen am 17. Juli 2007

    [...] Weiterführende Informationen DER VERWERTER: «Das massenkulturelle Krieg» [...]