Mehr Realismus bitte!

Die Kulturindustrie, darauf sich spezialisiert, unser diesseitiges Leben, vermittels Fantasien und Abschweifungen, zu zerstreuen, verweigert literarisch den Realismus. Lediglich das Fernsehen, das gemeinhin sich rühmt, dies Leben abzubilden, welches angeblich wahrhaft täglich sich wiederholt, simuliert unsere Realität, obgleich verklärend und verzehrend, dennoch immerhin!, immerhin eine annähernd die Wirklichkeit tupfende Simulation.

Wohingegen das Kino, aufgebauscht mit das Publikum gewiss verzaubernden Effekten und umworben mit überflüssigen, leidlich öffentlichkeitswirksamen Stars, nichtsdestotrotz jeglichen Realismus zerknäuelt, als würden real existierende Bomben hageln und die tatsächliche Realität uns kollektiv verkümmern (siehe Zitat Wikipedia: «sorgten die Unterhaltungsfilme mit ihrer Illusion einer heilen Welt [...] auch in scheinbar aussichtslosen Situationen [...] für eine gewünschte Zerstreuung und Ablenkung von der immer deutlicher werdenden Alltagsrealität des Krieges»), so trabt zeitgemässe, also populäre Literatur auf den Abwegen der Fantasie, die nur bedingt, wennüberhaupt äusserst subtil und verborgen jene Realität spiegelt, vor der die Mehrheit eigentlich flüchten will.

Erforscht und ermüdend dokumentiert sind die Schicksale längst verschollener Indianerstämme irgendwo im fernen Lande samt deren Gewohnheiten und Anschauungen, verblasst hingegen, nirgends gesammelt und notiert sind die Befindlichkeiten der tagtäglich in Grossraumbüros anmarschierenden Ameisen, von denen man, genau genommen, weniger als über «Barbaren» im Osten zu berichten weiss. Die Masse, erneut als Phantom kostümiert (siehe DER DISSIDENT: «Die Masse als Phantom»), spukt sodann als Gespenst, das, einmal verobjektiviert, sofort auf Subjektivität und Souveränität pocht, welches somit letztlich nicht einzufangen, zu begreifen ist.

Weiterführende Informationen
Melancholie Modeste: «Das tägliche Leben»

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