Wann endlich versöhnt die Zivilisation sich mit der Natur? Seit der Mensch drängt und stürmt, die Barrieren der Natur zu überwinden strebt; glaubt er sich verfeindet mit ebendieser Natur, die einst ihn ernährte und behütete. Mittlerweile ist unsere Erde menschenfreundlich geebnet, das Grundwasser weltweit angezapft und metallene Konstruktionen überbrücken Schluchten wie Flüsse. Allein in Naturreservate, die Mensch eigens für Ablenkung, Zerstreuung und Erholung einzäunte, wuchert die Natur; gewiss freilich domestiziert und vermenschlicht. Ansonsten allerorts bezwang der Mensch die Natur, selbst die kleinsten Teile der Natur, die Atome, spaltet der Mensch energiebringend (siehe DER VERWERTER: «Das Kernkraftwerk als Symbol»).
Unterdessen je mehr die Natur sich rächt, desto beflissener will der Mensch den natürlichen Organismus simulieren; ob Fluggeräte, die Bewegungen optimal ins natürliche System verwachsener Insekten nachahmen, ob Maschinen, die organische Funktionen imitieren, all derlei gemeinsam mahnt, dass der Mensch, in Natur entstanden, die Natur entschieden nicht leugnen kann als einen die Welt gestaltenden und verwaltenden vitalen Organismus, inmitten diesem selbst er trotz Technik, Zivilität und Dünkel Überlegenheit fristet. Weil das Wohl der Natur das Wohl aller Menschen beeinflusst, kann der Mensch die Natur nicht solange ausbeuten, bis die Natur, erschöpft und ausgelaugt, zusammenbricht.
Zivilität bedingt Naturbeherrschung. Erst nachdem die Willkür der Natur gezähmt wurde, sodass der Mensch der Natur Kausalität unterstellen darf, die er einkalkuliert zwecks seinen Handlungen; konnte evolutionsbiologisch der Mensch erfolgreicher als anhin sich fortpflanzen, denn keine Natur erschwerte ihm die Vollblutzucht mehr. Einst reinigte die Natur die Verwüstungen des selbstgefälligen Menschen vorsorgend, heutzutage hingegen muss die Natur bangen, ob der Mensch sie von menschlich verursachtem Schmutz und Dreck säubere.
In planmässigen Menschenparks sozialisiert, bewundert der zeitgemässe in westlichen Weltstädten verwilderte Mensch die Urbanität, just die personifizierte Künstlichkeit, weil urban nur Landschaften sind, die zersiedelt wurden. Dies Staunen, das die Unterwerfung der Natur absolut setzt, verstärkt sich, indem der Mensch die Natur, will er sie während der Freizeit geniessen, anhand berechneten wirtschaftlichen Kriterien künstlich einengt und begrenzt im selben Sinne, als sei er Gott, andersherum, stellt er die Natur als scheinbar natürliche in Museen, Zoos und Reservate aus, verdeutlicht er nochmals die Naturbeherrschung.
Der Mensch könnte lernen von der Natur, in den Organismus, der vormals dessen Wirklichkeit formte, sich einzufügen; und zwar nicht nur, wie heutzutage wirtschaftlich gerechtfertigt, von ihm zu schmarotzen als den Organismus vergiftenden Parasit, sondern in ganzeinheitlicher Symbiose gemeinsam mit der Natur gedeihen oder verderben. Allein die Technik der Natur, deren Abgestimmtheit und Perfektion aufeinander den Menschen stets verblüfft, könnte des Menschen Werdegang nachhaltig wegleiten. Allerdings können wir nicht mehr heimkehren ins Nest der Natur nach Auschwitz, weil dieses wir eigenhändig zerstörten, jegliche Natürlichkeit unsres Lebens durch wirtschaftsgläubige Funktionalität verschimmelten; aber wir könnten die Natur endlich als Brot gebender Organismus und nicht nur als Bodenkapital wertschätzen, als einer: der das Leben aller prägt.
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