Wir schelten «heute» ehrlich!
Eigentlich wollten wir ja hier die «heute»-Redaktion verhöhnen, doch wir erkannten, dass unsere Bemühungen nie fruchten werden, und dass auch diese Redaktion gewissermassen zu loben sei. Natürlich nicht wegen allerlei kleinlichen Unachtsamkeiten, die in selbstgefertigten Texten sich verbargen, diese sind denn auch unvermeidlich, besonders wenn die Redaktion noch jung und immer sich zu verjüngen gezwungen ist. Nein, kleinliche Unachtsamkeiten sollten intern und nicht extern korrigiert werden. Und auch allgemeine Medienkritik ist obsolet, der eilige Zeitgeist würde behaupten: «so etwas von 2007».
Wir schliessen diesen Blog also nicht mit einer Schelte sondern mit gerechtfertigtem Lob; ja, Zeit und Anlass sei, angesichts des Untergangs von «heute» dies Schicksal, das der längst versunkene «Blick» einer hoffnungsvollen und durchaus innovativen Redaktion auferlegte, dieselbe denn zu würdigen, zu preisen wegen den unermüdlichen Anstrengungen, den ohnehin verstümmelten Journalismus hierzulande zu erneuern; den Geschmäckern und Sitten des blinden, fanatisch konsumierenden Fellachen-Heer anzupassen.
Ja überaus tragisch ist, dass «heute» den «Blick» retten muss, auch kommandiert nun derselbe Chefredakteur den «Blick», der vormals «heute» lancierte und sich unlängst gegen Gratiszeitungen insgesamt erwehrte. Vermutlich reüssierte «heute» dermassen, vor allem weil «heute» zeitgemässer schien, dass nun der «Blick» «heute» kopieren muss. «heute» jedoch wird der stärkeren Marke «Blick» geopfert, ganz selbstlos solle nun die «heute»-Redaktion symbolisch sich aufgeben.
Ja, wir sind enttäuscht, wohl genauso die wackere «heute»-Redaktion. Dass man die Motivation eines jungen Teams so verdirbt, indem man die Selbstauflösung auf Raten bestellt, ist schlichtweg unbarmherzig. Man vergisst allzu schnell und oft, auch wenn man von Mitarbeiter schwadroniert, dass Menschen arbeiten, die man nicht einfach herumkarren und nötigenfalls entlassen darf, wie gerade die Marke und der Markt gebietet.
Danke und bis bald! Danke «heute» für die beinahe tägliche Abendunterhaltung. Man liest sich wieder!
Obzwar man den Verleger verachtet, einzelne Mitarbeiter des Hauses hasst oder grundsätzlich nur die Zielgruppe verabscheut, so muss man doch, wenngleich verbittert, letztlich eingestehen, dass das Abendblatt heute, wider aller Erwartungen und düsteren Vorausahnungen, inhaltlich wie konzeptionell sich besserte und festigte, sosehr, dass man diesen «Watchblog» eigentlich schliessen könnte.
Einige Dinge, die wir bemängelten, korrigierte heute lautlos, ob fehlende Quellenangaben, «Freak-News» oder ob Feingliederungen der Kategorien (beispielsweise dass «Lesen» nicht mehr unter «Nachtleben» fällt, obwohl Wissen, das niemand wahrnimmt, unnützes ist), heute zeigt ohne Reue und mit ansprechender Selbstironie die eigenen Unzulänglichkeiten.
Anderseits perfektionierte heute die Massenzerstreuung. Gleichwohl vermischt heute Werbung mit redaktionellem Inhalt, was allein nicht tadelnswert wäre, weil ohnehin alle Medien, Blogs miteingeschlossen, selber sündigen, würde die Subtilität dessen verborgen bleiben. So, kürzlich geschehen (Zürcher Ausgabe, Freitag, 15. Juli 2007), weist dergestalt Werbung einen neuen möglichen, noch subtileren Weg der bewusstseinserweiterenden Werbeindustrie.

Gerade in der vermeintlichen Kernkompetenz, aus anderen Medien schnellstmöglich abzuschreiben, wurstelt heute erneut erschreckend inkompetent, wie die Sauglatten berechtigterweise stöhnen. Aber eben, auch Kopieren/Einfügen-Journalismus muss erlernt werden.
Gott wollte. Unglaublich. Der kritische heute-Rezipient überlebte «Zora Off» und «Konfusius» («Freak-News»).
Denn jüngst stauchten pöbelhafte und aufgebrachte Kommentatoren die heute-Redaktion im heute-eigenen Werbemagazin heute-abend.ch zusammen. Beispielsweise lästerte Marco:
«Anstatt andere Zeitungen wegen ihrer angeblich ‹schlechten und einseitig gefärbten Berichterstattung› zu kritisieren, sollte man wohl besser den eigenen Stil mal überdenken.»
Und sch(l)oss erbarmungslos ab:
«Schade, dass man ‹richtige› Zeitungen in einem grundsätzlich schlechten Bericht kritisieren muss und dabei noch viel mehr ‹journalistische Regeln› missachtet, als es die oben genannten Zeitungen laut Bericht alle zusammen tun…»
Kein Kommentar!
Weil «heute» neuerdings Blogs verlinkt, linken wir dankbar zurück, denn Links sind im Internet - ebenso wie alle Akteure des Internets - zwingend gleichgestellt. Nun, dass «heute» nicht nur vorgekaute PR- und Agentur-Meldungen wiederkäut, beweisen die unzähligen von «heute» bewirtschaften Hausblogs, die wahrhaft «Inhalt» produzieren, den «heute» erwartungsgemäss gedruckt zweitverwertet.
Wir, im kleinen Nebenfach einst als der Volksaufklärung und Propaganda studierten, stiessen umgehend auf den jüngst lancierten, vermutlich aber noch nicht als sagenhaft umworbenen Blog, der die Kompetenzen des ganzeinheitlichen Mediums «heute» nochmals ausdehnen soll. Weil «heute» als Medium sich begreift, dessen Sendungsbewusstsein das der zeitgemässen Jugendlichen beflissen zu verfremden, mit Verkaufsempfehlungen und Lebensweisheiten zu überschwemmen strebt, ist naheliegend, dass «heute» auch die sexuellen Nöten und Sorgen der Zeitgemässen - wenngleich «heute»-typisch kokett ironisierend - verspottet und anstelle der überkommenen eine neuere, weitaus flexiblere und den modernen Zeiten entsprechende Weltanschauung den leicht beeinflussbaren Jünglingen gütig verabreicht.
Nun berät die Lebensschule «heute» - wie angesprochen - auch die menschliche Sexualität. Sicherheitshalber moralisiert «heute» weder, noch belehrt, mahnt oder tadelt den Konsumenten. Nein, dies widerspreche ja dem heutigen und «heute»-spezifischen Bildungsauftrag. Stattdessen scherzt, blödelt, trollt und spasst «heute» nur - gemeinhin die einzig vernehmbare Kompetenz, die nebst dem Abschreiben von Agentur- oder dem Lohnschreiben von PR-Meldungen «heute» auszeichnet.
Verfluchter Zufall, wir glaubten uns vorerst geheilt, das Gift heute schwand aus unsrem Blut. Doch gestern Abend schielten wir aufs vollendete Gesicht des Teufels. heute lag da, regungslos, abgetötet, geworden und empfängnisbereit, eingesammelt zugunsten des Altpapiers zu werden. Wir retteten die gestrige heute-Ausgabe. Nun möchten wir sie verewigen. Denn üblicherweise verflüchtigt sich jede Ausgabe, mithin schneller als unsere Blog-Artikeln dies tun.
Beispielsweise rätseln wir, was die Meldung «Penis-Attacke in der Pizzeria» auf der 5. Seite in der seriösen Rubrik «Ausland» sucht oder erwirken möchte. Unter «Vermischtes» wäre die weltbewegende Nachricht abermals besser aufgehoben. Andernfalls empfiehlt sich, eine «Freak-News»-Rubrik einzuführen, wenn heute das Konzept zerstreuender Nachrichten ernsthaft zu perfektionieren strebt.
Und gleichsam irritiert bemerken wir, dass heute zunehmend politische Inkorrektheit übt. Möglicherweise ist Inkorrektheit akzeptiert. heute bessert immerhin mit Inkorrektheit den Coolness-Faktor. Sätze wie «Die globale Erwärmung macht Balkonferien geniessbar.» auf der 21. Seite weisen diesbezüglich den Weg.
Selbstredend, unsere Kleinlichkeit sei stets geehrt, spotten wir über ebenso kleinliche Formatierungsfehlern. Diese häufen sich mit einer Kontinuität, die beispiellos vorzeigt, dass billiger Journalismus durchaus möglich und mehrheitsfähig sei. Beliebt sind Unachtsamkeiten, die die Kommasetzung betreffen, will heissen, das Komma entweder fehlt, schlichtweg vergessen oder gar verschoben wurde, also «Ich schreibe ,also bin ich». Kleinlich, wahrhaft und überdies nicht dramatisch für heute, wir sind ja schliesslich als mündige Leser abgehärtet.
Weitaus bedenkenswerter ist, wenn heute aufgrund der sowieso latenten Fantasielosigkeit Nachrichten wiederkäut. Das heisst, auf der 3. Seite warnt heute, dass Autofahrer über eine halbe Milliarde zuviel Prämien bezahlen. Weil die Bedrohung real existiert, wiederholt heute die Warnung auf der 7. Seite, jedoch mit einem leicht veränderten Text. Tatsächlich füllt man mit dieser Methode eine ohnehin als Zeitung getarnte Werbebroschüre.
Selbstironie schützt, aber rettet nicht. Denn wenn ein Buch nicht mehr Wissen vermittelt, sondern nur noch dazu dient, im «Nachtleben» Mitmenschen beeindrucken zu vermögen, dann leben wir keine Realität mehr, sagt heute. Andernorts will man deswegen sogar den Jugendschutz alarmieren.
Aufgrund der hausgemachten Unmöglichkeit ein Medium zu überwachen, dessen Auftrag durch jedwede Kritik nur gestärkt statt hinterfragt wird, schränken wir den Betrieb notgedrungen ein und verstehen uns nur noch als ein in zwangloser Folge erscheinendes Periodikum ohne Anspruch auf Seriösität und Kompetenz.
Wir halten uns jedoch weiterhin das Recht vor, insofern wir das eigentlich zu besprechende Medium zusammenrollen, Auszüge satirisch zu verfälschen und aus dem Zusammenhang zu zehren. Erfahrungsgemäss aber stossen wir lediglich drei- bis viermal im Monat auf einen wiederverwertbaren Fetzen dieses umweltschändlichen Altpapiers.
Deshalb glauben wir uns veranlasst, den erwartungsfreudigen Leser zu verkünden; dass wir uns von den Idealen eines Watchblogs trennen, damit wir sodann den Wortsinn Satire umgehend erfüllen können.
Wiederholt zitiert «heute» falsch aus einem Blog. Diesmal verwechselte «heute» den Beschwerde-Blog mit dem Blog DiscoVery aus Zürich.
Beschwerde-Blog: «‹beschwerde›-Blog mit Blocher im ‹heute› – aber…»
Dass «heute» gelegentlich das Geschlecht verwechselt, ist bekannt. Ebenso vertauscht «heute» manchmal unfreiwillig Zahlenwerte. Aber wie ein Blogger kürzlich maulte, kann «heute» sogar nicht einmal Ortsangaben auseinanderhalten.